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18/01/2017 14:40 CET | Aktualisiert 19/01/2018 06:12 CET

CSR-Manager: Woran gute Ausbildungslehrgänge zu erkennen sind

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Interview mit dem CSR- und Markenexperten Tom Veltmann

_ Herr Veltmann, welchen Einfluss hat die Nachhaltigkeitsberichtspflicht für die Weiterbildung zum CSR-Manager?

Gemäß EU-Vorgabe werden mit der CSR-Umsetzungsrichtlinie (Nachhaltigkeitsberichtspflicht) kapitalmarktorientierte Unternehmen und Finanzinstitute mit mehr als 500 Mitarbeitern erstmalig für dieses Jahr und dann jährlich Nachhaltigkeitsberichte erstellen müssen - mit Aufwänden insbesondere bei der Ersterstellung und mit einem bedeutenden Wettbewerbsvorteil. Das aktuelle Gesetz zur Nachhaltigkeitsberichtspflicht erfordert als erstes Gesetz eine umfassende Transparenz für kapitalmarktorientierte Unternehmen und Finanzinstitute. Mit diesem Gesetz zur Ergänzung der Bilanzierung muss über die individuellen ökologischen, sozialen und ökonomischen Auswirkungen berichtet werden. Hier tun sich für Unternehmen und Banken viele neue, komplexe Fragen auf.

Unternehmen wollen wissen, was auf sie zukommt. Ob sie als größere Unternehmen direkt von der Berichtspflicht betroffen sind, ob sie als kleinere/nicht börsennotierte Unternehmen durch Anforderungen als Zulieferer betroffen sind, oder ob sie mit den Wettbewerbsvorteilen einer Nachhaltigkeits-/CSR-Strategie den Markterfordernissen entsprechen wollen - wachsende Nachhaltigkeitsanforderungen kommen auf alle Branchen zu. Der Run der vergangenen Jahre auf gute Ausbildungen im Bereich Nachhaltigkeit / CSR wird durch diese gesetzliche Pflicht einen weiteren Sprung nehmen.

_ Woran erkennt man die Qualität guter Aus- und Weiterbildungen zum CSR-Manager?

Eine gute Aus- und Weiterbildung mit dem Ziel einer guten individuellen Umsetzung im Unternehmen oder Institution muss eine allgemeingültige Inhaltsstruktur gemäß anerkannter CSR-Standards und gleichzeitig parallele Bezüge für die individuelle Umsetzung bieten. Bestenfalls erfolgt ein begleiteter Transfer des vermittelten CSR-Wissens im didaktischen Verlauf des Lehrgangs in das eigene, individuelle Umsetzungskonzept des Teilnehmers durch professionelle und erfahrene Dozenten. Neben präzisen und auch später nachvollziehbaren Lehrgangsunterlagen stellen die Dozenten die Aus- und Weiterbildungsqualität sicher.

Das komplexe Feld der CSR - von Nachhaltigkeitsthemen, Ethik, Werten und CSR-Theorien, einem individuellen Nachhaltigkeitsmanagement bis hin zur modernen Kommunikation und Berichterstattung nach anerkannten Nachhaltigkeitsstandards - erfordert sehr erfahrene Dozenten, die den teilnehmenden Fach- und Führungskräften mit ihrer Fachexpertise und didaktischen Erfahrung strukturiert Rede und Antwort stehen können. Sie sollten konkrete Anleitungen und Empfehlungen zur jeweiligen Umsetzung der zu entwickelnden CSR-Konzepte geben können.

_ Welcher Abschluss ist sinnvoll?

