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27/11/2015 12:23 CET | Aktualisiert 27/11/2016 06:12 CET

Search and Beyond

Ezra Bailey via Getty Images

Computers und das Internet haben unsere Welt fundamental verändert, sie haben uns einander näher gebracht und die Art, wie wir arbeiten und spielen von Grund auf verändert. Viele Unternehmen, die aus einem Schlafzimmer oder einer Garage angefangen haben, sind uinzwischen Multimilliarden Dollar Unternehmen.

In der kommenden Folge von Horizons blickt Adam Shaw hinter die Kulissen der Firmen, trifft die Menschen, die dort daran arbeiten, unsere virtuelle und reale Welt zu verändern.

Der Aufstieg der Wissensgemeinschaft ist einer der bestimmenden Faktoren unserer Zeit. In der Horizons-Folge 'Search and Beyond' zeigen wir Beispiele aus dem echten Leben, die zeigen, wie die Cyber-Welt in die reale Welt reicht und diese verändert.

Meine Produktionsreise für diese Folge begann in China. Als ich ein Kind war, schien fast alles in China produziert zu werden, meine Spielsachen, meine bevorzugten billigen Süßigkeiten - die man für wenige Münzen aus einem Automaten bekommen konnte.

Als ich erwachsen wurde, wurde auch die Wirtschaft Chinas erwachsen. Ein Großteil von Chinas Erfolg beruhte darauf, ein großes Volumen an Waren preisgünstig zu produzieren. Aber inzwischen treten andere in den Preiswettbewerb ein und China stößt in eine neue industrielle Phase vor.

Es ist nicht mehr nur Produktionsstandort, es entwickelt sich zu einer Wissensgesellschaft, in der Wissenschaftler, Technologen und Unternehmen sich eifrig damit beschäftigen, neue Wege unseres Denkens, Arbeitens und Spielens zu entwickeln. In der Folge von Horizons trafen wir die chinesische Version von Google, Baidu.

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Baidu ist die größte Internetsuchmaschine in chinesischer Sprache mit 5 Milliarden Suchen pro Tag. Aber Internetrecherchen sind nur ein Teil ihres Geschäftes.

Eines ihrer etwas ungewöhnlicheren Produkte entstand aus einem Aprilscherz. Das PR-Team der Firma hatte die Idee, ein Video zu produzieren, in dem intelligente Essstäbchen zeigen, ob die Mahlzeit, die man gerade verspeist gesund ist, oder nicht.

Die Videos waren so überzeugend, dass die Zuschauer dachten, das Produkt sei echt. Sie wollten es sogar kaufen. Das Technologie-Team von Baidu stellte sich der Herausforderung.

Eines der Probleme bei Lebensmitteln, das jüngst in China Schlagzeilen machte, ist das sogenannte Öl aus der Gosse. China hat ein echtes Problem damit, dass Restaurants ihr benutztes Öl auf die Straße gießen, andere dieses sammeln und wieder benutzen, also Öl aus der Gosse. Baidu entwickelte eine Methode, wie man gutes Öl von verschmutztem Öl unterscheiden kann.

Der Projektleiter bei Baidu, Wang Guanchun, zeigte, wie die Chopsticks arbeiten, indem diese in Olivenöl, Öl von mittlerer Qualität und dann Öl aus der Gosse getaucht werden. Sensoren an deren Enden messen den Grad der sogenannten totalen polaren Anteile (TPM), der in dem Öl enthalten ist. Je öfter das Öl verwendet wurde, desto mehr TPM baut sich auf, alles was über 25 Prozent ist, wird als gesundheitsgefährdend betrachtet.

Die Resultate werden über ein Blue-Tooth-Handy, das anzeigt, welche Temperatur und welche Qualität das Öl hat, dargestellt. Wenn das Öl die Richtwerte überschreitet, zeigt ein LED-Licht an den Enden der Essstäbchen die Farbe Rot.

Baidu will diese Technologie noch weiter entwickeln.

Die Essstäbchen werden an einer Ladestation neu aufgeladen. Aktuell arbeitet Baidu daran, dass diese Ladestation evaluieren kann, welche Inhalte die Nahrung hat. Wenn man das Essen auf der Ladestation platziert, zeigen Lichtsensoren an, was die Bestandteile des Essens sind und woher es stammt. Diese Entwicklung ist noch lange nicht ausgereift, aber wir machten einen Versuch mit Früchten, ob zu sehen, ob es funktioniert.

