BLOG
05/12/2015 10:09 CET | Aktualisiert 05/12/2016 06:12 CET

Circular Thinking: Kluge Köpfe über Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft

Ezra Bailey via Getty Images

Circular Economy (Kreislaufwirtschaft) ist nach EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker neben Digital Economy und Renewable Energy eine der drei Zukunftssäulen der EU. Darauf verwies auch Harald Hauke, Geschäftsführer der Austria Glas Recycling GmbH, beim 4. Austria Glas ReCIRCLE am 24. November 2015.

Ein geringes Deponieaufkommen sei ein gutes Zeichen für funktionierende Kreislaufwirtschaft. Erinnert wurde allerdings auch daran, dass Österreich zwar im Bereich Abfallwirtschaft und insbesondere Glasrecycling zu den Spitzenreitern zählt, der Ressourcenverbrauch aber über dem EU-Durchschnitt liege und die Ressourceneffizienz besser werden müsse.

„Da haben wir Handlungsbedarf", erklärte Bundesminister Andrä Rupprechter. Bezüglich der Sustainable Development Goals der UN sprach sich der Bundesminister für die Entwicklung einer nationalen Umsetzungsstrategie mit klaren Verantwortungen aus.

Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch das aktuelle Buch von Austria Glas Recycling, „Circular Thinking - Kluge Köpfe über Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft", vorgestellt, dessen Schirmherr Rupprechter ist.

Die Publikation soll verdeutlichen, dass Nachhaltigkeit „sowohl mit Umweltschutz als auch mit erfolgreichem Wirtschaften verbunden ist" (Harald Hauke).

Es finden sich darin u.a. Beiträge vom Soziologen und Vizepräsidenten des beratenden Ausschusses des UNO-Menschenrats Jean Ziegler, des Umweltforschers Ernst Ulrich von Weizsäcker, des Ecological-Footprints-Schöpfers Mathis Wackernagel und des Philosophen Konrad Paul Liessmann.

2015-12-02-1449071867-4491287-Attachment1.jpeg

Foto: Copyright: Wolfgang R. Fürst

v.l.n.r.: Dr. Harald Hauke (Geschäftsführer Austria Glas Recyckling), Bundesminister Andrä Rupprechter

In seinem Plädoyer „Wie ökologische Modernisierung weltweit gelingen kann" fordert Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, dass die Steigerung der Umwelt- und Ressourcenproduktivität zu einer finanziellen gewinnquelle werden muss, „so wie das bislang mit der Arbeits- und Kapitalproduktivität der Fall war".

Von oben beschlossen - von unten gelebt

Die Nachhaltigkeit ist für von Weizsäcker der wichtigste Wettbewerbsfaktor in einer Welt mit neun Milliarden Menschen. Der Co-Präsident des Club of Rome und Honorarprofessor an der Universität Freiburg war am 1. Dezember 2015 auch Keynote Speaker beim Nachhaltigkeitssymposium Mainfranken (Steigerwald-Zentrum Handthal), wo Unternehmen für ihre Leistungen für mehr Nachhaltigkeit von der Region Mainfranken GmbH mit dem Nachhaltigkeitspreis Mainfranken 2015 ausgezeichnet wurden.

In der Kategorie „51 - 250 Mitarbeiter" erhielt die memo AG, deren Maßstäbe im Bereich Ressourcenmanagement (u.a. durch den Einsatz des Mehrweg-Versandsystems „memo Box") auch in „Circular Thinking" beschrieben ist, diesen Preis nach 2012 bereits zum zweiten Mal - als „Arbeitgeber, der in Sachen nachhaltiges Wirtschaften mit gutem Beispiel vorangeht" erhielt.

2015-12-02-1449071946-6321081-Preisverleihungmemo_12_2015.jpg

(v.l.n.re.): Frank Schmähling (Vorstandsmitglied memo AG), Lothar Hartmann, Claudia Silber, Thomas Wolf (Vorstandsmitglied memo AG)

Laudator Florian Töpper, Landrat des Landkreises Schweinfurt, würdigte die unternehmerischen Leistungen der Preisträger des Nachhaltigkeitspreises Mainfranken 2015:

„Die Sieger treten den Beweis an, dass Ökonomie, Ökologie und Soziales durchaus in Einklang zu bringen sind, ohne den wirtschaftlichen Erfolg zu gefährden. Sie sind Vorbilder für gelebte Nachhaltigkeit in Mainfranken und schaffen dadurch Motivation zur Nachahmung ökologisch tragfähiger, wirtschaftlich effizienter und sozial gerechter Maßnahmen."

Die Vereinten Nationen haben jüngst globale Zielsetzungen für eine nachhaltige Entwicklung definiert, die die kommenden Jahrzehnte maßgeblich prägen sollen.

Allerdings funktioniert nur, was „oben" beschlossen wird, wenn es auch „unten" vor Ort gelebt und umgesetzt wird. Zahlreiche Beispiele dafür finden sich in „Circular Thinking".

Die Kernaussagen der Autoren

Christian Felber: „Eine nachhaltige Weltgesellschaft ist eine kollektive Kulturleistung von enormem Ausmaß, es ist eine Menschheitsherausforderung."

Dr. Alexandra Hildebrandt: „Lokales Handeln kann die Welt verbessern - dabei ist es am wichtigsten, einfach anzufangen und sich auch einzugestehen, dass es gar nicht relevant ist, zu viele Vorgaben und Regeln zu kennen."

Prof. Dr. Konrad Paul Liessmann: „Was nachhaltig wirkt, lässt sich aus der Motivations- und Ausgangslage der Handelnden nur schwer vorhersagen."

Prof. Dr. Dr. Franz Josef Radermacher: „Wenn Balance auch möglich ist, spricht doch auch vieles für Kollaps bzw. eine weltweite Zweiklassengesellschaft als Zukunft für die Menschheit."

Andreas Steinle: „Der Nachhaltigkeitstrend verlässt nun die Phase der Desillusionierung und erobert die Mitte der Gesellschaft und Ökonomie."

Dr. Mathias Wackernagel: „Der Footprint wird zur Messlatte der minimalen ökologischen Nachhaltigkeitsbedingung."

Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker: „Nur, wenn wir die Ressourcenproduktivität steigern, ist es möglich, dass alle Länder sowohl ihre Wohlstandsziele als auch die der Nachhaltigkeit erreichen."

Prof. Jean Ziegler: „Der Kampf ist noch lange nicht gewonnen."

Weitere Informationen:

Magazin für Restkultur

Deutschland ist Europameister - im Verpackungsmüll

Es reicht! Genug mit dem globalen Wegwerfwahnsinn

Warum wir uns den Rest geben sollten

Restlos brauchbar. Warum die Ära der Mülltonne beendet ist

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite