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08/12/2017 07:52 CET | Aktualisiert 08/12/2017 07:56 CET

Polizisten nehmen einen Kiffer in München fest - am Ende müssen sie ihm 6,60 Euro überweisen

<img alt="cannabis schreiben" src="http://i.huffpost.com/gen/5623102/thumbs/o-CANNABIS-SCHREIBEN-570.jpg?5" />
Micha Greif
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  • Christoph N. bekommt Cannabis auf Rezept

  • Trotzdem haben Zivilfahnder der Münchner Polizei in durchsucht und dabei sogar eine Einheit Cannabisblüten zerstört

  • Jetzt muss die Behörde ihm das Geld für die Pflanze überweisen

Christoph N. ist Cannabis-Patient. Er bekommt die normalerweise in Deutschland verbotene Droge auf Rezept. Das bedeutet, dass er Cannabis legal besitzen und auch konsumieren darf.

cannabis

Das konnten Zivilfahnder der Münchner Polizei auf den ersten Blick nicht wissen, als sie Christoph N. am 11. Mai kiffend am Isarufer erwischten. Sie knöpften sich den Mann vor, durchsuchten ihn und sollen ihn sogar beleidigt haben.

"Ausbilder Tobias S. ignorierte mein mitgeführtes Betäubungsmittelrezept, beleidigte mich als 'Junkie' und ließ mich und anwesende Unbeteiligte durchsuchen", behauptet Christoph N. Das Ergebnis der Durchsuchung: Eine Konsumeinheit Cannabisblüten wurde unbrauchbar gemacht.

Und dafür muss die Münchner Polizei jetzt zahlen. Denn Christoph N. hat sich über die Beamten beschwert und eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht. “Nach dem Vorfall war ich wochenlang verängstigt und habe mich erst spät entschieden, Beschwerde einzureichen", sagte Christoph N. dem Deutschen Hanfverband.

Christoph N. bekommt Schadensersatz

Und das mit Erfolg. Denn die Polizei will ihm den Betrag von 6,60 Euro - so teuer ist eine Konsumeinheit Cannabisblüten - nun überweisen. Den Beleg des Polizeipräsidiums München hat er dem Deutschen Hanfverband geschickt.

Dem will er den Betrag jetzt spenden.

cannabis schreiben

"Ich wollte nicht akzeptieren, dass Patienten als Kollateralschaden einer ohnehin verfassungsrechtlich fragwürdigen Jagd auf Cannabis-Konsumentinnen werden und sich entweder entsprechend dem Wunsch des Beamten dauerhaft in Ihren Wohnungen verstecken oder regelmäßige körperliche Durchsuchungen über sich ergehen lassen müssen", stellt Christoph N. klar.

"Dass dabei auch noch Medikamente zerstört werden, ist gerade in Anbetracht der seit Monaten nicht sichergestellten Versorgung in den Apotheken einfach unerhört.”

Ein Sprecher der Münchener Ortsgruppe des Deutschen Hanfverbandes wünscht sich, dass Cannabis-Patienten in Zukunft anders behandelt werden: “Somit sollte nun auch für die bayerische Polizei deutlich sein, dass Cannabis-Patienten keine Kriminellen sind. Sollten dennoch weitere Patienten betroffen sein, können sich diese gerne bei uns melden”.

Mehr zum Thema: Hier sind alle Menschen, die an einer Cannabis-Überdosis gestorben sind

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(jds)