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28/10/2013 14:53 CET | Aktualisiert 28/12/2013 06:12 CET

Abnehmen? Schlemmen, statt Kalorien zu zählen

HuffPost-Blogger Kollege Kevin Indigo hat einen Beitrag hier auf der HuffPost veröffentlicht, auf den ich gerne eingehen möchte. Er schreibt in seinem Artikel:

HuffPost-Blogger Kollege Kevin Indigo hat einen Beitrag hier auf der HuffPost veröffentlicht, auf den ich gerne eingehen möchte. Er schreibt in seinem Artikel:

"Tatsächlich haben alle (erfolgreichen) Diäten eines gemeinsam: ein Kaloriendefizit. Auch wenn viele dies nicht hören möchten, physiologisch gibt es keinen anderen Weg, wie Wikipedia belegt: ... "

Sorry Kevin, aber das ist so nicht richtig. Schon gar nicht dass eine negative Kalorienbilanz essenziell sei.

Essenziell ist vielmehr die _richtigen_ Kalorien zu essen und die falschen (wie den von Dir angeführten Schokoriegel) wegzulassen.

Jeder kennt das: Man macht eine Diät, hungert Tage oder Wochenlang, schränkt seine Lebensqualität deutlich ein und auf der Waage: Passiert nichts. Der Körper senkt einfach seinen Grundumsatz an Energie, wenn wir weniger Kalorien aufnehmen. Und sobald wir "rückfällig werden" speichert er sofort alles was er kriegen kann zusätzlich in den Fettzellen.

Erlaubt mir hier einige Vorschläge aus eigener Erfahrung zu machen. Ergebnis waren 18 Kilo Gewichtsabnahme in einem Jahr. Ohne Kalorienzählen, fast ohne Sport. mit reichlich Genuss und ohne teure Kurse, Bücher oder Nahrungsergänzungsmittel:

Was kann bei Kalorienreduzierung passieren?

Unser Körper hat quasi ständig Angst vorm Winter und vor schlechten Zeiten. Wenn ich meinem Körper weniger Kalorien zuführe, reduziert mein Körper seinen Kalorien-Umsatz und speichert mehr Fett ein. Fasten kann - falsch eingesetzt - den genau gegenteiligen Effekt haben von dem was ich erreichen möchte.

Die richtigen Kalorien ist der Schlüssel

Wenn ich das falsche - nämlich Zucker und andere einfache Kohlenhydrate wie Getreideprodukte (Nudeln, Brot, Kuchen, Müsli) - esse, steigt mein Blutzuckerspiegel rapide an. Ein zu hoher Blutzuckerspiegel kann auch für gesunde Körper giftig sein. Darum schüttet mein Körper nun das Hormon Insulin aus um den Blutzuckerspiegel zu senken, in dem es den Zucker in die Fettzellen einlagert. Solange Insulin im Blut ist, können die Fettzellen nur aufnehmen, aber kein Fett abgeben.

Wer abnehmen möchte sollte dementsprechend keinen Zucker, keine Getreide-Produkte, keinen Reis und keine industriell hergestellten Produkte essen, in denen Zucker in jedweder Form enthalten ist:

Denn dann schüttet der Körper nur sehr wenig Insulin aus. Die Fettzellen können das gespeicherte Fett in den Blutkreislauf abgeben um daraus Energie für den Körper bereit zu stellen.

Schaut auf die Verpackung und meidet alles wo so etwas drin ist: Zucker, Fructose, Glukose, Fruktose Sirup, Maissirup, Maisextrakt, Traubenzucker... Jupp, all das sollte nicht in Eurem Essen enthalten sein.

Wie vermeide ich solches essen?

Meine erste Reaktion war: Fernseher rauswerfen. Seit zwei Jahren schaue ich nur noch DVDs oder Streaming Angebote. So umgehe ich nicht nur lästige Werbung für Süßkram, Bier, Limos und den ganzen anderen Schrott (schaut Euch mal einen TV-Werbe-Block an und fragt Euch: Ist auch nur eines der beworbenen Produkte wirklich gesund und empfehlenswert?).

Die andere Sache aber ist: Wenn Ihr Euch vom Fernsehprogramm als Tagesablauf-Bestimmer befreit, erhaltet Ihr Unmengen an Zeit, die Ihr zum Einkaufen von guten Lebensmitteln, zum Kochen und zum Genießen nutzen könnt.

