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15/02/2017 02:26 CET | Aktualisiert 15/02/2017 02:31 CET

Wahlkampf-Helfer von Donald Trump hatten wiederholt Kontakt zu russischen Geheimagenten

Jonathan Ernst / Reuters
Wahlkampf-Helfer von Donald Trump hatten wiederholt Kontakt zu russischen Geheimagenten

  • Personen aus Trumps Wahlkampfteam und Umfeld sollen wiederholt Kontakte nach Russland gehabt haben

  • Das berichtet die "New York Times" in Bezug auf Informanten aus den US-Sicherheitsbehörden

  • Gerade erst trat Trumps Sicherheitsberater Flynn wegen seinen Russland-Kontakten zurück

Telefon-Unterlagen und abgefangene Gespräche sollen beweisen, dass Mitglieder des Wahlkampfteams von Donald Trump und weitere Trump-Vertraute im Jahr vor der Wahl wiederholten Kontakt zu führenden russischen Geheimdienst-Offiziellen hatten. Das berichtet die "New York Times" unter Berufung auf vier derzeitige und ehemalige US-Sicherheitsbeamte.

Die US-Behörden hätten entsprechende Kommunikationen in der Zeit abgefangen, in der sie Beweise für eine russische Einmischung in die US-Wahl durch Hacking entdeckt hätten, schreibt die Zeitung. Die von ihr interviewten Sicherheitsbeamten sagten demnach, dass sie bisher keine Beweise für eine engere Zusammenarbeit zwischen Trumps Team und Russland gefunden hätten.

Die abgefangenen Gespräche seien aber dennoch alarmierend: Sie fanden nach Angaben der "New York Times" zu einem Zeitpunkt statt, in dem Donald Trump sich häufiger sehr positiv über Russlands Präsidenten Wladimir Putin äußerte.

Auch russische Regierungsbeamte involviert

Auf US-amerikanischer Seite seien nicht nur Helfer aus Trumps Wahlkampfteam, sondern auch andere Bekanntschaften des neuen US-Präsidenten in den Austausch involviert. In Russland sei der Kontakt derweil nicht nur von Geheimdiensten, sondern auch von Regierungsbeamten ausgegangen.

Einer der Kontaktmänner der Russen sei der Trump-Berater Paul Manafort gewesen, schreibt die "Times". Manafort hatte einige Monate des letzten Jahres Trumps Wahlkampagne organisiert und zuvor als Berater in der Ukraine gearbeitet. Wegen mutmaßlicher Kontakte nach Russland ist Manafort derzeit - wie viele weitere Personen aus Trumps Umfeld -Teil einer groß angelegten Untersuchung von CIA, FBI und NSA. Ein Verbrechen wird ihm nicht vorgeworfen.

Der "New York Times" sagte Manafort über die angeblichen Telefonate mit russischen Kontaktmännern: "Das ist absurd, ich habe keine Ahnung, auf was sich das beziehen soll. Ich habe nie bewusst mit russischen Agenten gesprochen und ich war nie näher mit der russischen Regierung oder der Administration Putins involviert."

Er fügte hinzu: "Es ist jetzt ja nicht so, als würden diese Leute Aufnäher tragen, die sagen, 'Ich bin ein russischer Geheimagent.'"

Auch russische Regierungsbeamte involviert

Die von der Zeitung interviewten Sicherheitsbeamten wollten keine Details über Inhalte der Gespräche herausgeben. Auch das FBI und das Weiße Haus wollten den Bericht der "New York Times" nicht kommentieren.

Trumps Pressesprecher Sean Spicer hatte am Donnerstag auf einer Pressekonferenz aber noch betont, dass niemand aus Trumps Wahlkampfteam vor der Wahl Kontakt mit russischen Behörden gehabt habe.

Aber: Zwei Tage nach der Wahl im November habe der stellvertretende Außenminister Russlands, Sergei Raybkov, bestätigt, dass es Kontakte zu Trumps Team gab, so die "New York Times". Raybkov habe demnach der russischen Nachrichtenagentur Interfax gesagt: "Natürlich, wir kannten die meisten Personen aus seinem Gefolge. Das Trump-Lager bestreitet diese Darstellung.

Trumps Sicherheitsberater musste wegen Russland-Kontakten zurücktreten

Der "New York Times"-Bericht erscheint zu einem heiklem Zeitpunkt: Gerade erst trat Donald Trumps Sicherheitsberater Michael Flynn zurück, weil er schon vor dem Amtsantritt des US-Präsidenten mit russischen Beamten über eine Aufhebung der Sanktionen gegen das Land sprach.

Am Dienstag stellte sich heraus: Donald Trump zwang Flynn zum Rücktritt. Der US-Präsident bemühte zuletzt einen härteren Kurs gegen Russland - so forderte er etwa die Rückgabe der besetzten Krim an die Ukraine.

Nun aber steht eine ganze Reihe der Vertrauten und Mitarbeiter Trumps in einem ähnlichen Verdacht wie sein abtrünniger Berater Flynn. Einige von ihnen, so schreibt es die "New York Times", pflegten in der Vergangenheit Geschäftsbeziehungen nach Russland.

Stellt sich bei den laufenden Untersuchungen der US-Sicherheitsbehörden heraus, dass auch diese Personen unlautere Politikabsprachen mit russischen Offiziellen vereinbarten, droht Trumps Team der Zerfall. Der Imageschaden für den US-Präsidenten ist bereits jetzt groß.

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