POLITIK
09/11/2017 06:38 CET

Innerhalb kurzer Zeit fliegen zwei Minister aus dem britischen Kabinett - jetzt droht Premierministerin May eine Revolte

Hannah Mckay / Reuters
Britische Regierung verliert zwei Minister - als nächste könnte Premierministerin May gehen

  • Die britische Premierministerin ist in der Bredouille

  • Innerhalb einer Woche musste sie zwei ihrer Minister entlassen

  • Das könnte ihre ohnehin schon wacklige Position weiter schwächen

Sex, Lügen und Intrigen: in der britischen Politik geht es in letzter Zeit dramatischer zu, als in einer Seifenoper.

Erst letzte Woche sah sich Verteidigungsminister Michael Fallon gezwungen zurückzutreten. Der Konservative soll eine Journalistin betatscht haben. Und am Mittwoch musste Theresa May ihre Entwicklungsministerin Priti Patel entlassen, weil sich diese mit israelischen Politikern getroffen hatte, ohne die Premierministerin davon in Kenntnis zu setzen.

Zudem sieht sich auch Mays Stellvertreter, Kabinettschef Damian Green, Belästigungsvorwürfen ausgesetzt. Und dann ist da noch Boris Johnson. Viele Tories fordern, dass Parteichefin May ihren derzeitig heftig kritisierten Außenminister feuert.

Macht sie das nicht, könnte ihr das womöglich das Amt kosten.

Mehr zum Thema: Ein Belästigungsskandal erschüttert die britische Politik - und sorgt für Diskussionen über die Zukunft von Theresa May

Stürzt das Kartenhaus jetzt ein?

Der Grund für die Proteste gegenüber Johnson: Eine achtlose Bemerkung des Außenministers könnte der Britin Nazanin Zaghari-Ratcliffe eine mehrjährige Haftstrafe im Iran bescheren. Ganz abgesehen davon, dass Johnson bereits mehrmals die Autorität der Regierungschefin untergraben hat.

Dass May sich sträubt, skandalträchtige Minister rasch zu entlassen, zeigt auch der Fall von Priti Patel.

Schon vor einigen Tagen wurde bekannt, dass die Entwicklungsministerin im Sommer zwölf Treffen mit israelischen Politikern abgehalten hatte - ohne sich vorher mit May abzusprechen. Trotzdem entließ May sie zunächst nicht. Erst nach längerem Zögern und immer stärker werdender öffentlicher Kritik griff sie durch.

Aus Sicht der britischen Zeitung “The Guardian” könnte May ihr Zögern das Amt kosten. Die Entlassungen, oder in Johnsons Fall die ausbleibende Entlassung, könnten "Mays Kartenhaus zum Einsturz bringen", erklärt die Zeitung.

Gefährliches Zögern

Denn ihr Rückhalt in der Partei war in den vergangenen Monaten immer schwächer geworden. Für Mays Kritiker sind die derzeitigen Vorgänge ein Zeichen für ihre Schwäche.

Bereits während des Parteitages der Tories Anfang Oktober schrammte sie nur knapp an einer Revolte vorbei. Nur 18 Parlamentarier hatten damals gefehlt, um eine innerparteiliche Abstimmung über ihren Parteivorsitz in Gang zu bringen.

"May muss nun aufpassen, dass sie nicht selbst zum Ziel von Rücktrittsforderungen wird", schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ").

Denn zeige sich May weiter so nachgiebig, könnten weitere Anhänger abtrünnig werden. Der Ausgang des dann womöglich startenden Prozesses wäre laut "FAZ" ungewiss und könnte den Abschied der Premierministerin bedeuten.

Bisher galt ihre Absetzung als unwahrscheinlich - doch wie lange noch?

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(mf)