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15/12/2015 05:30 CET | Aktualisiert 15/12/2016 06:12 CET

#PrayForBurundi: "Wir müssen für den Frieden aufstehen"

GettyImages

Am Ende werden wir uns nicht an die Worte unserer Feinde erinnern, sondern an die Stille unserer Freunde. -- Martin Luther King, 1968

Gefesselt liegen die Leichen auf der Straße. Granaten fliegen in Wohnungshäuser. Bereits über 240 Tote. Ihr habt nicht davon gehört? Ich auch nicht.

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Nur zufällig bin ich auf den Facebook Post einer Bekannten gestoßen, welche ich dieses Jahr auf meiner Kenia Reise kennengelernt habe. Kurze Zeit später dann die schreckliche Erkenntnis:

Unter dem Hashtag #PrayForBurundi versammeln sich Tausende an Kondolenz-Bekundungen für die Menschen in Burundi. Die afrikanische Zivilgesellschaft scheint zusammen zu stehen, allerdings nur die junge Generation, und vor allem die Generation im Web.

Der Grund? Das Regime in Burundi schürt erneut den Hass zwischen Hutu und Tutsi und riskiert einen Völkermord.

Burundi ist ein relativ kleines ost-afrikanisches Land das am Tanganjika-See liegt. Die ehemalige deutsche Kolonie hat derzeit rund zehn Millionen Einwohner: rund acht Millionen Hutu und zwei Millionen Tutsi.

Militärputsche in Burundi keine Seltenheit

Militärputsche und Genozide sind in Burundi leider keine Seltenheit. Mal massakrierten die Hutu die Tutsi, mal umgekehrt. Die letzten "großen" Ereignisse im eigenen Land liegen rund 43 Jahre zurück, damals wurden rund 100.000 Hutu getötet.

Jedoch war in Burundi erst 2001 der verheerender Bürgerkrieg zwischen der Hutu-Mehrheit und der Tutsi-Minderheit mit insgesamt 300 000 Toten zu Ende gegangen.

Der Konflikt der beiden Volksgruppen trag sich aber auch im Nachbarland Ruanda zu. Zuletzt forderte der Genozid 1994 eine knappe Million Opfer. In Ruanda waren es Hutu, die Tutsi ermordeten.

Eigentlich schien gerade Burundi die Lektion gelernt zu haben. Im Kontrast zu Ruanda, einigten sich die Burundier auf ein Quotensystem für die Verwaltung, wonach sechzig Prozent aller Posten von Hutu bekleidet werden sollten und vierzig Prozent von Tutsi.

2005 in der ersten Wahl nach dem Krieg gewann ein Hutu, der ehemalige Rebellenführer Pierre Nkurunziza. Alles zeichnete sich gut ab. Bis zu diesem Jahr. President Nkurunziza kündigte dieses Jahres an sich ein drittes Mal (was verfassungswidrig ist!) sich wählen zu lassen. Und all jene niederknüppeln ließ, die sich dem widersetzten. Gesagt, getan.

"Intoleranz als politisches System"

Die FAZ berichtet wie ein führernder burundischer Publizist im Exil über das Regime spricht:

„Intoleranz als politisches Programm, exzessive Gewaltanwendung und ein Personenkult, der pseudoreligiöse Züge trägt - das ist das Holz, aus dem Mussolini, Hitler und Stalin geschnitzt waren". Tatsächlich hatte Präsident Nkurunziza seine dritte Amtszeit unter anderem mit einer „göttlichen Mission" begründet.

Berichten zufolge sind - Stand heute - bereits 220.000 Menschen aus dem Land geflohen. Nur um die Ausmaße der Tragödie zu begreifen: Das ist in etwa so, als wäre binnen wenigen Wochen ganz Hamburg in die Niederlande geflohen.

Journalisten haben sich derzeit in Hotels verschanzt. Fotografen, die das Grauen dokumentieren und der Welt zeigen wollen, was sich gerade in dem kleinen ostafrikanischen Staat abspielt, müssen mit ihrer Festnahme rechnen. Die USA haben bereits alle ihre Bürgerinnen aufgefordert das Land umgehend zu verlassen.

#PrayForBurundi

Ich rufe Euch auf, all jene die diese Zeilen lesen: Informiert Euch, sucht nach dem Hashtag #PrayForBurundi, teilt die Bilder, die Geschichten, die Tragödien.

Nichts in der heutigen Zeit ist wichtiger als unsere Aufmerksamkeit. Vorbei sind die Zeiten in denen wir nicht darüber gesprochen haben, geschweige denn davon gehört haben. Wir schauen hin. Uns bewegt was auf der Welt passiert, egal ob das nun afrikanische Brüder und Schwestern sind oder europäische.

Teilt die Geschichten, ändert Eure Profilfotos im Web, verfasst Kommentare & vor allem sprecht darüber. Denn nur wenn mehr Menschen hinschauen, den Mund aufmachen und Gerechtigkeit fordern, dann werden auch weltweit die Politiker für unsere Sache aufstehen: den Frieden!

Quellen: sto/dpa/AFP/Reuters

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