Die Ergebnisse waren nicht immer genau. Einmal deklarierte die Ladestation eine Birne als Pfirsich. Aber in den meisten Fällen konnte die Ladestation richtig bestimmen, ob der Apfel aus den USA oder China stammte. Das Ziel ist es, den Menschen einmal wichtige Informationen über das Essen, das sie verspeisen, geben zu können. Als ich filmte, schaute ich in der Kantine von Baidu vorbei, natürlich hatte ich meine High-Tech-Essstäbchen dabei.

Das ich kein Chinesisch spreche, war die Essensbestellung nicht einfach. Ich sah eine Art grünes Gemüse und etwas Rotes und entschied mich, beides zu nehmen. Um mich waren Menschen, die ihren Kopf schüttelten und lachten. Als ich mich hinsetzte, wurde mir alles klar. Ich hatte einige Blätter Pak Choi und eine halbe Schüssel Chilischoten bestellt.

Unerschrocken langte ich zu. Aber jeder Glatzköpfige wird verstehen, dass ich am Kopf zu schwitzen beginne, wenn ich etwas Scharfes esse. Wenn das nur bei mir so ist, melden Sie sich bitte, vielleicht habe ich eine einzigartige Glatze.

Dies machte das Filmen etwas schwierig. Der Schweiß, der von meinen Augenbrauen tropfte, konnte kaum mehr verborgen werden, am Ende hörten wir auf, da das Ganze einfach zu lächerlich wurde.

Zurück in London führte unsere Recherche über Suchmaschinen und mehr uns in die Sprachboxen von Google. Google arbeitet an einer künstlichen Sprache, die Text in Sprache wandelt, was letztlich eine tatsächliche Konversation zwischen Maschine und Menschen ermöglichen soll.

Natürlich wollte ich mein Glück versuchen, ob meine Stimme als die Stimme von Google eine Chance haben könnte; Da ich ja quasi mit Sprechen meine Brötchen verdiene, war ich der irrigen Meinung, dass dies also nicht so schwer für mich werden würde.

Sie verlangten von mir, Sätze und Aussagen zu lesen, deshalb versuchte ich möglichst langsam und mit besonderer Betonung zu sprechen, damit die Maschine auch jedes Wort aufnehmen könne- Der Studiotechniker Anthony Tomlinson erklärte mir jedoch, dass es Ziel sei, die Pausen zwischen den Worten zu isolieren. Wie wir Worte beenden, wird oft davon bestimmt, was wir als nächstes sagen wollen. Da eine Menge Worte ähnlich klingen, versucht man aus den unterschiedlichen Endungen herauszufinden, was gesagt wird.

Meine Betonung war also viel zu präzise. Man ermahnte mich immer wieder, „Sie müssen etwas weniger genau sprechen, mehr wie ein Gespräch auf der Straße". Mir gelang es jedoch nicht, meine gewohnte Sprechweise als BBC-Moderator abzustellen. Also werde ich sicher nicht die zukünftige Stimme von Google werden.

Bjorn Bringirt, der zuständige Software-Ingenieur bei Google, sagte, Fernziel sei es, eine Maschine zu schaffen, mit der man eine richtige Unterhaltung führen kann, ohne zu merken, dass man mit einem Computer spricht.

Das Experiment, das dahinter steckt, wird als Turing Test bezeichnet, und wurde von dem Computerexperten Alan Turing in einer wissenschaftlichen Abhandlung bereits in den 50ger Jahren eingeführt. Mehr als ein halbes Jahrhundert später arbeiten Wissenschaftler immer noch daran.

Wir merken langsam, wie die Geschäftsmodelle des Internets nun in unserer realen Welt Einfluss nehmen, die Zukunft wird voll sein von intelligenten Essstäbchen, Messern und Gabeln, selbstfahrenden Autos, Smartphones, die uns an unsere Aufgaben erinnern und Computer, mit denen wir sprechen können.

Adam Shaw Moderator von Horizons Search and Beyond - auf BBC World News am 27. November um 03:30, 09:30 Uhr und 28. November um 15:30, 22:30 Uhr

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