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11/12/2016 06:08 CET | Aktualisiert 13/12/2017 06:12 CET

Middle Child Syndrome bei KMUs? Wie unserer Mittelstand noch wettbewerbsfähiger wird!

monsitj via Getty Images

Dazwischen statt vorne weg: Der europäische Mittelstand steht vor dem Dilemma, im Wettbewerb zwischen Großkonzernen und Start--ups benachteiligt zu sein. Traditionelle KMUs werden nicht wie trendige Start--ups mit zahlreichen finanziellen Hilfen unterstützt, müssen aber zugleich mit größeren Unternehmen in Konkurrenz treten.

In vielen Staaten Europas ist die fehlende Unterstützung von Regierungen und Geldgebern ein großes Problem, so zeigt die aktuelle Ricoh--Studie „Das Middle Child Syndrome" auf, für die wir 1650 mittelständische Unternehmen in 20 Ländern befragt haben: 70 Prozent der untersuchten KMUs geben an, dass sie sich vernachlässigt fühlen. Und ganze 76 Prozent fordern vom Staat eine Umgebung mit weniger komplexen gesetzlichen Vorschriften, die ihnen im Wettbewerb mit „Groß" (Konzern) und „Jung" (Start--up) zu schaffen machen.

Wachstumsbarrieren, die vermeidbar wären. Hochgerechnet auf 75.000 KMUs in ganz Europa, so hat die Analyse ergeben, liegen die potentiellen Einkommensverluste bei jährlich 433 Milliarden Euro.

Deutschlands Mittelstand: Förderung ja, Digitalisierung als Wachstumstreiber

Die gute Nachricht: Deutschland geht es besser. Kaum ein anderes europäisches Land hat einen so starken Status Quo des Mittelstands vorzuweisen, dessen volkswirtschaftliche Relevanz auch von politischer Seite erkannt und vergleichsweise gut unterstützt wird.

Ebenso hat man hierzulande erkannt, dass die Investition in digitale Tools ein wesentlicher Wachstumstreiber sind. Bundesländer und Kommunen bieten heute viele Förderprogramme an, beispielsweise die Bundeshauptstadt mit ihrem „Berlin Mittelstand 4.0" oder ganz aktuell das Land Bayern mit dem neuen „DigitalBonus", der mit einem Fonds von 80 Millionen Euro Mittelständlern den Weg in die digitale Transformation ebnen soll.

Die Beschaffung und Finanzierung digitaler Technologien ist zwar eine Hürde, die erst einmal gemeistert werden muss, aber es gibt Unterstützungsmöglichkeiten, die dabei helfen können.

Zugleich zeigt unsere Studie aber auch, dass 30 Prozent der befragte mittelständischen Unternehmen die eingesetzten digitalen Tools nicht nutzen, um zu wachsen und ihre Markenbekanntheit zu erhöhen. Der Bedarf an Beratung und Service ist groß.

Digitale Technologien unterstützen den Mittelstand wesentlich im Umgang und in der Kommunikation mit Kunden und Mitarbeitern. Bei der Frage, was die größten Vorteile der Digitalisierung seien, wurde ein verbesserter Kundenservice am häufigsten genannt (36%).

Am zweithäufigsten wurde die erhöhte Produktivität der Arbeitnehmer angegeben (32%). Als größte Herausforderung wurde die Gewinnung von Spitzenkräften genannt (27%).

Wo soll also angefangen werden?

Verbesserung von Kundenservice und Kommunikation Viele größere Organisationen entstehen aus Fusionen oder Übernahmen von Mittelständlern. In der Tat erklärten 27 Prozent der mittelständischen Unternehmen die Absicht, in den nächsten zwei Jahren solche Pläne zu verfolgen.

Die Firmen werden während dieser schwierigen Prozesse ihre verschiedenen Plattformen schnellstmöglich miteinander verknüpfen wollen. Entscheidend ist aber, dass dabei Rücksicht auf die Kunden genommen wird.

Durch die schnelle und nahtlose Konsolidierung von Information können Daten analysiert und nützliche Einsichten gewonnen werden. Außerdem wird dadurch sichergestellt, dass die Kommunikation zielorientiert und personalisiert bleibt.

Wenn Unternehmen wachsen, kann es problematisch sein, den hohen Servicelevel aufrechtzuerhalten, wenn die Ressourcen maximal beansprucht sind. Tools können gewährleisten, dass die Kundenkommunikation zielgerichtet und effizient ist. Vor dem Hintergrund, dass 70 Prozent der Firmen in den nächsten zwei Jahren neue Märkte erschließen wollen, ist ein exzellenter Kundenservice unverzichtbar.

Gesteigerte Produktivität der Arbeitnehmer

Ein Hauptvorteil digitaler Technologie ist die Möglichkeit, Informationen effizient zu speichern, zu verarbeiten und zu kommunizieren. Heutzutage erwarten Kunden und Partner schnelle und fehlerfreie Services. In großem Umfang kann dies nicht ohne die Implementierung digitaler Tools erreicht werden.

Die Produktivität der Arbeitnehmer ist ein wichtiges Kriterium für den Mittelstand. Fast ein Drittel der Firmen (32%), die digitale Technologie eingeführt haben, konnten schon eine Produktivitätssteigerung messen. Digitale Tools verbessern die Produktivität auf zwei Arten. Erstens erleichtern sie den freien Informationsfluss durch das Unternehmen.

Dadurch wird sichergestellt, dass die Mitarbeiter einfach auf die Informationen zugreifen können und sich in der Folge darauf fokussieren, individuelle Services bereitzustellen. Zweitens helfen sie bei der Optimierung von Workflows, wobei Verluste und Kosten minimiert werden.

Attraktive Arbeitgeber-Marke

Spitzenkräfte anzuziehen ist eine wichtige Herausforderung, vor der mittelständische Unternehmen zusehends stehen. 65 Prozent der Firmen geben an, dass sie Schwierigkeiten damit haben, weil viele potenzielle Arbeitnehmer lieber für große Unternehmen und Marken arbeiten würden. Deshalb stellt es für 58 Prozent der Firmen ein Problem dar, Top-Absolventinnen und -Absolventen einzustellen, wenn sie nicht bereits mit den neuesten digitalen Tools arbeiten.

Wenn der Mittelstand die besten Talente für sich gewinnen will, muss er ihnen die Technologien und Arbeitsweisen bieten, die sie erwarten und gewohnt sind. Dies schließt die Verfügbarkeit von Technologie mit ein, die mit den großen und branchenführenden Unternehmen verglichen werden kann. Der zunehmenden Forderung der Angestellten nach mobilem Arbeiten kann nur durch die richtigen digitalen Prozesse entsprochen werden.

Ohne Digitalisierung ist es kaum noch möglich, wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Prozess muss beim Geschäftsführer beginnen. 76 Prozent der Befragten geben an, dass mittelständische Unternehmen eine definierte, langfristige Vision für den digitalen Wandel benötigen. Darüber hinaus gaben 77 Prozent an, dass sie einen klaren Plan für die Umsetzung brauchen.

Die Agenda von Führungskräften im Mittelstand ist lang. Das Wachstum von heute zu managen und Investitionen für morgen zu tätigen sind hierbei zentrale Aufgaben. Um weiter expandieren und die Organisation weiterentwickeln zu können, muss die technologische Innovation in den Fokus gerückt werden. Die Digitalisierung ist für den Mittelstand der wichtigste Wachstumsmotor.

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