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16/12/2015 03:31 CET | Aktualisiert 22/04/2017 12:44 CEST

Welt 2015 wie 1914

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Syrien bietet Zündstoff für einen neuen großen Krieg. Ähnlich, wie vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 sich die europäischen Mächte um den Balkan rissen, existieren heute unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten der Groß- und Regionalmächte im Syrien-Konflikt und Nahen Osten.

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Vor allem die russische Sichtweise steht im krassen Widerspruch zur westlichen. Russland verhindert durch sein Eingreifen im Syrien-Konflikt, dass sein Verbündeter Baschar Assad auf dieselbe Art und Weise von westlichen Mächten entmachtet wird, wir seinerzeit Slobodan Milosevic in Ex-Jugoslawien. Vor 15 Jahren verlor Russland seinen angestammten Einfluss im Westbalkan, im Nahen Osten darf sich das nicht wiederholen.

Für die Türkei ist der russische Krieg in Syrien kaum hinnehmbar, denn er macht Ankaras Hoffnungen zunichte, bei der Neoordnung des Nahen Ostens eine führende Rolle zu spielen. Der türkische Abschuss des russischen Jagdfliegers steht in diesem Zusammenhang.

Als Vergeltung für den Abschuss könnte Russland jetzt die ethnischen Kurden in Syrien gegen die Türkei unterstützen. Darauf würde die Türkei die aserbaidschanischen Bemühungen um die Wiedereroberung von Bergkarabach vom russischen Verbündeten Armenien unterstützen.

Ukraine-Konflikt vergiftet Klima zwischen Russland und Westen


Unterdessen vergiftet der Ukraine-Konflikt das Klima zwischen Russland und dem Westen in Europa. Während einige westeuropäische Länder die Sanktionen gegen Russland aufheben würden, fordern die Baltischen Staaten und Polen ihre Verlängerung. Dieselben Balten fordern, zusammen mit Polen und der Slowakei, ein Bauverbot für die zweite Ostseepipeline, weil diese das Transitland Ukraine unterminieren würde.

Die Ukraine sichert ihre wirtschaftliche Existenz durch Transitgebühren aus Russland ab. Der Angriff der Mitteleuropäer gegen Nord Stream richtet sich auch gegen Deutschland, das dieses Projekt aus energiesicherheitspolitischen Erwägungen unterstützt. Mittelosteuropäer und Westeuropäer liegen auch in der Flüchtlingspolitik über Kreuz.

Auch das internationale Regelwerk gerät aus den Fugen. Der Westen ändert kurzerhand die Bestimmungen des Internationalen Währungsfonds, um der Ukraine neue Kredite zu verschaffen. Russland sieht sich nicht mehr an die Entscheidungen des Internationalen Gerichtshofes gebunden, weil er angeblich politische Verdikte gegen Moskau fällt.

Einige Weststaaten überlegen, das Veto-Recht im UN Sicherheitsrat auszuhebeln. Die Hoffnungen auf eine Neubelebung der OSZE als neue institutionelle Ordnungskraft für Europa erfüllen sich nicht. Regierbarer wird die aufkeimende monopolare Weltordnung dadurch nicht.

2016 wird in Amerika der neue Chef der westlichen Welt gewählt. Kann er die Welt vor all dem neuen Unheil retten? Jedenfalls kann er durch kluge Politik die Welt vor einem aufkommenden großen Konflikt bewahren.

Video:„Ein Blankoscheck für Ukraine": Deshalb fühlt sich Putin bedroht: In diesen Ländern entstehen neue Nato-Stützpunkte

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