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18/03/2016 05:31 CET | Aktualisiert 22/04/2017 12:43 CEST

Putins geglückter Coup

dpa

Vladimir Putin hat die russischen Armeetruppen aus Syrien nachhause beordert. Der russische Militäreinsatz im syrischen Bürgerkrieg ist damit vorerst beendet. Dabei ist die Terrormiliz "Islamischer Staat", gegen den die internationale Anti-Terror-Allianz im Herbst ins Feld gezogen ist, noch lange nicht besiegt. Warum dann der Abzug, der Freund und Feind gleichermaßen überrascht hat?

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Alle Ziele erreicht

Gründe hatte Putin für seinen Schritt genug. Erstens sein Hauptziel war erreicht. Russlands Verbündeter Präsident Baschar Assad sitzt in Syrien wieder fest im Sattel. Sein vom Westen und anderen arabischen Staaten geforderter Sturz ist vom Tisch.

Assads Armee hat, dank russischer Luftwaffenunterstützung, strategische Territorien von der Opposition zurückgewonnen. Der Westen akzeptiert, dass in Syrien eine politische Lösung ohne Assad doch nicht möglich ist.

Zweitens will Putin vermeiden, in eine Afghanistan-Falle zu geraten.

Die IS ist nur durch einen Einsatz von Bodentruppen zu besiegen, wie die El Quaida in Afghanistan. Bekanntlich stecken USA und NATO seit fünfzehn Jahren in Afghanistan fest, ohne dass der Terrorismus dort verschwunden ist.

Russland, selbst einmal in Afghanistan gescheitert, will unter keinen Umständen eigene Bodentruppen nach Syrien schicken. Die Vertreibung des IS aus den besetzten Territorien sollen die Truppen Assads zusammen mit den Rebellen bewerkstelligen.

Russland hat, außer dem von der Türkei abgeschossenen Piloten, nur einen Militärangehörigen im Krieg verloren. Vor den Duma-Wahlen im September braucht Putin keine weiteren Gefallenen, ebenso wenig wie Barack Obama in den USA.

Öldeal mit Saudi Arabien

Drittens hat Putin gerade mit Saudi Arabien, dem Hauptunterstützer der gegen Assad kämpfenden Sunniten, einen wichtigen Deal abgeschlossen. Russland und Saudi Arabien stemmen sich zum ersten Mal gemeinsam gegen den sinkenden Ölpreis.

Tatsächlich steigt der Ölpreis wieder, für die Ölförderungsländer Russland und Saudi Arabien ein Erfolg. Die Kooperation muss konsolidiert, Riad in Laune gehalten werden, Assad ist plötzlich zweitrangig geworden.

Russland wieder Weltmacht

Viertens hat Russland über seinen Kriegseinsatz in Syrien seine Großmachtstellung in der Weltpolitik zurückgewonnen. Ohne Moskau ist eine Neuordnung des Nahen Ostens nicht mehr möglich. Das wird vom Westen und den Nachbarstaaten Syriens anerkannt.

Russland hat der Weltöffentlichkeit seine neuesten modernen Waffensysteme im Kriegseinsatz demonstriert. Westliche Experten sind beeindruckt.

Fünftens hat Russland ein anderes eigenes Kampfziel in Syrien erreicht: es hat nach eigenem Bekunden tausende von russischen islamischen Gotteskriegern, die sich unter die IS und andere Terrorgruppen gemischt hatten, ausgeschaltet. Sie können keine Bombenattentate mehr in Russland verüben.

Sechstens will Putin offensichtlich eine weitere Eskalation des Konflikts mit der Türkei vermeiden. Moskau hat seine Pläne, einen Kurdenstaat gegen die Interessen Ankaras zu unterstützen, beiseite gelegt. Vielleicht werden sich die Beziehungen zwischen Moskau und Ankara jetzt wieder einrenken.

Russland wird seine zwei Militärbasen in Syrien behalten und über sie seinen Einfluss im Nahen Osten ausbauen. Westliche Basen wird es in dieser Region so schnell nicht geben.

Aufhebung der Ukraine-Sanktionen

Es sieht danach aus, als ob Putin durch seine Kooperationsbereitschaft mit den USA und anderen Regionalmächten in Syrien auch seine Verhandlungspositionen in der Ukraine-Krise gestärkt hat. Westlicher Druck auf Moskau in der Ukraine-Krise könnte abnehmen. Die Aufhebung gegenseitiger Sanktionen rückt in greifbare Nähe.

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