POLITIK
09/12/2017 03:13 CET | Aktualisiert 09/12/2017 06:48 CET

"Die CDU hat ein Problem": Jens Spahn kritisiert seine Partei – und bringt sich gegen Merkel in Stellung

  • In der ZDF-"Heute Show" äußert sich Jens Spahn kritisch über das Alter in seiner Partei

  • Spahn betonte zudem, er strebe in der Politik nach "Funktionen"

  • Viele sehen in Spahn einen Anwärter auf die Merkel-Nachfolge

  • Oben im Video: CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn fordert Burka-Verbot

Der CDU steht ein großer Umbruch bevor. Angela Merkels vierte Amtszeit als Bundeskanzlerin steht durch die stockende Regierungsbildung noch immer auf wackeligen Beinen.

Dass sie eine fünfte Amtszeit ins Auge fasst, gilt als ausgeschlossen.

Und doch fragen sich in der Union viele: Wer sollte überhaupt auf Merkel folgen?

Einer, dem Ambitionen nachgesagt werden, ist der konservative Finanzstaatssekretär Jens Spahn, 37 Jahre, Mitglied des CDU-Präsidiums. Einer, der austeilen und einstecken kann, wie er nun als Gast in der ZDF-Satiresendung “Heute Show” unter Beweis stellte.

Mehr zum Thema: "Merkel hat ihre Leute nicht mehr im Griff": So geschwächt ist die Kanzlerin

Als Moderator Oliver Welke Spahn als “jungen Shootingstar” bezeichnete, fiel ihm der gleich ins Wort.

"Wenn das jung ist, haben wir ein Problem"

“Ich wurde letztens bei einer CDU-Veranstaltung als ‘blutjung’ bezeichnet”, erzählte Spahn, um dann seine Partei ins Visier zu nehmen. “Wenn man mit 37 noch ‘blutjung’ ist, hat die CDU irgendwie auch ein Problem.”

Welke stimmte zu – und konfrontierte Spahn daraufhin mit einer Aussage, die ein Parteifreund über ihn getroffen haben soll: "Dem geht's immer nur um Jens Spahn. Verglichen mit Spahn ist eine Ich-AG eine soziale Veranstaltung. Der ist unser Markus Söder."

Spahn verzog kurz das Gesicht und legte dann los. “Wenn man mit Mitte dreißig keinen Ehrgeiz mehr hat, dann macht man was falsch”, erklärte Spahn, der seine Ambitionen in der CDU keineswegs abstreiten wollte. “Natürlich will ich gestalten, (...) natürlich will ich in Funktionen kommen”, erklärte Spahn.

Eine Funktion, die immer wieder im Kontext von Jens Spahn erwähnt wird, ist das Kanzleramt. Der britische“Guardian” sah in ihm bereits den Merkel-Nachfolger, ebenso das Brüsseler Online-Magazin “Politico”.

In einer Forsa-Umfrage bei der CDU-Basis belegte Spahn zuletzt den dritten Platz bei der Frage nach dem gewünschten Nachfolger der CDU-Chefin. Immerhin 36 Prozent der Christdemokraten stimmten für Spahn.

Spahn bringt sich langsam im Position

Beim Deutschlandtag der Union im Oktober zeigte der, dass er bei aller Parteidisziplin keine Hemmungen hat, vorsichtig an Merkels Stuhl zu sägen.

Spahn sagte damals: "Es ist gut, dass sie Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland bleibt. Andererseits haben wir fast drei Millionen Wähler verloren. In manchen Wahlkreisen sind wir nahezu implodiert. Und ein solches Ergebnis, da kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, da wird man weiter drüber diskutieren müssen, was da passiert ist."

Spahn warb auch in der "Heute Show" für seinen Kurs: innere Sicherheit, eine klare Linie bei der Zuwanderung – und einen stärkeren Fokus auf die Digitalisierung. Die, so Spahn, habe die Große Koalition nicht in dem Maße vorangetrieben, wie es notwendig gewesen wäre.

Um das zu ändern, tingelt er durch die Talkshows des Landes, schärft sein Profil, baut sich als konservative Gegenfigur zur liberalen Kanzlerin auf.

Ob er bereits “mit der Kulisse beim Plasberg festgewachsen” sei, wollte Welke daher scherzhaft wissen. Man müsse doch aufpassen, “nicht irgendwann den goldenen Bosbach” verliehen zu bekommen.

Spahn lachte. “Klar ist das eine Gratwanderung. Ich gehe bei weitem nicht in jede Sendung”, sagte der CDU-Mann. Es sei aber auch sein Auftrag, “zu erklären, was wir tun”.

Am liebsten würde er das wohl noch viel öfter tun. Gerne irgendwann auch vom Kanzleramt aus.

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(ujo)