Was sind denn "gute" Lebensmittel?"

Eigentlich ganz einfach: Alles das nicht verpackt ist oder aus einer Fabrik kommt.

  • Fleisch
  • Eier
  • Fisch
  • Gemüse
  • Obst
  • tierische Fette (Butter, Bacon, Ghee)
  • gute Pflanzenfette (Olivenöl, Avocados, Kokosöl)
  • Nüsse

Und davon soll ich satt werden?

Oh ja! Davon wird man ganz wunderbar satt! Probiert es einfach mal für einen Monat aus. Ein Monat sind 30 Tage. Das ist für jeden machbar.

Vorratsschrank ausräumen

Was nicht da ist, kann auch nicht verführen. Wenn Ihr Abnehmen wollt, schmeißt rigoros alles weg, was kein gutes Lebensmittel ist.

Kochen ist SUPER einfach

Auch wenn Ihr noch kein bisschen kochen könnt: Wenn Ihr gute Sachen einkauft, ist das überhaupt kein Problem. Geht nicht in den Supermarkt, der erstens zu teuer ist und zweitens viel zu viele Verlockungen und Verpackungen bereit hält.

Geht in einen Bio-Laden oder Hof-Laden. Sucht Euch die abgefahrenen regionalen Gemüse (am besten aus eigener Ernte) raus, die Ihr finden könnt und FRAGT einfach im Laden, was man damit macht. Am abgefahrensten was das bei mir bei Schwarzwurzeln ;)

Rechnet einfach pro Person 200-250 Gramm Fleisch oder Fisch

und 300-400 Gramm Gemüse für ein Mittag oder Abendessen. Ungefähr.

  1. Fleisch anbraten in gutem Fett.
  2. Zwiebeln und Knoblauch mitanbraten.
  3. Gemüse dazu. Mitdünsten.
  4. Lecker Essen.

Der Vorteil bei dieser Ernährung ist: Die Nährstoffdichte in den guten Lebensmitteln ist so hoch, dass man irgendwann einfach satt ist. Ich habe früher zwei große Teller Nudeln mit Sauce gegessen und hatte danach immer noch Hunger. Heute esse ich 3/4 der Menge Fleisch und Gemüse und bin dann satt. Für fünf bis sechs Stunden.

Morgens esse ich drei Eier als Rührei. Meistens in der Pfanne angerührt in der noch das Fett vom Fleisch des Vorabends ist. So schmeckt das Rührei jeden Morgen anders ;) Und auch damit halte ich fünf bis manchmal acht Stunden aus, ohne Hunger zu bekommen. Das wäre dann ratsames (intermittierendes) Fasten.

Bewegung und Sport

Wichtig ist, dass ihr Bewegung bekommt. Aber: 80 Prozent des Abnehmens passiert beim Essen. Der Rest ist Bewegung.

Das heißt nicht, dass Ihr Euch komplett auf die faule Haut legen könnt. Aber es reicht auch aus so was wie Spazierengehen oder körperliche Arbeit mit abwechslungsreichen Bewegungsabläufen regelmäßig zu machen.

Meine Freundin hat zum Beispiel mit den hier geschilderten Tipps 20 Kilo abgenommen ohne einmal Sport zu machen.

Ernährungstagebuch führen

Da gebe ich Kevin absolut Recht: Aufschreiben, Aufschreiben, Aufschreiben.

Notiert was Ihr gegessen habt. Notiert, wie Ihr Euch fühlt. Notiert Eure Gewichtsabnahme und Eure sportlichen Fortschritte (so Ihr denn Sport betreiben wollt).

Und ganz wichtig:

Schreibt auch Eure Erkenntnisse auf, wenn Ihr mal einen Ausrutscher hattet und einen Schokoriegel oder ein Stück Kuchen oder einen völlig überzuckerten Joghurt gegessen habt.

Ihr werdet Euch wundern, was Euch alles auffällt, wenn Ihr erst mal drauf achtet. Ich merke mittlerweile zum Beispiel sehr genau, wie mir von Brot di Augen brennen, wie mich Nudeln für 2 Stunden komplett ausknocken und müde machen und dass ich von Zucker regelrecht aggressiv werde.

