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04/12/2015 04:43 CET | Aktualisiert 04/12/2016 06:12 CET

Zukunftsmodell „Ehe für alle": Sie heiratet sich selber, er seinen Hund

pojoslaw via Getty Images

„Ich habe mich selbst geheiratet", so eine britische Fotografin. Sie setzte damit das in die Tat um, was Carrie in der US-TV-Serie Sex and the City inszeniert hatte, um auch endlich mal Geschenke von ihren verheirateten Pärchen zurück zu bekommen. Grace Gelder hat den Vorgang aber real - vor einer Parkbank - im Herbst 2014 vollzogen und somit Carries Fake-Vorhaben in die Tat umgesetzt.

Vor fünfzig Hochzeitsgästen hat sie ihr Ja-Wort gegeben und zwar sich selbst. Die Zeremonie wurde mit dem Kuss aufs Spiegelbild besiegelt. - Die Zukunft wird vielfältig. Ob ein Mann vier Frauen, eine Frau drei Männer, zwei Schwule oder drei Lesben sich verbinden, - der Slogan: „Ehe für alle" wird die Hoffnung auf viel ‚Freibier für alle' auslösen.

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Wir fühlen uns in unserer Familie mit Wolfgang und Isolde wohl. Täglich gehen wir mit den beiden mindestens zweimal Gassi. Das Wochenende verbringen wir mit unseren Hunde-Freuden als Großfamilie. Wir haben auch schon eine Grabstätte gekauft, wo wir dann gemeinsam unsere letzte Ruhe finden'. - Auch wenn wir nicht auf den Hund gekommen sind, das Verständnis von dem, was als Keimzelle der Gesellschaft betrachtet wird, ist recht schillernd.

Ehe und Familie sind wieder im Gespräch. Das ist gut und verwundert zugleich. Denn im politisch und medial inszenierten Mainstream weht Ehe und Familie oft ein eisiger Wind entgegen, werden die Voraussetzungen für ein gut lebbares Miteinander von Eltern mit ihren Kindern stark behindert, manchmal auch bekämpft.

Andererseits ist zu beobachten, dass sich unterschiedlichste Interessengruppen oder Lebensformen gerne als Familie bezeichnen, wenn es dem eigenen Vorteil dient. Nun steht sogar die Forderung nach einer „Ehe für alle" im Raum. Dabei scheint es auch um die stille Sehnsucht nach Heimat und dem kleinen Fleck einer heilen Welt zu gehen. Aber bei allem ‚Hin und Her' unterschiedlichster Interessen ist die Vergegenwärtigung wichtig: ‚Ehe und Familie' - so fordert es das Grundgesetz - ‚steht unter dem besonderen Schutz des Staates'.

Eine Familie ist mehr als die Summe von zusammenlebenden Menschen!

Die Geburt eines Kindes macht ein Paar zur Familie'. Dies ist Alltagswissen. Der Duden definiert die ‚Lebensgemeinschaft Familie' als ‚ein Elternpaar oder einem Elternteil mit mindestens einem Kind' beziehungsweise in der erweiterten Form alle miteinander [bluts]verwandten Personen (Sippe). Wenn wir diese Definitionen bei der aktuellen Diskussion um Ehe und Familie zugrunde legen, klärt sich Vieles von selbst.

Da aber das Zusammenleben in der Familie - wenigsten per Erinnerung - bei vielen Menschen in Lebensformen jenseits dieses klassischen Verständnisses die Erfahrung von Vertrautheit, Heimat und etwas ‚heiler Welt' wachruft, wird durch die Übernahme von Begriffen versucht, die erinnerten positiven Erfahrungen neu zu vergegenwärtigen. Dieser Denkansatz ist in vielen werteorientierten Handlungsfeldern zu beobachten.

Einerseits wird die Ehe von vielen Menschen als antiquierte Form des Zusammenlebens abgelehnt, andererseits wollen gleichgeschlechtliche Paare, trotz der wichtigen Möglichkeit, sich als Partnerschaft offiziell eintragen zu lassen, nun auch heiraten. Da wird christliches Handeln als obsolet bezeichnet oder gar lächerlich gemacht, aber fast alle wollen kräftig Weihnachten - das Fest der Geburt Christi - feiern, indem vorher per endoskopischer Detailarbeit der religiöse Kern des Festes entfernt wurde.

So wird die Handlung, wenn öffentliche Gebäude, Brücken Straßen oder die eigenen 4 Wände zur Nutzung freigeben werden, meist als Ein-Weihnungs-Feier bezeichnet, obwohl der dazu gehörende sakrale Rahmen - oder nach Duden: „die rituelle Handlung, durch die jemand oder etwas in besonderer Weise geheiligt oder in den Dienst Gottes gestellt wird" - gar nicht vorgesehen ist.

