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10/10/2013 03:07 CEST | Aktualisiert 10/12/2013 06:12 CET

Greenpeace-Aktivisten im Kampf für die Umwelt

Es ist früher Morgen, als 20 Greenpeace-Aktivisten mit ihren Schlauchbooten losfahren. Nach einer halben Stunde Fahrt durch stürmische See mit meterhohen Wellen und eiskalten stürmischen Böen sind sie am Stahlkoloss. Es geht los.

Es ist früher Morgen, als 20 Greenpeace-Aktivisten mit ihren Schlauchbooten losfahren. Nach einer halben Stunde Fahrt durch stürmische See mit meterhohen Wellen und eiskalten stürmischen Böen sind sie am Stahlkoloss. Es geht los. Die Boote nähern sich schnell und gehen längsseits. Gleichzeitig funkt einer der Aktivisten „This is a peaceful Greenpeace protest to save our seas!" Aus dem Augenwinkel sehe ich Aktivisten mit einem Banner vor der Stahlwand. Neben mir wird ein Aktivist mit einer Winde auf die Plattform gezogen. Dann bin ich dran.

Mit der Aktion wollten wir das Versenken der Ölplattform Brent Spar verhindern. Das war die erste große Greenpeace-Aktion, bei der ich dabei war. Heute, 18 Jahre später, stehen im russischen Murmansk 28 Greenpeace-Aktivisten und zwei Journalisten vor Gericht. Ihr vermeintliches Vergehen: Sie wollten auf die Gefahr von Ölbohrungen des Konzerns Gazprom in der Arktis aufmerksam machen und ein Banner an Wand der Gazprom-Ölplattform Prirazlomnaya befestigen. Doch anders als 1995 erschien dieses Mal vermummte Einsatzkräfte. Ein Video der russischen Küstenwache zeigt das harte Eingreifen der Einsatzkräfte. Stunden später, das Greenpeace-Schiff hatte sich schon weit von der Plattform entfernt, erscheint ein Hubschrauber am Himmel. Einsatzkräfte seilen sich ab. Sie nehmen die Aktivisten fest und bringen das Greenpeace-Schiff „Arctic Sunrise" unter ihre Kontrolle.

Greenpeace-Aktivisten setzen sich seit den 1970ern für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen ein. So sind Aktivisten in die Sperrgebiete der Atomtests um das Moruroa-Atoll gefahren oder haben auf Schornsteinen von Kohlekraftwerken demonstriert. Grundsatz dabei ist immer die absolute und bedingungslose Gewaltfreiheit. Ziel solcher „direkten Aktionen" ist es immer auf Umweltverbrechen aufmerksam zu machen und höherrangige Rechte zu verteidigen. Dort hinzugehen, wo das Unrecht begangen wird und die Verursacher zu benennen. Dieser zivile Ungehorsam ist notwendig, um der Natur eine Stimme zu geben. Damit schreibt Greenpeace auch Rechtsgeschichte. Die Aktivisten helfen mit ihren Aktionen, das geltende Recht weiterzuentwickeln. Notfalls auch, indem dabei konkurrierendes untergeordnetes Recht zurückgestellt wird. Dabei stellen Gerichte immer wieder klar, dass der Erhalt unserer Lebensgrundlagen Voraussetzung für die Wahrung von Menschenrechten ist und daher zu den höchstrangigen Rechten gehört.

So auch beispielsweise bei einem viel beachteten Urteil in Großbritannien. Sechs Greenpeace-Kletterer hatten im Jahr 2007 auf dem Schornstein des Kohlekraftwerks in Kings North mehr Klimaschutz von der Regierung gefordert. Das Unternehmen verklagte die Aktivisten auf Schadenersatz. Die Verteidigung der Aktivisten verwies jedoch auf die enormen Schäden, die der Klimawandel für Umwelt, Menschen und Eigentum bedeutet, ohne dass die Regierung etwas dagegen unternimmt. Das britische Gericht gab den Aktivisten recht und sprach alle Aktivisten frei. Der Klimaschutz sei ein legitimer Grund für den Protest. http://bit.ly/76xCO,: ganzen Film (20 Minuten): . Trotzdem sind die hohe See, die Arktis, der Wald, das Klima - also Natur und Umwelt - nach wie vor rechtlich nicht ausreichend geschützt. Dabei sind intakte natürliche Lebensgrundlagen eine unabdingbare Voraussetzung für unser Zusammenleben, für Menschenrechte und die Wahrung von Frieden. Es geht dabei um die Pflicht jedes Einzelnen, nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Umwelt zu hinterlassen.

Dafür kämpfen Greenpeace-Aktivisten und sind auch bereit, Risiken in Kauf zu nehmen. Damit sie das tun können, brauchen die Aktivisten eine breite Unterstützung. Gerade jetzt, wo den 28 Aktivisten und zwei Journalisten bis zu 15 Jahre Haft für ihren Einsatz für die Arktis drohen. Bitte unterstützen Sie uns und schreiben Sie dem russischen Botschafter in Deutschland eine Protestmail: Klicken Sie hier: http://bit.ly/16e9YEp. Danke. Eine Chronologie der Ereignisse finden Sie hier: http://bit.ly/GOyIqk

Christian Bussau ist Leiter der Sonderprojekte von Greenpeace und war 1995 als Aktivist auf der Brent Spar.