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14/07/2017 12:21 CEST | Aktualisiert 14/07/2017 12:28 CEST

Europa wird nicht verlieren

Akilnathan Logeswaran

Vor einem halben Jahr noch war Europa abgeschrieben.

Die Briten stimmten für den EU-Austritt, die Franzosen wählten mit Marine Le Pen einen EU-Feind an die Spitze und in den USA zog mit Donald Trump ein Nationalist ins Weiße Haus ein, der auch seinem Gesinnungsgenossen hierzulande Rückenwind verschaffte.

Nun aber hat sich das Blatt gewendet.

2017 wird als Superjahr für Europa in die Geschichte eingehen. Und dafür gibt es viele Gründe.

Wahlen gewinnen plötzlich die Parteien, welche am stärksten pro-europäisch auftreten.

Das war bei den niederländischen Parlamentswahlen so, wo die Grünen und die Partei D66 prozentual die stärksten Stimmenzuwächse verzeichneten.

Die Kanzlerkanditaten sind zwei überzeugte Europäer

Das war aber auch in Frankreich so, wo Emmanuel Macron sogar die absolute Mehrheit im Parlament erzielte - unter anderem weil er mit dem Thema Europa Wahlkampf machte.

In Deutschland sind wir bezüglich der anstehenden Bundestagswahl sehr privilegiert. Wir haben mit Angela Merkel und Martin Schulz zwei überzeugte Europäer, die für das Kanzleramt kandidieren.

Mehr noch: Wir haben mit unserer Kanzlerin eine Figur, die die EU-Kommission stark mitprägt, und mit Martin Schulz, als ehemaligen Präsident des Europäischen Parlaments, den wohl bekanntesten Politiker Europas.

Mehr zum Thema: Wenn Europa scheitert, scheitert es in Italien

Wer auch immer am 24. September gewinnt: Europa wird nicht verlieren. Im Gegenteil.

Ich glaube, dass sich das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich noch einmal massiv verbessern wird, wenn die Bundestagswahlkampf vorbei ist. Schon heute sprechen fünf französische Minister Deutsch.

Mit Emmanuel Macron haben wir einen ausgewiesenen Freund Deutschlands, doch vor allem auch jemanden, der sich die Reformierung Europas auf die Fahne geschrieben hat.

Ich würde mir wünschen, dass nun wichtige Weichen für einen europäischen Bundesstaat gelegt werden.

Jetzt, wo Großbritannien die Union verlassen wird, ist der Weg frei für eine gemeinsame Verteidigungsarmee.

Außerdem wäre es Zeit für einen europäischen Finanz-, Außen- und Verteidigungsminister. Kernthemen, die genau wie die Migration unbedingt europäisch gelöst werden müssen. Auch, wenn das nicht von heute auf morgen klappt: Es wird Zeit!

Europa hat nicht nur die Politik erobert, sondern auch die Bevölkerung

In den vergangenen Monaten sind extrem viele pro-europäische Initiativen entstanden. Die Initiative #FreeInterrail hat die Mehrheit im Europäischen Parlament bekommen, um allen EU-Bürgerinnen und Bürgern ein Reiseticket zum 18. Geburtstag zu schenken.

Mit "Stand Up For Europe" steht eine starke europäische Bewegung bereit, die vielleicht sogar die erste europaweite Partei werden könnte."WhyEurope" emotionalisiert auf Social Media mit positiven Fakten für Europa auf Social Media.

Mehr zum Thema: Die Politiker sind nicht für unsere Probleme verantwortlich - wir selbst müssen handeln

Und mit Pulse of Europe gehen in über 100 Städten in 18 Ländern Europas mehr Menschen denn je für den Kontinent und die Union auf die Straße.

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Wer hätte das vor einem Jahr für möglich gehalten?

Da galt Europa als gemeinhin akzeptierte, aber emotionslose Sache, für den nie auch nur ein Mensch den Fuß vor die Tür gesetzt hätte. Doch mit Trump und dem Brexit haben die Menschen gesehen: So stellen wir uns unsere Zukunft nicht vor. Wir wollen Europa.

Das ist auch das, was mich packt. Ich bin leidenschaftlicher Fußballfan unserer Nationalmannschaft. Bei WM-Spielen habe ich mir immer die deutsche Fahne ins Gesicht gemalt, um klar Farbe zu bekennen.

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In Großbritannien sprechen sich wieder 60 Prozent für Europa aus

Ich bin aber nicht nur überzeugt von unserer Nationalmannschaft, sondern eben auch von all den Freiheiten, die ich als Europäer genieße. Da habe ich mich gefragt: Warum soll ich dann nicht auch mit Europa-Fahne ihm Gesicht für die EU auf die Straße gehen?

Dass Europa in der Bevölkerung so stark akzeptiert wird wie lange nicht, zeigen auch Umfragen.

Sogar in Großbritannien: Hier sprechen sich mittlerweile mehr als 60 Prozent dafür aus, in der EU zu bleiben. Das sind weit mehr als vor einem Jahr.

Außerdem sind die Menschen so gut wie in jedem Land zufriedener mit der EU als mit ihrer eigenen Regierung.

Aber wer weiß, vielleicht ist es ja bald möglich, seinen Pass gegen einen EU-Pass einzutauschen. Ich würde es schon heute tun.

(kap)

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