Per Zeitgeist mit Volldampf in eine substanzlose Welt des ‚Haben-Wollen' steuern?

So hat der Zeitgeist - wer immer das auch sein mag - einen Quasi-Fetischismus in die Welt gesetzt: ‚Es wir gehofft, durch die Übernahme von positiv besetzten Begriffen - bei gleichzeitiger Entleerung ihrer inhaltlichen Substanz - doch noch etwas vom ursprünglich damit assoziierten guten Gefühlt herüber retten zu können'.

Das Ganz ähnelt dann, um einige Beispiele zu nennen, Strandpartys ohne Wasser und Sand, Musikfestivals ohne Sänger, Bands oder Orchester oder 'Classic Days', bei welchen zwar kräftig konsumiert wird, nur halt keine Oldtimer zu bestaunen sind. Ein weiterer Grund im Kampf um die Aneignung der Begriffe „Ehe" und „Familie" ist das Erheischen-Wollen handfester staatlicher Privilegien.

Es geht dann nicht mehr um Inhalte, Fakten oder schutzwürdige sinnvolle Gehalte, sondern um den eigenen Nutzen, um Selbstverwirklichung und Gleichmacherei. Der Schein verdrängt das Sein, die so Handelnden steuern wegen fehlender eigener Substanz in ihren Lebensformen in einen ‚Als-ob-Modus' und gieren trunken nach immer mehr ‚Haben-Wollen'.

Stabilität und Verlässlichkeit als Qualitätsanforderungen für Familien.

Die angemessene Biegung einer Banane wird durch die EU ebenso genormt wie die einheitliche Tischhöhe zwischen Mittelmeer und Nordsee. Auch die bundesdeutsche Regelungswut treibt häufig genug absonderliche Blüten. Aber beim Thema Qualitätsanforderungen zur Erziehung in der Familie wird eher 'das Schweigen der Lämmer' in Szene gesetzt.

Denn die Frage, ob eine so genannte klassische oder eher eine moderne Familie - was immer auch damit gemeint sein mag - optimalere Bedingungen für das Aufwachsen von Kindern bereitstellt, ist zukunftsweisend für die nachwachsende Generation und den Wirtschaftsstandort Deutschland. Auf der Sprachebene wird der Kampf der Gesinnungen offensichtlich.

So geben sich Menschen, die in eher instabilen Formen zusammen leben, per Selbstetikettierung das Vorzeichen „modern" und beschreiben sich als bunt, facettenreich und lebendig. Im Gegenzug wird versucht, stabile familiäre Lebensformen - erst recht die Ehe - als alt, konservativ und nicht mehr lebbar abzuqualifizieren. Und Politiker sprechen gerne von verschiedenen „Familienmodellen". Die wichtige Frage, welche Familien wie gezielt zu fördern sind, bleibt bei einem solch undifferenzierten Schlagabtausch offen.

Wie unscharf oft Begriffe verwendet werden, wird durch die folgende Sequenz einer Podiumsdiskussion offenkundig:

> Familie ist da, wo Kinder leben!

So das Statement einer Partei-Vertreterin. (Übrigens wird diese Formulierung von den unterschiedlichsten Parteien gleichermaßen genutzt). Dazu meine Entgegnung: Dann leben die unzähligen Kinder in den Slums der Welt quasi als Groß-Familie.

Leichte Irritation, dann der nächste Versuch, versehen mit der Randbemerkung, dass da doch wohl nicht auszusetzen wäre und dies auch die Auffassung der momentanen Bundesregierung widerspiegle:

> Familie ist da, wo Erwachsene mit Kindern leben!

Aber auch diese Formulierung löste ein deutliches Unverständnis bei mir aus. Bevor ich mich jedoch äußern konnte, die Situation im Podium wirkte schon leicht angespannt, kam folgende Verdeutlichung: „Wollen sie hier etwa konservatives Denken propagieren und dabei die vielen modernen Familienformen ausgrenzen? Schließlich gibt es verschiedene Familien-Modelle."

Von mir kam einen deutliches „Nein!" Ich wolle nur Klarheit, denn wenn diese Beschreibung so stehen bliebe, dann wären die unter einem Dach mit Kindern lebenden Missbraucher, Vernachlässiger und Gewaltanwender ja eine traute und auch zu fördernde Familie. Hier nun meine Definition:

> Familie ist da, wo Eltern und Kinder in gegenseitigem Respekt eine in die Zukunft weisende Verantwortung füreinander übernehmen,

- in Bezug zu den Kindern, die Erziehungsverantwortung,

- als gegenseitige Beistandsschaft in Freud, Leid und Not!

