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04/01/2014 04:50 CET | Aktualisiert 06/03/2014 06:12 CET

Commitment! Was die neue Führungselite ausmacht

Die Überlebensfähigkeit von Unternehmen und Organisationen wird künftig verstärkt von ihrer Glaubwürdigkeit abhängen. Dabei ist eine entsprechende Selbstbindung (Commitment) der Führungsverantwortlichen von besonderer Bedeutung, denn es resultiert aus dem „Ja", aus dem Gefühl und der Überzeugung, für Entscheidungen und Konsequenzen selbst verantwortlich zu sein.

Kommt es doch bei der neuen Führungselite in Politik und Wirtschaft darauf an, Gesicht zu zeigen, für andere lesbar zu sein, sprachlich nicht in Deckung zu gehen, sich so auszudrücken, dass zwischen die Zeilen auch mehr als ein Wimpernschlag passt. Der US-amerikanische Schriftsteller und Philosoph Ralph Waldo Emerson schrieb in seinem Essay „Der Dichter": „Der Mensch gehört nur halb sich selbst - die andere Hälfte ist Ausdruck." (http://www.menschenformen.de/texte/wj01.htm) Dieser zeigt sich im Gesicht und in der Handschrift. Ohne diese persönlichen Bezüge ist auch ein Thema wie „Nachhaltigkeit", das heute zum Kerngeschäft gehört und kein Nebenstrang ist, der in Kommissionen oder Arbeitsgruppen zusammenläuft, nicht vermittelbar (http://www.gesichter-der-nachhaltigkeit.de).

Der Wirtschaft können vor allem die Digital Natives den dringend erforderlichen Innovationsschub geben, weil sie es verstehen, den Geist der neuen Zeit zu nutzen und somit als Katalysator für Veränderungen zu wirken. Zu ihnen gehört auch Philipp Riederle (http://www.philippriederle.de/), der in seinem Buch „Wer wir sind, und was wir wollen" (http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=18568) schreibt: „Deutschland hat eine neue Generation von CEOs, wie die Chefs heute heißen. Sie sind offen, zugänglich und unprätentiös. Sie beantworten ihre E-Mails selbst, tragen ihren Aktenkoffer, wissen, wie man im Internet einen Flug bucht oder per Smartphone eincheckt. Sie tun Dinge, mit denen sich ihre Vorgänger nicht abgaben."

Die neuen Manager sind sich bewusst, dass nur, wer sich auch emotional bewegt, etwas bewegen und bewirken kann. Sie versuchen gar nicht erst, sich anders als „echt" darzustellen, weil Verstellung viel zu viel Energie kosten würde, die sie lieber in Projekte und Prozesse investieren. Sie lassen sich in kein „Job-Korsett" zwingen und empfinden die Trennung zwischen Beruf und Privatleben als Konstrukt. Philipp Riederle bringt die innere Einheit auf den Punkt: „Wissen ist ersetzbar. Persönlichkeit und Ausprägung nicht."

Das neue Kapital bemisst sich auch an den Äußerungen von Führungskräften. Dabei sind Alter, Gehalt und Status nicht mehr relevant (https://www.huffingtonpost.de/alexandra-hildebrandt/warum-jungen-menschen-gehalt-und-status-egal-ist_b_4452824.html). Vielmehr geht es um prägende Inhalte, die einen Menschen erkennbar machen. Schon in der mittelalterlichen Welt der Ritter gehörte es dazu, sich auf Rufweite mit Namen, Herkunft und Anspruch zu erkennen zu geben, wenn eine Kraftprobe vorbereitet wurde. Das hatte mit Respekt und Wertschätzung dem anderen gegenüber zu tun.

Seit den 1980er Jahren verschwanden die Persönlichkeitsprofile in vielen gesellschaftlichen Bereichen - in der Wirtschaft dominierte zuweilen ein mittelmäßiger Managertypus, der auch sprachlich sehr begrenzt war und von seinem Weltgebäude herab die Erfolge der anderen als seine eigenen ausgab - für Misserfolge dagegen waren sie allein verantwortlich. Er lehrte seine Mitarbeiter und hielt sich selbst stets daran, niemals etwas schriftlich zu hinterlassen, weil man dann Fehler schwarz auf weiß nachweisen kann. Zu seinen sokratischen „Windeiern" - Eiern ohne Schale, also zu bloßen Satz- und Worthülsen verkommene Begriffe - gehörten manipulativ eingesetzte Floskeln. Kritik, so vermittelten ihm seine Berater, müsse begegnet werden, indem man seinem Gegenüber einfach die „Waffe" abnimmt, um sie dann dem Feind entgegen zu strecken. Für ihn galt der alte Spruch der CIA: „Gib nichts zu. Streite alles ab. Erhebe Gegenanklage." Ein solcher Typus hat kein Commitment.

Um niemals greifbar zu sein, wechselt er auch heute noch häufig seinen Job, ist anonymer Gesellschafter oder Vorstand mit einem Drei-Jahres-Vertrag, der keine Ruhe lässt für langfristige Entscheidungen und Entwicklungen. „Business-Nomaden" nennt Hermann Scherer in seinem Buch „Schatzsucher" jene Spezies, „die als Vorstände oder Geschäftsführer von Firma zu Firma ziehen, überall zwei, drei Jahre bleiben, sich nach außen so darstellen, als hätten sie das Unternehmen gerissen - und in Wirklichkeit hoffnungslos versagen und auf den nächsten Job spekulieren."

In der heutigen Transparenzgesellschaft werden solche Menschen allerdings auch schneller enttarnt. Vertrauen und Glaubwürdigkeit sind die neue Währung. Die neue Managementarchitektur wird getragen von Persönlichkeiten, die einen echten „Hintergrund" haben, der den Vordergründigen fast immer fehlt.