POLITIK
15/09/2017 14:01 CEST | Aktualisiert 02/10/2017 12:51 CEST

Studentin findet Hetz-Aufkleber vor ihrem Fenster - und rechnet mit dem Verfasser ab

  • Mediya Baker kam als Kind aus dem Irak nach Deutschland

  • Vor ihrem Zuhause hat jemand nun das Hetz-Plakat eines rechten Nachrichten-Blogs angebracht

  • Auf Facebook rechnet Baker mit den Verfassern ab

Mediya Baker und ihre Familie leben seit 21 Jahren in Deutschland. So schreibt die Medizinstudentin es auf Facebook. Sie sind aus dem Irak geflohen und habe sich in Deutschland ein neues Leben aufgebaut, trotz aller Rückschläge.

Vor ihrem Haus hat nun jemand einen großen Aufkleber mit dem Schriftzug "Für den Menschen gegen den Islam" angebracht. Mediya Baker war entsetzt - und verfasste jetzt einen öffentlichen Facebookpost:

Wir hätten es auch viel einfacher haben können

Sie beschreibt, wie ihre Eltern mit ihr nach Deutschland zogen, in der Hoffnung auf ein sicheres Leben. Wie die Eltern Mediya und ihre zwei Schwestern zu emanzipierten jungen Frauen erzogen.

Baker zufolge haben die Eltern viel Diskriminierung erlebt. Sie seien von oben herab behandelt worden, wenn ihr Deutsch nicht akzentfrei war - hätten aber nie erwähnt, dass sie insgesamt fünf Sprachen sprechen, schreibt Baker. Trotzdem hätten sie immer weiter gemacht. Inzwischen besitzen sie die deutsche Staatsbürgerschaft und ein Reihenhaus in Niedersachsen.

Immer sei die Familie dankbar gewesen, dass Deutschland zu ihrem zu Hause wurde: Die Eltern "haben uns immer erzählt, wie wichtig es sei, für seine Träume zu kämpfen und dankbar für den Luxus zu sein, in dem wir leben können: dem der Sicherheit, der Freiheit und der Toleranz."

Die Internetadresse führt zu einem fremdenfeindlichen Blog

Nun aber fand sie an einer Laterne vor ihrem Haus einen Aufkleber der Seite "PI-News". Die Seite bezeichnet sich selbst als "Politically Incorrect" - also politisch Inkorrekten - Blog.

"Nun habe ich mir aber diese auf dem Aufkleber angepriesene Internetadresse angeguckt und bin zu dem Entschluss gekommen, dass es sich um nichts anderes als eine Community für Menschen mit rechter Gesinnung, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit handelt", schreibt Baker auf Facebook. Eine treffende Beschreibung.

Die Beiträge beschäftigen sich hauptsächlich mit der "Islamisierung Deutschlands" - die Autoren schreiben unter einem Pseudonym.

Baker glaubt nicht, dass der Aufkleber vor ihrem Haus ein Zufall ist. Es sei der einzige in der Nachbarschaft.

Plädoyer für Diskussion, nicht für Hetze

Baker scheibt, es sei durchaus notwendig, über den Islam zu sprechen - und darüber, wie er gelebt wird. "Dass Muslime ihre Religion reflektieren, ist wichtig - genau so wichtig wie für alle anderen Religionen und Anhänger dieser Religion", heißt es in ihrem Post.

Aber eine ehrliche Diskussion - auch darüber, ob man ihrer Familie die Integration nicht hätte leichter machen können, wollten die Leute von PI-News offenbar nicht. "Sie würden lieber gar keine Muslime auf der Straße sehen, sie würden lieber den Islam aus dem öffentlichen Leben verbannen, anstatt 'Islamkritik' zu betreiben."

"Die Familie hat mehr Integrationsarbeit geleistet, als ihr es jemals leisten werdet"

Baker schreibt, ihre Familie habe "mehr Integrationsarbeit geleistet hat, als ihr mit euren ausgrenzenden Statements jemals leisten werdet". Die Familie sei mehr für einen toleranten und aufgeklärten Islam eingestanden, als es die Plakate-Kleber je schaffen könnten.

"Ihr sagt, ihr seid 'politisch inkorrekt' und meint dabei aber, dass eure Meinungen gegen existierende gesellschaftliche und ethische Wertvorstellung gerichtet sind. Wer gefährdet hier welche Werte?", fragt Baker.

Mehr zum Thema: "Du kannst mit Kopftuch keine Feministin sein" - Doch, kann ich!

Geht wählen und lasst eure Stimme präsent werden

Konstruktiv wirken die Artikel von PI-News für sie nicht. Für Baker stellt sich die Frage, ob sie überhaupt konstruktive "Islamkritik" befassen wollen: "Denn was mich wütend macht ist, dass ihr euch zwar wegen eures Mutes rühmt, die vermeintliche Wahrheit auszusprechen, dass ihr, die ihr euch "endlich traut" mit geschwollener Brust gegen die politische Korrektheit zu schwimmen, anscheinend doch nicht den Mut habt, Klartext zu sprechen: denn ihr wisst ganz genau, mit wieviel Gegenwind und Widerstand ihr rechnen müsstet, weil ihr euch als Rechtsgesinnte entlarven müsstet."

Für Baker ist eines klar: "Jetzt vor der Wahl ist es wichtiger denn je sich zu entscheiden, welches Deutschland wir haben wollen."

Sie bezeichnet ihren Facebookpost als Appell an alle. Es sei wichtig wählen zu gehen, nicht umbedingt für eine bestimmte Partei -aber gegen eine Partei, die für politische Inkorrektheit und Fremdenfeindlichkeit bekannt ist. Baker nennt keinen Namen. Aber klar ist, welche Partei sie meint: die AfD.

Mehr zum Thema: Liebe Migranten, geht wählen, eure Zukunft ist in Gefahr

Facebook-Nutzer stehen hinter Baker

Der Beitrag wurde schon über 200 Mal auf Facebook geteilt. Unter ihrem Text bekommt Baker sehr viel Zuspruch:

(sk)