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22/09/2015 06:17 CEST | Aktualisiert 22/09/2016 07:12 CEST

Erschreckende Zustände in der Erstaufnahme für Flüchtlinge Hamburg-Harburg

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Infopoint der Flüchtlingshilfe am Hamburger Hauptbahnhof. Der Plan aller Beteiligten ist, zu helfen. Im Fünfer-Team kümmerten wir uns um die Registrierung der Flüchtenden, die in Hamburg bleiben wollen. Diese begleiteten wir zur zentralen Erstaufnahme nach Harburg.

Angekommen gegen 22 Uhr trauten wir unseren Augen nicht: Junge Männer in der Kälte sitzend, Dreck, der sich breit gemacht hat, Chaos, ahnungslose Familien mit Kleinkindern, ungemachte Schlafplätze, eingeschüchterte Flüchtlinge, die uns von den menschenunwürdig Zuständen berichten, weil sie sich hier keinem anvertrauen können. An diesem Ort, der einer verlassenen Stadt glich, einer Geisterstadt.

Betrunkene Security

Organisiert vom Hamburger Sicherheitsdienst „Weko", deren Mitarbeiter uns - ehrenamtliche Helfer - betrunken anpöbelten und fragten, was wir hier zu suchen haben. Asoziales Verhalten, harter Ton. Gestresste Mitarbeiter, psychisch und emotional damit überfordert, eine menschenwürdige Erstunterkunft für Flüchtlinge bereitzustellen.

Wir wollten helfen, doch realisierten nur, unsere Schützlinge vom Hamburger Hauptbahnhof in die Hände einer systematischen und kalten Organisationskultur gegeben zu haben.

Mit dem Organisationsleiter über die Missstände sprechen? Fehlanzeige. Wir fragten uns, was hinter verschlossenen Türen mit den ohnmächtigen, verzweifelten Flüchtlingen vor sich ginge, wenn die Mitarbeiter schon so respektlos zu uns Helfern waren.

Die Sofortmaßnahme, vorerst keine weiteren Flüchtlinge nach Harburg schicken. Unsere Eindrücke bestätigten sich, denn wir waren nicht die ersten, die über die miserablen Zustände in Harburg informiert waren.

Deshalb machen wir darauf aufmerksam

So schilderte uns ein Helfer am Hauptbahnhof:

„In der Erstaufnahme in Harburg herrscht das Chaos. Keine Dolmetscher ab 22 Uhr, Menschen schlafen auf dem Flurboden. Eine Familie mit einem vier Monate alten Säugling, die abends in der Zentrale ankommt, fragt nach Essen und muss bis zum nächsten Tag warten.

Ein Sicherheitsmann schubst einen älteren Flüchtling weg, der ein verlorenes Flüchtlingskind zu ihm gebracht hat und antwortet kalt ‚Dawai, Dawai. Verpiss dich.'

Der Helfer resümierte kopfschüttelnd: ‚Das, was die machen, ist gar nicht in Ordnung. Also die müssen erst einmal richtig nachdenken. Die werden nicht wie Menschen behandelt, auch nicht wie Tiere, schlimmer.'"

Diese Eindrücke teilen wir in der Öffentlichkeit, denn es ist unsere gemeinsame Pflicht durch Unterstützung in der Politik, Medien und anderen Kontakten schnellstmöglich eine Veränderung zu bewirken. Den Menschen in der Flüchtlingserstaufnahme ein Gesicht zu geben. Zu helfen eben.

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