POLITIK
14/02/2017 07:10 CET | Aktualisiert 14/02/2017 09:11 CET

Russisch Roulette: Wieso ein Bündnis zwischen Trump und Putin nur Russland hilft

Getty / Reuters
Trumps Desasterplan: Der US-Präsident umgarnt Putin – doch der wird ihn über den Tisch ziehen

  • Donald Trump will die Beziehungen mit Russland verbessern

  • Darauf deutet auch die jüngste Verfehlung von Trumps Sicherheitsberater Flynn hin

  • Der Deal mit Putin ist aber zum Scheitern verurteilt

Wie nah sind sich Trump und Putin?

Nach der Affäre um Trumps zurückgetretenen Sicherheitsberater Michael Flynn lautet die Antwort: Sehr viel näher, als es vielen Staatschefs im Westen lieb sein kann.

Flynn hatte dem russischen Botschafter in Washington während des Wahlkampfes versprochen, die Sanktionen gegen Moskau im Fall eines Wahlsieges von Trump aufzuheben.

Der Fall Flynn wirft erneut ein Schlaglicht darauf, wie der US-Präsident versucht, den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu umgarnen. Trump, so viel scheint mittlerweile klar, verfolgt einen riskanten Masterplan mit Putin, dessen Anfang eine Lockerung der Sanktionen darstellen könnte.

Das renommierte britische Wirtschaftsmagazin "Economist“ widmete der neu aufflammenden Liebesbeziehung zwischen Washington und Moskau jetzt eine vielsagende Titelseite. Das Cover zeigt Trump mit rosafarbenem Lippenstift und Putin, dem Trump zuvor offenbar einen Kuss auf die Wange gedrückt hatte.

Die These der Briten: Trump biedert sich beim russischen Präsidenten an, versucht mit aller Kraft, einen selbstmörderischen Deal mit Russland zu erzielen.

Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten zum neuen Verhältnis von Trump und Putin:

1. Was verspricht sich Trump von einem Deal mit Putin?

Trump verspricht sich von Russland eine Partnerschaft im Kampf gegen den Terror. Schon im Wahlkampf lobte er Putin immer wieder als "sehr schlau“ und pries seine Stärke und Entschlossenheit im Kampf gegen radikale Islamisten.

In seiner Amtsantrittsrede versprach Trump den US-Amerikanern, den islamistischen Terrorismus zu besiegen: Ein ambitioniertes – um nicht zu sagen utopisches – Ziel, das kaum zu erreichen sein wird, schon gar nicht ohne einen starken Partner.

Eine weitere Hoffnung der US-Regierung: Putin könnte in Folge der verbesserten Beziehungen zu Washington Abstand vom Iran nehmen. Der Iran ist einer der Schlüsselpartner des Kremls auf dem internationalen Parkett – und ein Erzfeind der USA.

Trumps Regierung, die im Nahen Osten vor allem mit Bahrain, Kuwait, Saudi-Arabien, Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten zusammenarbeitet, will die Islamische Republik Iran in der Region isolieren.

Lockerungen der Sanktionen im Zuge des Atomabkommens und das Eingreifen in die Kriege in Syrien und dem Irak hatten den Einfluss des schiitischen Staates im Nahen Osten zuletzt massiv wachsen lassen – und konservative Amerikaner in Alarmbereitschaft versetzt.

"Der schlechteste Deal, der je verhandelt wurde“, schimpfte Trump über das Nuklearabkommen mit dem Iran, das auf seinen Amtsvorgänger Barack Obama zurückgeht.

2. Würde Trump einen Deal mit Russland machen, obwohl er damit die Nato schwächt?

Ja - darauf deuten Äußerungen von Trump in der Vergangenheit hin.

Für Trump, der in Vergangenheit bewies, mit dem Ukrainekonflikt nicht in Details vertraut zu sein, ist der Schutz der osteuropäischen Nato-Partner vor russischen Expansionsbemühungen wohl eher sekundärer Natur.