Grundsätzlich ist zwischen Hochschulstudiengängen im Bereich Nachhaltigkeit/CSR und einer Vielzahl von Fort- und Weiterbildungsangeboten verschiedener Seminaranbieter zu unterscheiden. Mit meinen Erfahrungen in beiden Anbieterbereichen - als Dozent renommierter Hochschulen sowie bei den führenden Seminaranbietern - empfehle ich, die eigenen Anforderungen an eine geeignete Fort- oder Weiterbildung möglichst klar zu formulieren, die vor allem die gerade genannten Qualitätsanforderungen erfüllen. Hochschulen bieten CSR i.d.R. als Teil des wirtschaftswissenschaftlichen Studiums für die Zielgruppe Studierende; Seminaranbieter offerieren sehr vielfältige Angebote v.a. für Berufstätige, nach meiner Einschätzung in sehr unterschiedlicher Qualität.

_ Wie erklären Sie sich dies?

In den vergangenen Jahren hat es eine deutliche Zunahme von Veranstaltungen und Seminaranbietern im Bereich CSR gegeben. Im Zuge der aktuellen Gesetzgebung zur Nachhaltigkeitsberichtspflicht mehren sich die Bildungsangebote im Bereich CSR weiter. Es ist häufig zu beobachten, dass Agenturen und Seminaranbieter den modernen und wachsenden Bereich CSR für sich reklamieren - mitunter hinterlassen sie bei Unternehmen und Institutionen, die sich in dieses neue Thema einarbeiten möchten, einen eher diffusen Eindruck. Das ist sehr schade für dieses politisch notwendige und betriebswirtschaftlich nutzvolle Thema CSR.

_ Gibt es einen Vergleich aller angebotenen Kurse? Woran können sich Interessierte orientieren?

Das besondere Wachstum im Markt von CSR-Seminaranbietern zeigt sich auch in der Vielfalt und Menge ihrer Angebote. Googlen Sie "CSR-Ausbildung", erhalten Sie über 400.000 Suchergebnisse. Das macht eine Transparenz und Qualitätsbewertung sicher nicht leicht. Für die möglichst sichere Bewertung der in Frage kommenden Seminarangebote empfehle ich die direkte Kontaktaufnahme zu den Seminaranbietern. Interessenten sollten dem Seminaranbieter ihre relevanten Fragen zum Abgleich mit ihren persönlichen Erwartungen stellen. Ein kritischer Austausch und Erwartungsabgleich, möglicherweise auch direkt mit den Dozenten oder mit Teilnehmern vorangegangener Kurse, kann die Entscheidung für einen Lehrgang gut absichern - insbesondere dann, wenn es sich um durchaus kostenintensive Seminare handelt.

_ Weshalb bezeichnen Sie den Kurs der IHK Bonn/Rhein-Sieg mbH als „Flaggschiff"?

Im DIHK-Zertifikatslehrgang der Weiterbildungsgesellschaft der IHK Bonn/Rhein-Sieg mbH zum "CSR-Manager (IHK)" erarbeiten sich seit über vier sehr erfolgreichen Jahren die Teilnehmer - Fach- und Führungskräfte aus Unternehmen, Banken und Institutionen unterschiedlicher Größen - jeweils in zwölf Tagen den anerkannten und gefragten IHK-Zertifikatsabschluss. Sie lernen CSR in Theorie und Praxis als umfassendes Nachhaltigkeitsmanagement fundiert kennen und erarbeiten parallel ihr eigenes CSR-Konzept. Dieses eigene und professionell begleitete CSR-Konzept können die Teilnehmer in ihrem Unternehmen oder Institution umsetzen. Das DIHK-Lehrgangs-Curriculum dient allen regionalen IHKs als Grundlage für die Durchführung ihrer eigenen Lehrgangsangebote - mit der Empfehlung, die Qualitätsstandards des zentralen DIHK-Curriculums zu sichern.

_ Worauf baut die Didaktik des "CSR-Manager (IHK) auf?

