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10/12/2016 11:39 CET | Aktualisiert 11/12/2017 06:12 CET

Energieeffizientes Wohnen: Was wir selbst tun können

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Energieeffizient wohnen: Was wir selbst tun können

40 Prozent des Endenergieverbrauchs in Deutschland entfallen auf Gebäude. Die Art und Weise, wie wir in den eigenen vier Wänden mit Energie umgehen, ist daher für den Klimaschutz entscheidend. Wie aber geht energieeffizientes Wohnen, und welche einfachen Maßnahmen können uns dabei helfen? Darüber wird mit Thomas Zinnöcker, CEO von ista, einem führenden Energiedienstleister, in diesem Interview gesprochen.

_ Herr Zinnöcker, wo kann zuhause besonders gut Energie einspart werden?

Zinnöcker: Ganz eindeutig beim Heizen und Warmwasser. Über 85 Prozent des Energieverbrauchs einer Wohnung entfallen auf die Wärmeenergie. Wer auf seinen Heiz- und Warmwasserverbrauch achtet, kann in Summe einiges an Energie und Kosten sparen.

_ Woher weiß ich denn überhaupt, wie viel ich verbrauche?

Zinnöcker: Durch die jährliche Heizkostenabrechnung, die alle Bewohner von Mehrfamilienhäusern einmal im Jahr von ihrem Vermieter oder Hausverwalter erhalten. Darin ist transparent aufgeschlüsselt, wie viel Wärmeenergie Sie über das Jahr hinweg verbraucht haben und was Sie das kostet. Das Gute ist, dass Sie dadurch nur die Energie bezahlen, die Sie tatsächlich selbst genutzt haben - und nicht etwa den Verbrauch Ihrer Nachbarn. Anders sieht es aus, wenn Sie in einem Eigenheim oder Einfamilienhaus wohnen. Dann erhalten Sie die Rechnung, inklusive Verbrauch, direkt von Ihrem Energieversorger.

_ Und wie kann dann konkret eingespart werden?

Zinnöcker: Der Blick in die Heizkostenabrechnung lohnt sich. Sie sehen die Höhe Ihres Verbrauchs und die Kosten, aber auch, wie sich Ihr Verbrauch zum Vorjahr und zum Durchschnittsverbrauch aller Nachbarn entwickelt hat. Das ist eine gute Basis, um zu schauen, wo man steht und ob man mehr auf seinen Nutzerverhalten achten sollte - z.B. indem man die Heizung runterregelt, wenn man morgens zur Arbeit fährt oder stoßlüftet, ohne einzelne Räume komplett auskühlen zu lassen. Untersuchungen zeigen, dass die meisten Menschen allein durch das Wissen über ihren persönlichen Verbrauch anfangen, anders mit Energie umzugehen und dadurch einsparen. Im Durchschnitt 15 bis 25 Prozent pro Jahr.

_ Reicht es aus, auf das Heizverhalten zu achten, oder müssen auch die Gebäudehülle und die Heizung optimiert werden, um einen nachhaltigen Effekt zu erzielen?

Zinnöcker: Es gibt verschiedene sinnvolle Maßnahmen, ein Gebäude energieeffizienter zu machen. Dämmung und eine moderne Heizungsanlage gehören in vielen Fällen sicher dazu. Wichtig ist aber, dass die Maßnahmen sich rechnen. Energetische Sanierung darf kein Luxus sein, den sich nur wenige leisten können. Vor allem dann, wenn viele unterschiedliche Parteien in einem Mehrfamilienhaus zusammenleben. Die Maßnahmen sollten nur so viel kosten, dass sie sich durch positive Einspareffekte für Vermieter und Mieter möglichst schnell wieder auszahlen. Dazu zählt im Grunde alles, was dem Bewohner hilft, selbst aktiv Energie einzusparen, etwa erhöhte Verbrauchstransparenz.

_ Man hört immer wieder vom Rebound-Effekt, der nach der energetischen Sanierung auftritt. Was hat es damit auf sich?

Zinnöcker: Wer auf der einen Seite Energie einspart, tendiert häufig dazu, auf der anderen Seite nachlässiger mit Energie umzugehen. Im energetisch sanierten Gebäude kann das dazu führen, dass die Bewohner weniger auf ihr Verbrauchsverhalten achten - nach dem Motto: wir haben so viel in die Energieeffizienz investiert, da können wir uns mal etwas gönnen. Das ist dann der Rebound-Effekt - ziemlich menschlich, aber leider nicht nachhaltig. Das Nutzerverhalten ist beim Thema Energieeffizienz also ein ganz entscheidender Faktor.

_ Was ist mit technischen Energieeffizienz-Lösungen. Gibt es beispielweise eine App für energieeffizientes Wohnen, die Sie empfehlen können?

Zinnöcker: Die eine umfassende Lösung gibt es bisher nicht. Vielmehr konkurrieren viele verschiedene Insellösungen, z.B. zur Heizungssteuerung oder zum effektiven Lüften, um die Aufmerksamkeit der Nutzer. Das Ganze nennt sich dann „Smart Home", ist aber in vielen Fällen noch zu weit weg vom Nutzer.

Ein erster einfacher Schritt ist daher auch hier, den Bewohner mithilfe digitaler Anwendungen noch besser zu informieren. Wir haben dazu gemeinsam mit der Deutschen Energie-Agentur, dem Bundesumweltministerium und dem Mieterbund ein Projekt durchgeführt. Die Frage war, was passiert eigentlich, wenn Mieter nicht nur einmal im Jahr, sondern monatlich über ihren Heizverbrauch informiert werden und dieses Wissen dann auch per App oder Webportal sozusagen „online" erhalten. Die bisherigen Ergebnisse sind durchaus positiv: Im Durchschnitt sind für die Mieter Einsparungen von knapp 10 Prozent möglich.

_ Erste Verbraucherpflicht ist also, sich um für seinen Verbrauch zu interessieren?

Zinnöcker: „Pflicht" ist mir zu streng! Aber eines stimmt natürlich: Wer energieeffizient wohnen will, muss alle Karten auf den Tisch legen. Und das geht nur, wenn man seinen Verbrauch kennt und selbst frühzeitig gegensteuern kann, wenn er zu hoch ist.

Herr Zinnöcker, vielen Dank für das Gespräch.

Zur Person:

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Thomas Zinnöcker (Copyright: ista International GmbH)

Thomas Zinnöcker, Jahrgang 1961, ist CEO des internationalen Energiedienstleisters ista International GmbH. Im Laufe seiner Karriere sammelte er in unterschiedlichen Führungspositionen umfassende Erfahrungen in der Immobilienbranche. Zuletzt verantwortete er als stellvertretender Vorstandsvorsitzender des größten deutschen Wohnungsunternehmens Vonovia SE insbesondere die erfolgreiche Integration der GAGFAH Gruppe in den Konzern. Als deren CEO hatte er zuvor seit April 2013 fungiert. Davor stand er acht Jahre an der Spitze der GSW Immobilien AG. Thomas Zinnöcker studierte Betriebswirtschaftslehre in Dortmund und Köln.

Im deutschen Standardwerk „CSR und Digitalisierung. Der digitale Wandel als Chance und Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft" (hg. von Alexandra Hildebrandt und Werner Landhäußer), das Anfang 2017 im Fachverlag SpringerGabler erscheint, ist Thomas Zinnöcker mit dem Beitrag „Nachhaltigkeit, Energiewende und Digitalisierung" vertreten.

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