3. China - der Elefant im Raum

Von einem Deal mit Putin erhofft sich Trump noch einen weiteren Vorteil: Ein Bollwerk gegen den wachsenden Einfluss Chinas auf der Weltbühne.

China, von Trump in Reden immer wieder zum Superschurken des 21. Jahrhunderts stilisiert, stellt die US-Regierung im südchinesischen Meer vor schwierige Entscheidungen. Trumps Chefstratege Steve Bannon glaubt gar, die USA müssten in den nächsten fünf bis zehn Jahren mit China im Konflikt um die strategisch wichtigen Inseln in den Krieg ziehen.

Mehr zum Thema: Trumps Chefstratege Bannon glaubt: Die Apokalypse kommt und ein Krieg ist unausweichlich

Russland unterhält ein ambivalentes Verhältnis mit China, die lange gemeinsame Grenze der beiden Länder, macht das Land zum idealen Partner der USA im Kampf gegen den wachsenden Einfluss Pekings, glaubt Trump.

4. Darum könnte sich Trump bei Putin verzocken...

Zunächst einmal klingt ein Deal mit Putin also nach einer Win-Win-Situation für Washington.

Das Problem: Der russische Präsident hat sich bislang nicht in die Karten schauen lassen. Dass er sich so einfach zu einer Spielfigur Donald Trumps machen lässt, ist kaum wahrscheinlich.

Schon Trumps Amtsvorgänger George W. Bush und Barack Obama scheiterten bei dem Versuch, Putins Russland diplomatisch auszumanövrieren. Obwohl die einstige Weltmacht weiter an ökonomischer Stärke einbüßt und militärisch verwundbar ist, ist es Putin in den letzten Jahren gelungen, den geopolitischen Einfluss seines Landes weiter auszubauen.

In Syrien gewinnt Baschar Al-Assad unter russischer Unterstützung Stück für Stück die Kontrolle über das Land zurück, in der Ukraine düpierte Putin den Westen mit der Annektion der Krim und seinem halsbrecherischen Einsatz in der Ostukraine, auf den weder Europa noch die USA eine Antwort fanden.

Wieso sollte das gerade dem diplomatischen Grünschnabel Donald Trump gelingen?

5. Und es gibt noch weitere große Hindernisse...

Ein gemeinsamer Kampf mit Russland gegen den Terror käme zum Preis einer permanenten Stationierung russischer Truppen im Nahen Osten. Er käme auf Kosten der syrischen Rebellen, die im Kampf gegen Assad ihren mächtigsten Verbündeten verlieren würden. Und er käme auf Kosten Israels. Denn dass Putin sich für Trump vom Iran entfernt, ist wohl nichts weiter als eine gefährliche Utopie.

Der "Economist“ argumentiert zudem: "Amerikanische und russische Soldaten können nicht einfach Seite an Seite arbeiten. Ihre Systeme funktionieren nicht zusammen. Damit sie das tun, müsste das Pentagon militärische Geheimnisse preisgeben, für deren Bewahrung es ein Vermögen ausgibt.“ Genau das ist wohl im Interesse des Kremls.

Auch Trumps Idee zusammen mit Russland China in die Schranken zu weisen, ist zum Scheitern verurteilt.

Nach den Niederlanden ist China der größte Abnehmer russischer Exporte, Russland importiert die meisten Güter aus China. Die wirtschaftlichen Beziehungen zur USA liegen derweil auf Eis. Putin weiß um die Wichtigkeit Chinas als Handelspartner und die militärische Stärke des Nachbarn, dessen Groll er nicht leichtfertig riskieren wird.

Stoppt Trump die Sanktionen gegen Moskau, wird Putin das Angebot dankend annehmen.

Allzu viel Entgegenkommen, sollte der US-Präsident im Gegenzug nicht erwarten.

(ben)