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11/11/2015 04:41 CET | Aktualisiert 11/11/2016 06:12 CET

Europäischer Arbeitsmarkt: Mehr Mobilität wagen!

Jasper Juinen via Getty Images

Vor wenigen Wochen habe ich mit Vertretern des EURES-Netzwerkes ein sehr gutes Gespräch zum Thema „Europäischer Arbeitsmarkt" geführt. Das EURES-Netzwerk fördert und erleichtert seit 1993 die Mobilität von Arbeitskräften innerhalb der Europäischen Union (und der Schweiz).

Damit unterstützt das Netzwerk einen der Grundpfeiler der Europäischen Verträge (Art. 45 AEUV), nämlich das Recht, überall arbeiten zu dürfen. Es stellt sich die Frage: Wie sieht es mit der Mobilität auf dem europäischen Arbeitsmarkt aus - Realität oder nur Theorie?

Fachkräftemangel in vielen Ländern Nordeuropas

Innerhalb der Europäischen Union gibt es große wirtschaftliche Ungleichgewichte. Diese spiegeln sich unter anderem auf dem Arbeitsmarkt wider. Im Juni 2015 lag die Arbeitslosenquote in Griechenland (25,6%), in Spanien (22,5%) und in Italien (12,7%) deutlich über jener von Deutschland (4,7%) und Dänemark (6%).

Besonders deutlich wird die Schieflage mit Blick auf die Zahl junger Arbeitsloser in diesen Ländern: Griechenland (53,7%), Spanien (49,2%) und Italien (44,2%). Betrachtet man den gesamten europäischen Arbeitsmarkt, ist diese Situation paradox. In vielen Ländern Nordeuropas herrscht Fachkräftemangel, während in Südeuropa junge qualifizierte Menschen nach Arbeit suchen.

Mangelnde Mobilität auf dem europäischen Arbeitsmarkt

Warum finden sich Arbeitskräfteangebot und Arbeitskräftenachfrage also nicht? Meine These ist, dass dieser Umstand mit der mangelnden Mobilität auf dem europäischen Arbeitsmarkt zu tun hat. Die Mobilität von Arbeitskräften ist in Europa noch keine gelebte Realität. In den vergangenen Jahren arbeiteten nur circa 3% der europäischen Arbeitskräfte in einem anderen EU-Land als ihrem Heimatland.

Woran scheitert die Mobilität der Arbeitskräfte? Die Gründe hierfür sind vielschichtig und doch in vielen EU-Mitgliedsstaaten ähnlich:

1. Mangelnde Anerkennung von Berufsabschlüssen

2. Unzureichende Kenntnisse der jeweiligen Landessprache

3. Englisch noch keine gängige Arbeitssprache in vielen EU-Mitgliedsstaaten

4. Bürokratische Erschwernisse

5. Kulturelle Hürden

Was kann getan werden?

Zuallererst müssen wir einen Kulturwandel hin zu einem europäischen Arbeitsmarkt einleiten. Dies bedeutet, dass die EU-Mitgliedsstaaten eine beschäftigungsfreundliche Arbeitsmarktpolitik für alle EU-Bürger gestalten müssen. Hierfür sollten unter anderem folgende Maßnahmen ergriffen werden:

1. Verbesserung der Anerkennung von Abschlüssen und Festlegung europaweiter Standards

2. Ausbau von Sprachkursen in Herkunftsländern und Zielländern

3. Öffnung der öffentlichen Verwaltung für alle EU-Bürger und Einführung von Englisch als zweite verpflichtende Arbeitssprache in der Verwaltung

4. Bessere Koordinierung in den Bereichen Steuer- und Sozialrecht sowie der betrieblichen und privaten Altersvorsorge

5. Förderung europäischer Mobilität durch stärkeres Engagement von Botschaften, Kulturstiftungen und Nichtregierungsorganisationen

Wenn wir es mit einem europäischen Arbeitsmarkt ernst meinen, dann müssen wir mehr Mobilität wagen. Darin liegt eine große Chance für viele - vor allem junge - Menschen in Europa. Gleichzeitig erfüllen wir den Traum „eines Europas" mit Leben.

Und für alle, die jetzt schon Lust auf einen Arbeitsplatz in Europa haben, empfehle ich die Jobbörse des EURES-Netzwerkes

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