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10/12/2016 11:33 CET | Aktualisiert 11/12/2017 06:12 CET

Digitale Welt: Zukunftskompetenz braucht Medienkompetenz

Vertigo3d via Getty Images

Das neue Wirtschaftsmagazins „Digitale Welt" möchte dazu beitragen, Zukunft „einfach" zu entdecken - in einer Zeit, in der die Herausforderungen der Gegenwart immer komplexer werden. Prof. Fredmund Malik bemerkt zu Recht, dass wir es ultradynamischen, vernetzten Systemkonfigurationen zu tun haben, die wir mit herkömmlichen Denkweisen nicht mehr begreifen können. Worauf es im „Komplexitätszeitalter" ankommt, sei die Beschäftigung mit neuen Formen der Organisation: Wenn sie funktionieren, funktioniert auch eine Gesellschaft.

Doch welche Rolle spielt der Mensch? Und was braucht er, um sich im „Mehr" der Möglichkeiten zurechtzufinden? Vor allem Orientierungssinn. Denn er hilft uns, Komplexität und Unsicherheiten auszuhalten und die Realität besser zu verstehen.

Von den Autorenbeiträgen der aktuellen Ausgabe des Magazins „Digitale Welt" sei vor allem der Text von Tamara Dietl hervorgehoben, in dem sie fragt: „Wie wollen wir leben in dieser neuen Welt des 21. Jahrhunderts, in der das Internet zur Infrastruktur unserer Existenz geworden ist?"

Ihr Beitrag bildet die Brücke zu ihrem Buch „Die Kraft liegt in mir" und zum deutschen Standardwerk „CSR und Digitalisierung" (SpringerGabler), in dem sie ebenfalls vertreten ist.

Hier wird gezeigt, dass es heute nicht nur um aktuelle technologische Entwicklungen geht, sondern ebenso (im Sinne der Philosophin Hannah Arendt) um Denken, Verstehen, Erleben und Handeln.

Wir brauchen heute ein neues Denken, das in der Lage ist, viele Facetten und Perspektiven zu sehen, das große Ganze zu erfassen, aber auch ins Detail zu gehen und sich von alten Gewohnheiten und geistigem Ballast zu verabschieden. Denn wer nicht trennen kann, ist auch nicht urteilsfähig. Dazu braucht es Phasen der Distanz und Reflexion.

Das betont auch Tamara Dietl: Wir brauchen „die Fähigkeit und die Bereitschaft, Theorie und Praxis miteinander in Verbindung zu bringen und zwar, indem wir sie reflektieren."

Nur unter dieser Voraussetzung ist es möglich, dass wir uns weder von Euphorie noch Panik und Kulturpessimismus beherrschen lassen und richtig mit Komplexität umgehen können.

Vor allem geht es heute darum, die Rolle der Digitalisierung zu verstehen, um sie mit entsprechenden Grundkompetenzen richtig zu gestalten. Dietl verweist in diesem Zusammenhang auf dieselben Kernkompetenzen des Journalisten und die des Coaches: „präzise beobachten und die richtigen Fragen stellen".

Das ist eine Grundvoraussetzung für das Erwerben digitaler Kompetenzen und die Anwendung digitaler Arbeitsmethoden. Wo diese in den CSR-Strategien von Unternehmen fest verankert werden, werden auch nachhaltiges Wachstum und der sozialen Teilhabe gefördert.

Jugendengagement 2.0

Seit 2014 ist soziale Teilhabe eng mit der digitalen Teilhabe verknüpft. Den Startschuss für Think Big gab 2010 das Media College. Unter dem Motto „Mein Kiez, meine Idee" riefen die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) und Telefónica 2010 Jugendliche erstmals auf, sich zu bewerben.

Damit wurde darauf reagiert, dass der aktive, kritische und kreative Umgang mit digitalen Medien zunehmend auch über Lebens- und Berufsperspektiven entscheidet. Denn diese Kompetenzen sind nicht gleichmäßig verteilt, da sie an die soziale Herkunft gekoppelt sind.

Zu dieser digitalen Inklusion leistet Think Big einen maßgeblichen Beitrag: Das Programm erreicht 90.000 Jugendliche aus allen sozialen Schichten und ist damit das größte Jugendbeteiligungsprogramm der Republik.

Kontinuierlich wird das Programm gemeinsam mit einem Netzwerk aus Partnern kontinuierlich weiterentwickelt. Die Formate zur Qualifizierung wurden angepasst und zunehmende Möglichkeiten zur Vernetzung eröffnet.

In den Projekten vernetzen sich Schüler beispielsweise mit jungen Geflüchteten, Auszubildende vermitteln bundesweit über eine interaktive Online-Plattform Fußballplätze, Studierende und Kreative werden über eine Webseite miteinander in Kontakt gebracht.

Das Programm ist so angelegt, dass auch auf aktuelle Herausforderungen reagiert werden kann: Als Hochwasser im Jahr 2013 große Regionen in den östlichen Bundesländern zerstörten, wurden viele Projekte zum Wiederaufbau eingereicht und zusätzlich unterstützt. 2016 standen vor allem Projekte für, mit und von Geflüchteten im Fokus.

Allen gemeinsam ist die die Lust, eigene Ideen umzusetzen, digitale Medien einzusetzen und etwas in ihrem Umfeld zu bewirken.

Bei Think Big lernen sie auch fürs Leben. Dies bestätigen auch die Ergebnisse der aktuellen Think Big Studie 2016: Das Programm fördert bei den Jugendlichen das Selbstvertrauen und die Motivation, schärft das soziale Bewusstsein und führt zu einem Perspektivwechsel beim Einsatz digitaler Medien. Mit ihnen kompetent umgehen zu können bedeutet auch, an zentralen Zukunftsfragen und deren Lösung aktiv teilzuhaben.

An einer Landkarte für Deutschlands Weg in die Zukunft arbeitet auch die Initiative D2030, die dazu beitragen soll, vernetztes und langfristiges Denken in nachhaltigen Entscheidungsprozessen zu verankern. Im Mittelpunkt des Zukunftsdialogs steht der Entwurf von „fundierten und robusten Szenarien". Sie sollen Antworten auf zentrale Zukunftsfragen geben und öffentlich bereitgestellt werden.

Weitere Informationen:

Jung, sozial., digital. 5 Jahre Think Big

Tamara Dietl: Die Kraft liegt in mir. Wie wir Krisen sinnvoll nutzen können. Random House GmbH, München 2015.

Alexandra Hildebrandt: Kopf oder Bauch? Wie wir heute die richtigen Entscheidungen treffen von Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2016.

Alexandra Hildebrandt und Werner Landhäußer: CSR und Digitalisierung. Der digitale Wandel als Chance und Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft. Verlag Springer Gabler, Heidelberg Berlin 2017.

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