All das ist mir früher nie aufgefallen, weil eine Mischmasch aller Symptome Dauerzustand war.

Nach 30 Tagen mit guten Lebensmitteln habe ich zum ersten Mal die gezielten Unterschiede feststellen können.

Eigene Experimente mit Ernährung machen

Nutzt Euer Ernährungstagebuch und experimentiert rum. Was könnt Ihr gezielt hervorrufen? Auf was reagiert Ihr immer gleich? Wonach fühlt Ihr Euch schlecht - nach welchem Essen könntet Ihr Bäume ausreißen?

ALLES hinterfragen.

Cui Bono - Wem nützt es? Ist die wichtigste Frage, die Ihr Euch beim Essen und Einkaufen immer stellen solltet.

Und bestenfalls könnt Ihr die Frage immer mit "Es nützt MIR und meinem regionalen Erzeuger" beantworten.

Denn der hat Schiss, Euch irgendeinen Mist zu verkaufen. der kann Euch auch genau sagen, womit er seine Tiere füttert, von denen Ihr das Fleisch, die Eier, die Innereien und das Fett esst.

Der Nahrungsmittel-Industrie ist es relativ egal, ob Euch das Essen gut tut, dass sie produziert. Es geht darum Aktionäre und Investoren froh zu machen, Gewinne zu maximieren und Kosten zu sparen. Da bleibt für den hehren Anspruch gute Lebensmittel zu produzieren kein Platz mehr.

Der Grund, warum industriell gefertigte Produkte so schlecht sind ist einfach erklärt: Seit Ende der 60er Jahre ist "Fett der Feind. Fett ist böse. Fett macht Fett. Fett macht krank."

Und das ist Bullshit. Hat man mittlerweile festgestellt.

Das Ergebnis ist aber in der Industrie: Fett wurde überall rausgelassen und durch Zucker und Salt ersetzt, denn mit dem Fett ging auch der Geschmack.

Das Problem mit Zucker habe ich oben im Zusammenhang mit Insulin ja schon beschrieben.

Es bildete sich also ein Teufelskreis in dem die Menschen immer übergewichtiger wurden, weil sie eben KEIN Fett mehr aßen.

Dabei muss ich am Rande erwähnen, dass es auch schlechtes Fett gibt. In der Liste oben hatte ich es schon kurz eingekreist:

Empfehlenswertes Fett ist tierisches Fett - Bacon, Butter, Butterschmalz. Ghee usw.

Außer Avocados, Kokosöl und Olivenöl sind pflanzliche Fette nur durch komplizierte chemische Verfahren zu gewinnen und alles andere als gesund. Lasst einfach die Finger davon. Und ja: Das schließt auch in Pflanzenfett gebratenes oder frittiertes wie Chips, Pommes und anderes Fast Food ein.

Einen Monat ausprobieren

Probiert einfach mal für 30 Tage aus, nur die guten Lebensmittel aus Bio- und Hof-Laden zu essen, bis Ihr satt seid, führt ein Ernährungstagebuch, schaut die 30 Tage nur DVDs oder Serien über iTunes und lasst das TV-Programm weg.

Ihr werdet Euch wundern wie gut Ihr Euch fühlt, wie viel Ihr abnehmt und dass Ihr dabei keine einzige verdammte Kalorie zählen musstet.

Eines sollte Euch aber auch klar sein: Wenn der Erfolg bleiben soll, heißt das: Ihr müsst ein Stück weit Euer Leben ändern und für den Rest desselben gute Lebensmittel essen. Nach zwei Monaten wieder zu essen wie vorher sorgt auch dafür, dass man wieder aussieht und sich fühlt wie vorher.

Ach ja: Wenn Ihr noch mehr darüber erfahren möchtet, fragt einfach in den Kommentaren nach oder lest bei den folgenden Quellen nach. Das ganze heißt auch Paleo oder Steinzeit-Ernährung. Hat nichts damit zu tun, wie in Höhlen zu wohnen sondern bedeutet im weitesten Sinne nur, natürliche, gute Lebensmittel zu essen, an denen keine Industrie verdient.

Ich schreibe in meinem Blog und http://DLimP.de auch über Paleo.

Weitere gute Tips findet Ihr hier:

Paleosophie

Urgeschmack

moeffju

Paleowiki

Paleo-Planet - Newsportal deutscher Paleo-Quellen