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06/08/2015 13:08 CEST | Aktualisiert 06/08/2016 07:12 CEST

5 Gründe, warum ich kein Glück mit meinem Ehemann hatte

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Auf einer Hochzeitsfeier, kurz vor den Reden, fing mein Baby an zu grunzen und zu stinken - ihr glaubt nicht, wie sehr er stank. Mein Ehemann hob ihn aus dem Hochstuhl und verschwand schnell, um die Windel zu wechseln. Mit meiner Tochter auf dem Schoß lehnte ich mich zurück und lauschte den Reden - erleichtert, ein paar babyfreie Momente zu haben.

"Da hattest du aber echt Glück," sagte eine ältere Frau, die sich zu mir rüber lehnte.

"Glück?"

"Aber ja. Ihr Mädchen habt es so gut mit euren modernen Männern. Ich meine: Windeln wechseln? Zu meiner Zeit wäre das nicht passiert. Ja, du hattest Glück."

Ich sage nichts mehr und antworte mit einem Lächeln. Dabei kann ich ihr nicht so ganz zustimmen. Sie ist nicht die erste Frau die mir sagt, dass ich Glück hätte, mit so einem Mann verheiratet zu sein. Wenn ich im Gespräch beiläufig erwähne, dass er gerade mit den Kindern im Park ist - nur damit ich ein wenig Zeit für mich selbst haben kann - oder, dass er großartig im Aufräumen und Ordnen ist oder, dass er nachts eine Schicht Baby füttern übernommen hat - immer dann bekomme ich einen solchen Kommentar.

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Aber wisst ihr was? Glück hat damit nichts zu tun und hier sind fünf Gründe warum:

1. Erziehung ist unser Job - nicht meiner

Wir haben uns beide entschieden, eine Familie zu gründen. Wir haben uns entschlossen, das gemeinsam zu tun. Die Kinder zu erziehen, ist keine Aufgabe, bei der ich Glück habe, wenn er mir mal hilft. Wir sind die Eltern - wir beide. Wir wechseln beide die Windeln, lesen Geschichten vor, gehen in den Park, kuscheln und stehen nachts auf. Er ist der Vater und nicht mein elterlicher Handlanger.

2. Glück hatte nichts damit zu tun - ich habe meinen Mann gewählt

Niemand hat mich dazu gezwungen, ihn zu heiraten. Ich habe mich entschieden, mit ihm zusammen zu sein, weil er so ist, wie er ist - wegen seines Charakters. Ich habe die Entscheidung mit meinem Hirn getroffen. Wäre er nicht für die Gleichberechtigung oder wäre er der Meinung, dass Kindererziehung ausschließlich Frauensache ist - dann hätte ich ihn nie geheiratet.

Ich, jemand der unbedingt Kinder wollte, hätte niemals einen Mann geheiratet, der kein Interesse am Vatersein hat oder bei dem ich glaube, dass er eine desinteressierte Rolle spielen würde. Das wäre dämlich und nicht etwa Pech.

3. Zu sagen, ich hätte Glück gehabt, würde bedeuten, dass alle Frauen mit ihrem Los auskommen müssten und keine Kontrolle über ihr Liebesleben hätten.

Also war ich eine von den Glücklichen - sie aber nicht? Ich habe einen guten bekommen und sie nicht? Naja, nicht wirklich. Wenn ich einen Mann bekommen hätte, der erwartet, dass ich allein erziehe, hätte ich ihm gesagt, dass ich nicht glücklich bin. Würde er nicht als Team arbeiten wollen, würde ich ihn verlassen.

Sie hätte sich auch von ihrem desinteressierten Mann trennen können. So hätte sie wenigstens einen Tag am Wochenende frei - wenn die Kinder ihn besuchen. Das wäre wahrscheinlich immer noch mehr, als sie gewohnt ist. Ich hatte kein Glück und sie hatte kein Pech - sie war einfach gewillt, mit ihrem Ehemann klarzukommen, ich hätte das nicht gemacht.

4. Es war kein Glück, das unsere Vorstellung der Rollen von Mutter und Vater verändert hat

Es ist der soziale Wandel und die harte Arbeit jener, die diese Veränderung anstrebten. Es sind die Frauen und Männer, die darüber reden, schreiben oder dafür kämpfen, dass sich etwas ändert. Väter sind heute mehr als nur Brotverdiener oder Vorgesetzte und diese Veränderung kam nicht einfach so herbei geschwebt. Das ist nicht dem Glück geschuldet, sondern den Leuten, die die alten Ansichten in Frage stellten, um anders zu leben und um andere anzustacheln, das auch zu tun.

5. Ich habe kein Glück - sondern meine Kinder

Meine Kinder haben keinen Einfluss darauf, wer sie erzieht. Sie haben keine Kontrolle über die Erwachsenen im Haus, die ihnen ihr Bad einlassen oder ihr Abendbrot kochen. Sie wissen nicht, was gut genug ist und was nicht. Sie können nicht entscheiden, dass sie unglücklich mit dem sind, was sie haben und etwas dagegen tun. Sie kommen einfach mit uns klar. Sie haben Glück, nicht wir.

Also, habe ich Glück, einen Mann wie meinen zu haben? Ein wenig, ja. Ich habe Glück, dass er gesund ist, dass er hier ist und dass ich ihn überhaupt getroffen habe - aber da hört das Glück schon wieder auf. Der Rest war eine Wahl. Ich habe mich entschieden, mit ihm zusammen zu sein, ihn zu heiraten und eine Familie zu gründen. Wir sind sehr glücklich mit unseren Kindern.

Aber es sind unsere Kinder, seine und meine. Er ist ihr Vater und ich bin glücklich, dass ich ihn habe.

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Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post UK und wurde von Nils Werner aus dem Englischen übersetzt.


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