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20/12/2015 05:29 CET | Aktualisiert 22/04/2017 12:44 CEST

Umgekehrt denken: Syrien wird Deutschland

Thinkstock

Stellen wir uns einmal die Flüchtlingskrise umgekehrt vor: Eine erneute Finanzkrise in Europa lässt den Euro-Raum zerbrechen, es folgen soziale Unruhen, ultrarechte Parteien ergreifen mancherorts die Macht, in einigen Ländern kommt es zu Bürgerkriegen. Eine riesige Flüchtlingswelle setzt sich aus Europa Richtung südliches Mittelmeer - wo Stabilität wieder eingekehrt ist - in Bewegung.

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Die Anrainerstaaten des Mittelmeeres fürchten die Million von europäischen Flüchtlingen. Erinnerungen an westliche Kolonisatoren, Eroberer und Kreuzritter werden plötzlich wach. Die arabischen Länder geben dem Haupttransitland Türkei Milliarden Dollar, damit Ankara die griechisch-türkische Grenze verschließt. Doch von den arabischen Staaten erklärt Syrien sich bereit, Europäer aus Ländern, wo ein Bürgerkrieg tobt, aufzunehmen.

Die Nächstenliebe hat aber ihre Grenzen. Neuankömmlinge erhalten nur Bleiberecht, wenn sie sich verpflichten, das arabische Wertesystem anzuerkennen und sich darin zu integrieren. Die Migranten müssen pflichtgemäß Integrationskurse besuchen, schnell Arabisch lernen, eigene religiöse Rituale, Festtage nur im kleinen privaten Rahmen feiern.

Europäische Frauen müssen sich auf ein für sie völlig konträres Weltbild umstellen. Für die Kinder wird die islamische Lehre zum Pflichtfach in der Schule. Das europäische Wertesystem, in dem die geflüchteten Menschen aufgewachsen sind, gilt für sie in Syrien nicht mehr.

Integrationszwang im arabischen Wertesystem


Gleichzeitig wächst in der einheimischen syrischen Bevölkerung die Angst vor Überfremdung. Organisierte politische Gruppen veranstalten Massenproteste gegen Migranten, fordern sie zur Umkehr auf. Doch die Regierung betont: die europäischen Neuankömmlinge sind eine Bereicherung.

Viele der Europäer sind gut gebildet. Nachdem sie Arabisch erlernen, werden sie hier als Ärzte, Sanitäter, Facharbeiter, Sozialarbeiter, Altenpfleger arbeiten können und einen Beitrag zur Erhöhung des BIP leisten und später die Pensionskassen füllen.

Ihre Kinder werden, so die Hoffnung, "echte Araber". Die syrische Wirtschaft hofft, dank der Flüchtlinge aus Europa, langfristig auf einen Aufschwung. Aber zunächst muss die Integration Erfolg haben - und zwar schnell.

Doch viele der Europäer sind unzufrieden. Sie fordern Kompaktsiedlungen für Landsmannschaften. Protestanten, Katholiken, Orthodoxe wollen möglichst zusammenbleiben, um ihre jeweilige Kultur, Sprache, Werte im kleinen Mikrokosmos weiter pflegen zu können.

Sie wollen ihre christlichen Kirchen errichten, um sonntags zu Gottesdiensten zusammenzukommen, um so wenigstens Heimatgefühle zu bewahren. Die Integrationspolitik amtlicher Stellen kritisiert solche Anliegen. Sie verhindere die notwendige Assimilation.

Einige arabische Staaten werden eine militärische Einmischung in Europa ins Auge fassen, um dem Kontinent wieder zur Stabilität zu verhelfen, damit eine Völkerwanderung von Nord nach Süd gestoppt wird.

Doch angesichts der unterschiedlichen geostrategischen Sichtweisen der Golf-Staaten, Irans und der Türkei auf das Abendland Europa, bleibt das Ansinnen utopisch. Völlig absurd ist auch dieser Beitrag.

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