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10/10/2013 03:32 CEST | Aktualisiert 09/12/2013 06:12 CET

Wie Erdgas zur Verkehrswende in Europa beitragen kann

Schadstoffarmer Verkehr ist dank Erdgas als Kraftstoff keine Zukunftsvision mehr. Bereits heute gibt es eine verlässliche, sichere, bezahlbare und umweltfreundliche Erdgas-Versorgung in Europa.

Energie verbindet. Sie versorgt Autos, LKWs und Schiffe mit Kraftstoff und transportiert Menschen und Güter über ein immer größeres Verkehrsnetzwerk. Neue Verkehrsmittel sind seit jeher Treiber für Innovation und es gab in den vergangenen Jahrzehnten unzählige bahnbrechende Entwicklungen bei Design, Größe und der Geschwindigkeit von Autos. Heute stehen wir vor der Herausforderung, Mobilität zugleich wirtschaftlich und nachhaltig zu gestalten.

In den Jahren 2008 bis 2012 wuchs die Nutzung von Erdgas im Transportsektor um 220 Prozent, von 13,6 Milliarden Kubikmetern in 2008 auf 30,1 Milliarden Kubikmeter. Die Internationale Energieagentur schätzt, dass der Anteil von Erdgas im Verkehr bis 2018 auf 50 Milliarden Kubikmeter weltweit anwachsen könnte. Andere Prognosen kommen zu dem Ergebnis, dass die Nachfrage nach Erdgas im Verkehrssektor alleine in Europa um 40 Milliarden Kubikmeter bis 2013 steigen könnte und weltweit sogar um 200 bis 300 Milliarden Kubikmeter.

Wir bei Gazprom Export wollen diesen Markt auf ein neues Level heben. Erst kürzlich haben wir 12 Erdgastankstellen in Süddeutschland übernommen und planen, bis Ende des Jahres insgesamt 23 Tankstellen zu betreiben. Dieses Netzwerk soll in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden.

Schadstoffarmer Verkehr ist dank Erdgas als Kraftstoff keine Zukunftsvision mehr. Bereits heute gibt es eine verlässliche, sichere, bezahlbare und umweltfreundliche Erdgas-Versorgung in Europa. Im Vergleich zu Dieselautos stoßen Erdgasfahrzeuge 25 Prozent weniger CO₂ und 85 Prozent weniger N₂O aus, einem noch schädlicheren Treibhausgas. Die Ruß- und Kohlenmonoxidemissionen betragen bei Erdgasautos nahezu null, so dass auch die Luftqualität spürbar steigt und der schädliche Einfluss von Emissionen aus dem Straßenverkehr auf die Atemwege reduziert wird.

Erdgas ist zudem kostengünstiger als konventionelle Kraftstoffe. Mit einer Tankfüllung im Wert von zehn Euro kommt ein Erdgasauto etwa 220 Kilometer weit. Ein Dieselauto schafft damit nur 164 Kilometer, ein Benziner sogar nur 103 Kilometer. Das Europäische Gasforum hat berechnet, dass europäische Verbraucher bis 2050 zwischen 68 und 77 Milliarden Euro sparen können, wenn weiter in den Ausbau von Erdgas im Verkehr investiert wird. LKWs und Schiffe bieten das größte finanzielle Einsparpotential - inmitten der Wirtschaftskrise ist das ein nicht zu vernachlässigender Faktor!

Es bleibt noch viel zu tun. Vor allem müssen wir uns besser mit den Vorteilen von Erdgas vertraut machen. Politische Entscheider sollten sich vergegenwärtigen, dass Investitionen in Erdgasnetze wirtschaftlicher sind als Investitionen in andere Technologien, die auf Subventionen angewiesen sind. Die Politik sollte allerdings für verlässliche politische Rahmenbedingungen, eine ausgewogene Besteuerung und eine Standardisierung bei Kraftstoffen sorgen. So kann der Weg für Investitionen in den Transportsektor geebnet werden.

Gemeinsam mit E.ON und vielen lokalen Partnern veranstaltet Gazprom seit 2008 die „Blue Corridor Rally", eine Rally, die ausschließlich mit Erdgasfahrzeugen bestritten wird. Mit dieser Initiative wollen wir auf praktische Lösungen für saubere und bezahlbare Mobilität in Europa aufmerksam machen. Vom 3. bis zum 18. Oktober diesen Jahres werden 15 Autos, Busse und LKWs entlang der alten Hanse-Route die Ostsee umrunden und dabei von St. Petersburg durch Skandinavien, Hamburg, Danzig und die baltischen Staaten fahren. Zum ersten Mal wird die Rally auf einer Flüssiggasfähre von Finnland nach Schweden fahren - ein Musterbeispiel für die Vorzüge von Flüssiggas in der Schifffahrt in der stark verschmutzen Ostsee.

Die Rally zeigt, dass Erdgasfahrzeuge bereits heute massentauglich sind und dass Verbraucher dabei nicht nur die Umwelt schonen, sondern auch sparen können. Allerdings offenbart sie auch, wo noch weiter gearbeitet werden muss - insbesondere bei der Schaffung eines noch dichteren Netzes von Erdgastankstellen, dem Schlüssel für die vollständige Erschließung dieser neuen Technologie. Um das Henne-Ei-Problem zu vermeiden, müssen Gasversorger, Autohersteller und die nationalen Behörden dabei eng zusammenarbeiten.

Vor diesem Hintergrund begrüßen wir die Anfang des Jahres vorgestellte Gesetzesinitiative der EU-Kommission zur Förderung sauberer Kraftstoffe. Der Vorschlag enthält ambitionierte Ziele für den Ausbau des Marktanteils alternativer Kraftstoffe wie Erdgas. Dies ist ein wichtiges und notwendiges Signal an die Industrie und ein Anreiz für die Entwicklung von attraktiven Rahmenbedingungen für Erdgas als Kraftstoff im europäischen Verkehrssektor.

Zur Zeit sind circa 18 Millionen Erdgasfahrzeuge weltweit registriert. Im Jahr 2020 sollen es 50 Millionen sein. In Europa gibt es derzeit allerdings nur etwa 1,5 Millionen Erdgasfahrzeuge, davon 100,000 in Deutschland. Mit ihrem Gesetzespaket für saubere Kraftstoffe hat die EU den Startschuss geliefert. Die nationalen Regierungen müssen nun anfangen zu laufen. Gazprom ist bereit für das Rennen um einen nachhaltigeren und kostengünstigeren Verkehrssektor.