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06/10/2015 10:01 CEST | Aktualisiert 22/04/2017 12:44 CEST

Warum Europa unbedingt im Nahen Osten eingreifen muss

SANA

Deutschland und die EU werden den überdimensional anwachsenden Flüchtlingsstrom nicht stoppen, solange in der Herkunftsregion der Migranten Krieg herrscht. Alleine den Krieg in Syrien anzuhalten reicht nicht aus.

Neben Syrien sind Afghanistan und der Irak von Staatszerfall, Terrorismus, religiös-ethnischen Konflikten und Wirtschaftskatastrophen betroffen.

Vermutlich benötigt der Nahe und Mittlere Osten einen internationalen Friedensplan, neue Grenzziehungen, internationale Friedenstruppen, institution building und ein milliardenschweres wirtschaftliches Aufbauprogramm - nach dem Beispiel Jugoslawiens in den 1990er Jahren.

Versagen des Westens im Nahen Osten

Der Westen hat in der Region bislang versagt - Afghanistan bleibt, trotz 15-jähriger NATO-Präsenz dort, ein failed state, die gewaltsame Absetzung der Diktatoren im Irak und Libyen hat in diesen Ländern nur Chaos angerichtet. Der Enthusiasmus des arabischen Frühlings ist verflogen.

Die Probleme des Nahen Ostens haben Europa kaum tendiert, durch die Flüchtlingskrise greifen sie nun unmittelbar in die europäische Politik und Gesellschaften hinein. Die Flüchtlingslager in den Nachbarländern Syriens mit mehr Geld auszustatten kann keine langfristige Lösung sein.

Wie in Jugoslawien, muss jetzt in den Bürgerkrieg eingegriffen werden - um Schaden von Europa abzuwenden.

Russland als neuer Akteur im syrischen Krieg

Während die Europäer auf die traditionelle Ordnungsmacht Amerika hoffen, steht Russland - mit dem keiner gerechnet hat - plötzlich mitten im syrischen Krieg. Russland will die Führungsrolle in der dem Westen angebotenen internationalen Antiterrorallianz übernehmen und nicht mehr nur die Rolle eines westlichen "Hilfssheriffs", wie 1999 im Kosovo und 2001 in Afghanistan, spielen.

Ziel Moskaus ist, sich dauerhaften Einfluss in der Krisenregion zu sichern und bei der Entstehung einer neuen multipolaren Weltordnung nicht übergangen zu werden.

IS auch für Russland gefährlich

Der Westen glaubt, Russland gehe es nur um die Stützung des Assad-Regimes, weniger um die Bekämpfung der Terrormilizen des Islamischen Staates IS. Für Russland bildet der IS jedoch eine riesige Gefahr.

Viele Spitzenpositionen im IS nehmen ehemalige Kämpfer aus dem Nordkaukasus ein, die von der Idee, ein Kalifat in Russland zu errichten, weiterhin träumen. Sollte Afghanistan wieder an radikale Islamisten fallen, wäre die russische Südflanke erneut gefährdet. Somit sind die Interessen Russlands und des Westens, den Terror in Syrien und Afghanistan zu besiegen, identisch.

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Video zeigt: Die russische Luftwaffe bombardiert weiterhin IS-Stellungen in Syrien

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