POLITIK
10/12/2017 11:25 CET | Aktualisiert 11/12/2017 11:41 CET

"Alles kann zusammenfallen": Obama warnt die US-Amerikaner vor einer Entwicklung wie in Nazi-Deutschland

Barack Obama macht sich Sorgen um die Vereinigten Staaten von Amerika
Jonathan Ernst / Reuters
Barack Obama macht sich Sorgen um die Vereinigten Staaten von Amerika

  • Die USA sind weit davon entfernt, ein stabiles Land zu sein

  • Donald Trump hat die Politik und die Gesellschaft aufgestachelt und gespalten

  • Sein Vorgänger Barack Obama hat nun davor gewarnt, wie schnell die Demokratie im Land daran zerbrechen könnte

Barack Obama hat während eines Interviews eine Warnung an alle US-Bürger geschickt: Es sei nicht so, dass die Demokratie "fragil" sei, aber sie sei "umkehrbar".

Der frühere US-Präsident sagte während eines Auftritts beim Economic Club of Chicago, jeder Mensch in den USA müsse wachsam bleiben und die Werte und Institutionen der US-Demokratie beschützen - oder in Kauf nehmen, dass das Land eine Entwicklung nehmen könnte, wie sie Deutschland unter dem Nationalsozialismus genommen habe.

"Der Garten der Demokratie muss umsorgt werden", sagte Obama, "sonst kann alles schnell zusammenfallen." So, wie es schon in früheren Gesellschaften passiert sei.

Obama: "Und dann wurde die Welt ins Chaos gestürzt"

Obama verglich die heutige Lage mit der zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts.

"Damals, in den 1920ern und 1930ern, gab es wahrscheinlich einen Ballsaal in Wien. Dort schien es, als würde dieser Saal - gefüllt mit Musik, Kunst, Literatur und Wissenschaft - für immer bestehen. Und dann starben 60 Millionen Menschen. Und die ganze Welt wurde ins Chaos gestürzt", sagte der Vorgänger von Donald Trump.

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Er warnte: "Ihr müsst aufpassen - und zur Wahl gehen." Dabei ging es Obama nicht nur um Trump, den er namentlich nicht erwähnte. Sondern auch um die gesellschaftliche Entwicklung im Ganzen.

Obama: "Die Menschen suchen Sicherheit"

"Wir erleben derzeit einen Zusammenprall der Kulturen, die wir nicht gut kennen", sagte Obama. "Es war früher so, dass du, wenn du konservativ, Muslim, Christ, Jude oder Hindu warst, du in einer geschlossenen Gemeinschaft gelebt hast - die Menschen fragten dich nicht nach Vorurteilen."

Das sei nun anders. Die Welt sei offener und vermischter. "Die Kombination von wirtschaftlichen und kulturellen Störungen sorgt dafür, dass sich die Menschen nicht mehr sicher anfühlt", sagte Obama. Doch es sei unabdingbar, dass die Menschen nach Sicherheit strebten.

Das führe zu feindseligen Haltungen und Handlungen: "Traurigerweise ist es so, dass wir einfache Antworten suchen, wenn wir aufgeschreckt und verängstigt sind."

Obama endet mit einem Lichtblick

Zum Ende des Interviews hatte Obama aber auch noch gute Nachrichten.

Er glaube, dass die Werte der USA - Pluralismus, Toleranz, Rechtsstaat, Menschenrechte, Pressefreiheit, Religionsfreiheit - die stärkeren, die überdauernden Werte seien. "Die Mehrheit der Menschen im Land teilen und fördern diese Werte", sagte Obama.

Und doch seien diese Werte in Gefahr. "Wir müssen für sie kämpfen", sagte Obama, "und das passiert nicht automatisch." Die Menschen dürften ihre Demokratie und deren Institutionen und Werte nicht für selbstverständlich nehmen.

Schließlich seien diese eben nicht "fragil", aber doch "umkehrbar".

Dieser Text erschien zuerst in der HuffPost USA und wurde von Josh Groeneveld übersetzt.

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