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10/10/2014 13:35 CEST | Aktualisiert 10/12/2014 06:12 CET

Höchste Zeit für eine steuerliche Selbstanzeige?

Tausende von Deutschen haben ihr Erspartes in den letzten Jahren nicht deutschen, sondern Schweizer oder österreichischen Banken anvertraut. Eigentlich unproblematisch, doch ist oftmals vergessen worden, das steuerlich beim zuständigen Finanzamt zu melden. Da in Deutschland das so genannte Welteinkommensprinzip gilt, sind aber grundsätzlich auch ausländische Kapitaleinkünfte bei der Steuererklärung anzugeben.

Hatte man das unterlassen, so gab in den allermeisten Fällen keine Probleme. Drei Dinge haben sich jetzt aber geändert. Zum einen haben die deutschen Finanzämter die Fahndungsmassnahmen intensiviert. Ein Stichwort sind die so genannten Steuer-CDs. Weiterhin zeigen die Schweizer Banken mittlerweile nicht mehr die selbe Diskretion wie in den Jahrzehnten zuvor.

Das Thema des automatisierten Datenaustausches mit etwa der Schweiz und Österreich steht auf der Agenda. Und schließlich hat der Gesetzgeber die Rechtslage mit Wirkung ab 2015 verschärft. Das gilt hinsichtlich der Wertgrenzen für gewissen Privilegierungen bei der Selbstanzeige. Und das gilt hinsichtlich der zu erklärenden Zeiträume. Bislang mussten fünf Jahre für eine Strafbefreiung nacherklärt werden. Zukünftig werden es zehn Jahre sein.

Bislang empfiehlt es sich zwar auch, zehn Jahre nach zu erklären, um einer saftigen Schätzung zu entgehen; für die angestrebte Strafbefreiung sind aber noch bis zum 31.12.2014 fünf Jahre ausreichend.

Da die Beschaffung von Unterlagen und deren sorgfältige Aufbereitung Zeit in Anspruch nehmen, gilt es nun, rasch zu handeln. Der Vorgang ist komplexer als die routinemässige Anfertigung einer Steuererklärung - der laufende Steuerberater ist daher nicht unbedingt der richtige Ansprechpartner, sondern ein Spezialist.

Der typische Ablauf ist wie folgt: Benötigt werden die originalen Kontounterlagen. Es empfiehlt sich nicht, diese per Post schicken zu lassen; der Zoll schaut ggfs. auf den Absender, öffnet das Paket und macht eine Kontrollmitteilung an das zuständige Finanzamt. Dann ist die Steuerstraftat entdeckt - für eine Selbstanzeige ist es zu spät.

Sinnvollerweise holt der Rechtsanwalt die Unterlagen persönlich ab. Sie können dann gleich vor Ort auf Vollständigkeit überprüft werden, und Mandantenunterlagen eines Anwalts sind für den Zoll tabu. Teilweise stellt die Bank bereits vorbereitete Steuerunterlagen (Anlage KAP) zur Verfügung. Diese sind dann allerdings zu überprüfen und mit den bislang eingereichten Erklärungen abzugleichen.

Ansonsten fertigt der steuerlich versierte Anwalt präzise die notwendigen Erklärungen. Zur Strafbefreiung muss „alles auf den Tisch"; weitere Sachverhalte außerhalb der Konten wären also noch abzuklären und einzuarbeiten. Sodann kann unter Einreichung der vollständigen vorbereiteten Unterlagen die eigentliche Selbstanzeige abgegeben werden. Das bedeutet: Für alle Steuerpflichtige - bei Ehepartnern also für beide Eheleute.

Wurde die Selbstanzeige sorgfältig erstellt - Spezialwissen ist erforderlich, aber ausreichend, eine Panne wie bei Herrn Hoeneß ist eher die Ausnahme - kommt die Mitteilung der Strafbefreiung durch das zuständige Finanzamt für Fahndung und Strafsachen. Da es sich aus Vorsichtsgründen empfiehlt, die Erklärung zur Selbstanzeige an der einen oder anderen Stelle mit Sicherheitszuschlägen zu versehen, können diese dann meist bei Festsetzungsfinanzamt im Einspruchsverfahren „glattgezogen" werden.

Zum Abschluss: Ja, das ist unangenehm. Ja, das kostet Geld. Aber: Es lässt sich ruhiger schlafen. Man hinterlässt im Erbfall nicht den Erben die strafrechtliche Verantwortung. Und: Das Geld kann sich wieder frei bewegen. Weder waren die Schweizer Banken etwa besonders billig, noch besonders gut.

Bei kostengünstiger und guter Wiederanlage des Geldes haben sich also die Kosten einer Selbstanzeige in absehbarer Zeit wieder eingespielt. Es profitieren also nicht nur Fiskus und Allgemeinheit, sondern auch derjenige, der sich steuerehrlich macht.