- in Bezug zu den Eltern, eine Mitverantwortung für das Leben im Alter

Es geht also keinesfalls um Haarspalterei, sondern um eine punktgenaue Erfassung dessen, was im Zentrum einer gesellschaftlichen Wertschätzung und Förderung stehen soll.

Dass es auch etliche Paare bzw. Eltern gibt, die sich nicht aus Fahrlässigkeit trennen, ist trauriger Alltag. Bei diesen wird jedoch selten eine Glorifizierung der neu gefundenen Form eines (Zusammen)-Lebens jenseits der Erst-Familie offenbar. Frei gewählt hat in der Regel eine solche Situation niemand. Daher ist es auch nicht zielführend, dass Politiker der Tragik von Scheitern und Neubeginn einen Orientierung gebenden sollenden ‚Modell-Status' einräumen.

Welche Form des Zusammenlebens hat welche Auswirkung auf die Kinder?

Unter der Überschrift „Auf die Familie kommt es an" rücken drei US-amerikanische Wissenschaftlerinnen die Wirkung unterschiedlicher Familienstrukturen auf die Entwicklung von Kindern ins Blickfeld. Sie überprüften, welchen Einfluss die jeweilige Familienstruktur auf die schulische und soziale Entwicklung des Kindes hat. Die meisten Forschungsergebnisse verdeutlichten, dass Kinder aus so genannten traditionellen Familien bessere Schulleistungen, eine ausgeprägte Ambiguitäts-Toleranz, geeignetere Konfliktlösungs-Modelle, eine größere Zielstrebigkeit und bessere Voraussetzungen zur Lösung von Problemen oder Herausforderungen hatten.

Werden Lehrkräfte auf Problem-Schüler angesprochen, wird in der Regel auf die vielfältigen Verhaltens-Störungen in der Folge von Trennung und Scheidung hingewiesen, da das elterliche Auseinandergehen häufig einen tiefen Selbstwertverlust der Kinder und Jugendlichen auslöst. Die Psychologin Judith Wallerstein aus Kalifornien verfolgte 25 Jahre lang das Leben von 93 Kindern aus zerbrochenen Ehen.

Dabei stellte sich heraus, dass die Scheidung der Eltern großen Einfluss auf das spätere Liebesleben der Kinder hat. So ist es nicht verwunderlich, dass 60 % dieser Ehen wieder geschieden wurden, in der Vergleichsgruppe waren es nur 25 %. Außerdem hatten nach dieser Studie 25 % der Scheidungswaisen noch vor ihrem 14. Geburtstag Kontakt mit Alkohol und Drogen, in der Gruppe der Vergleichskinder waren es nur 9 %.

Wandel als Anpassung an den Zeit-Geist oder als zu begleitender Steuerungs-Prozess

Es wird Konsens existieren, dass die politisch Verantwortlichen stetig Wandlungs-Prozesse zur Kenntnis nehmen müssen. Aber mit welcher Zielsetzung wird auf diese Veränderungen reagiert? Versteht sich Politik als Steigbügelhalter einer Anpassung an den Mainstream oder als Gestalter optimaler Voraussetzungen eines gelingenden und stabilen - durch Achtung und Wertschätzung geprägten - Zusammenlebens?

Es verwundert, mit welch intellektueller Begrenztheit hier reagiert beziehungsweise regiert wird. Denn wenn im Bereich der Familie Anpassung zum bevorzugten Handlungs-Prinzip wird, dann sind beispielsweise Aktionen zum Aufspüren von Steuerhinterziehungen genauso einzustellen, wie Brandschutz-, Geschwindigkeits- oder Alkohol-Kontrollen, wenn ein Verhalten nachweislich dem Mehrheits-Trend entspricht. Wozu wird also von wem entschieden, sich hier anzupassen oder dort gezielt gegenzusteuern?

Die Aufgaben einer zukunftsorientierten staatlichen Familien-Politik

Demnach müsste das Haupt-Kriterium für politische Entscheidungs-Träger sein, erwartbaren Schaden von Kindern und Familien abzuwenden und Förderliches zu manifestieren. Demnach ist es die Pflicht des Staates, die Familien als Keimzelle der Gesellschaft zu schützen und durch gute Rahmenbedingungen gezielt zu fördern, wie dies für die Bundesrepublik Deutschland in der Verfassung geregelt ist.

Hierzu der aus der Schweiz stammende renommierte Familienforscher Franz-Xaver Kaufmann: Wenn in einer Gesellschaft jedoch stabile und eher instabile Formen des Zusammenlebens von Erwachsenen mit Kindern als frei wählbar betrachtet werden, dann hat der Staat seine besondere Unterstützung jenen zu geben, welche die größte Chance für eine optimale Erziehungswahrnehmung bieten'. Denn: „Kinder sind das Erbgut einer Gesellschaft und starke Familien ihr Rückgrat".

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