Sie setzt auf den komplexen CSR-Megathemen und -Trends auf und bildet die CSR-Theorien und -Grundlagen modern ab. Die Lehrgangsteilnehmer erhalten einen fundierten Überblick zur Einordnung ihrer relevanten Nachhaltigkeitsthemen und lernen, angeleitet von den Dozenten, das strategische CSR-Konzept gemäß international führender Nachhaltigkeitsstandards umsetzungsorientiert kennen - von der Stakeholder-Analyse, der Selbstverpflichtung/Nachhaltigkeitsstrategie, über die Realisation eines Nachhaltigkeitsmanagements, seinem Controlling bis hin zu einer Nachhaltigkeitsberichterstattung und -kommunikation gemäß international anerkannter Standards.

_ Ist die Erwartungshaltung der Teilnehmer nicht häufig zu hoch - gerade bei den Selbstständigen, die dann im Markt keine entsprechenden Stellen finden?

Nach meiner Erfahrung ist das Bild von CSR bei Interessenten, die in das Thema CSR einsteigen möchten, häufig noch nicht präzise. Das Berufsbild des CSR-Managers ist nicht klar definiert. Nachhaltigkeit und CSR werden häufig noch eher mit "Öko" und "sozialen Engagements" verbunden und weniger als moderne Unternehmensstrategie verstanden, die durch das systematische Beziehungsmanagement mit den Stakeholdern besondere Wettbewerbsvorteile generieren kann. CSR wird nahezu von allen Konzernen und Großunternehmen angewendet. Viele Marken-Stars und Markt-Führer sind ganz oben in den Nachhaltigkeits-Rankings. Das notwendige Wissen für eine erfolgreiche Anwendung von CSR auch in kleineren Unternehmen wächst. Wie alle BWL-Methoden dringt auch CSR von den Großen weiter zu den kleineren Unternehmen und Instituten. In diesem Zuge erwarte ich eine weiter wachsende Nachfrage nach guten "CSR-Managern" in der Wirtschaft, wie auch bei NGOs.

CSR-Manager arbeiten zumeist im Bereich Kommunikation oder Strategie/Stabsfunktion. Mit dem "CSR-Wissen" übernehmen sie als CSR- und Strategie-Beauftragte, Projektleiter und Kommunikatoren wesentliche Koordinationsfunktionen in Unternehmen und Instituten. Auch im Beratermarkt ist eine quantitative Zunahme von CSR-Beratern sehr deutlich. Hierbei gebe ich zu bedenken, dass es viele Berater gibt, die neu auf dieses Thema setzen und im fortgeschrittenen Wettbewerb Probleme haben, Fuß zu fassen.

Zur Person:

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Foto und Copyright: Tom Veltmann

Tom Veltmann ist Geschäftsführer von Mehrwerte für Marken sowie Partner führender Seminaranbieter und renommierter Hochschulen zum Thema Markenmanagement & Nachhaltigkeit/CSR. Im Expertenteam des Deutschen Industrie- und Handelskammertages Berlin entwickelte er gemeinsam mit Prof. Matthias S. Fifka, Prof. René Schmidpeter, Wolfgang Keck und Dr. Alexandra Hildebrandt den nationalen DIHK-Zertifikatslehrgang "CSR-Manager (IHK)" und führt ihn fortwährend als Dozent und Prüfer bei mehreren Industrie- und Handelskammern (IHK) durch. Tom Veltmann ist Lehrbeauftragter für Ethik, CSR, Corporate Governance, Compliance sowie Kommunikation im Master-Studiengang der Hochschule für Ökonomie und Management (FOM) und lehrt als Dozent an weiteren Hochschulen. Darüber hinaus entwickelt er führende Ausbildungsgänge und Seminare zum Thema Markenmanagement mit dem modernen CSR-Konzept, u.a. in Kooperation mit der Konrad Adenauer Stiftung, IHKs und Handwerkskammern.

Weiterführende Informationen:

Alexandra Hildebrandt: CSR-Manager gesucht! Ein Berufsbild zwischen Wunsch und Wirklichkeit von Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2016.

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