BLOG
22/12/2014 05:33 CET | Aktualisiert 21/02/2015 06:12 CET

Mimimi des Jahres: Dieter Nuhr

dpa

Och, Dieter Nuhr. Ich finde sie ja allgemein immer wieder recht witzig, wie Sie da auf der Grenze von Kabarett und Comedy wandeln. Die Islamnummern gehören aber zu Ihren schlechten. Meine Meinung. Und ja, weil viele das durcheinanderbringen: Wenn jemand anderer Meinung ist, bedeutet das keine Einschränkung der Meinungsfreiheit. Sondern doppelte Meinungsfreiheit.

So, lieber Herr Nuhr, jetzt holen wir mal zusammen den Taschenrechner heraus: Sie haben wegen zahlloser Witze genau eine Anzeige bekommen; dann wurde die Sache bereits im Ermittlungsverfahren eingestellt. Das wären dann 1% dessen, was Carolin Kebekus erdulden musste.

Sie hat wegen eines Videos über die katholische Kirche fast 100 Anzeigen bekommen. Und viele Droh-Emails. Da wäre ich an Ihrer Stelle auch etwas eifersüchtig. Man provoziert, macht platten Jokus, bedient Klischees, vereinfach grob, bekommt sogar noch vereinzelte Lacher - und was kommt 'raus: Eine Anzeige, keine abgesetzte Sendung, sonst nix.

Und dann kommt eine dahergelaufene Kollegin, die (meine Meinung) nicht nur viel talentierter ist, sondern für einmal am Kruzifix lecken ganz viele Anzeigen bekommt, Entschuldigung des Senders, Sendeverbot für das katholizismuskritische Video, das volle Programm - Championsleague der Zensur.

Bei pius.info ging man die Sache im ganz großen Stil an: „Wir bitten alle Katholiken, denen der Glaube und die Religion und vor allem auch das Ordensleben von unzähligen Ordensfrauen noch heilig ist, sich bei der Verspotterin persönlich zu beschweren und gleichzeitig Strafanzeige einzureichen."

Fassbinders Theaterstück „Der Müll, die Stadt und der Tod" konnte in Deutschland nach massiven Protesten gar nicht erst aufgeführt werden. Gut, klar stand Fassbinder die Kunstfreiheit zur Seite, aber gleichzeitig erlaubten es Meinungs- und Demonstrationsfreiheit auch, das Ganze nachhaltig (und wohl zu Recht) miserabel zu finden.

Oder die Titanic: Kruzifixcover 2010: 198 Beschwerden beim Deutschen Presserat (Rekord), vier Strafanzeigen, Drohungen ohne Ende; man hat das dort mit Humor genommen und die besten Drohanrufe auf der Homepage veröffentlicht.

Titanic-Papsttitel 2012: Die Kirche erwirkte zunächst mit Erfolg ein Verkaufsverbot und zog es dann wieder zurück. Und der Bamberger Erzbischof forderte, Blasphemie unter Strafe zu stellen. Plus eine Rüge vom Deutschen Presserat nach 182 Beschwerden dort. Für die Abbildung eines Kruzifix mit der Unterschrift: "Ich war eine Dose" wurde die Titanic gar von der deutschen Weißblechindustrie verklagt.

Wenn Sie im Vergleich dazu nur eine, eine einzige Strafanzeige bekommen haben - ja, dann dürfen Sie sich gerne in Ihrer Eitelkeit verletzt und unter Wert geschlagen fühlen. Aber machen Sie bitte nicht wieder den Islam dafür verantwortlich.


Schnelle Nachrichten, spannende Meinungen: Kennen Sie schon die App der Huffington Post?

Sie können sie rechts kostenlos herunterladen.

Get it on Google Play