WIRTSCHAFT
14/02/2017 20:52 CET | Aktualisiert 15/02/2017 02:24 CET

Peugeot will Opel kaufen - keine gute Idee, sagt die deutsche Presse

Für die Opel-Mitarbeiter wäre eine Übernahmen eine schlechte Nachricht
Fabrizio Bensch / Reuters
Für die Opel-Mitarbeiter wäre eine Übernahmen eine schlechte Nachricht

  • Die deutsche Presse hält wenig von einer Übernahme Opels durch Peugeot

  • Die Autobauer seien sich in Produkt und Struktur zu ähnlich, um sich zu ergänzen

Schocknachricht für die 38.200 Opel-Mitarbeiter in Europa: Der Autobauer Opel steht möglicherweise vor einer Übernahme durch den französischen Konkurrenten PSA Peugeot-Citroën. Die Angestellten wissen: Übernahmen bedeuten in der Regel Stellenabbau und Einsparungen.

Betriebsrat, IG Metall sowie Landes- und Bundesregierung wurden nicht über die Pläne informiert. Bei PSA Peugeot Citroën fuhr Konzernchef Carlos Tavares in den vergangenen Jahren einen harten Sanierungskurs - unter anderem mit Werkschließungen und Jobabbau.

Die deutsche Presse glaubt nicht an den Erfolg eines solchen Zusammenschlusses.

"Der Tagesspiegel" ist der Ansicht, dass Peugeot für Opel nicht schlechter sein muss als GM, da die Amerikaner nicht viel mit Rüsselsheimern anzufangen wussten.

Die Berliner Zeitung rätselt aber über das Konzept hinter der Übernahme: "Aber was hat GM vor? America first? Ohne Opel und Vauxhall wäre der weltweit drittgrößte Autobauer auf dem europäischen Markt kaum noch präsent. Vielleicht ist der Deal der Beginn einer Konsolidierungswelle: Viele Hersteller und Zulieferer können anstehende Aufgaben nicht allein bewältigen und suchen sich Partner - oder ziehen sich aus Märkten zurück."

"Aus zwei Lahmen wird kein Gesunder"

Die "Süddeutsche Zeitung" sieht vor allem Probleme. Die begännen schon damit, dass "eine wesentliche Voraussetzung für erfolgreiche Zusammenschlüsse nicht gegeben ist: dass man sich in der Produktpalette oder in den Weltregionen, in denen man jeweils aktiv ist, ergänzt."

Peugeot-Citroën und Opel würden nach Ansicht der "Süddeutschen" im gleichen Kundensegment um Käufer buhlen und wären somit Konkurrenten. Zudem wären sie auf dem amerikanischen Markt praktisch nicht präsent.

"Peugeot hat auch schon ohne Opel Probleme genug. Und Opel kommt partout nicht aus den roten Zahlen. Aus zwei Lahmen wird kein Gesunder, sagte am Dienstag ein Analyst; nicht jedes Bild, das schief ist, ist falsch."

Ein ähnliches Bild wählt die "Die Welt". Nach Ansicht der Tageszeitung ergänzen sich Opel und Peugeot perfekt. "Peugeot und Citroen und Opel passen nämlich gut zusammen, viel zu gut. Beide Autobauer haben dieselben Probleme: zu viele Mitarbeiter und Fabriken. Zu wenig hochwertige Oberklassemodelle, die satte Gewinne einfahren. Und eine fatale Schwäche im Geschäft außerhalb Europas."

"Für die Beschäftigten beginnen nun bittere Zeiten"

Trotzdem sei der Zusammenschluss sinnvoll: "Das Einzige, was PSA und Opel könnten, wäre, sich gegenseitig zu stützen. Und hoffen, dass man über gewonnene Größe, die im Automobilbau nicht unwichtig ist, irgendwie gesundet. Den GM-Managern wird egal sein, ob diese Rechnung aufgeht, Hauptsache, die Verlustmaschine ist vom Hof. Und PSA geht ein übersichtliches Risiko ein. Im schlimmsten Fall wird der Zukauf wieder abgestoßen. Der große Verlierer eines Deals von GM und PSA wäre Opel."

Ähnlich sieht es der "Kölner Stadt-Anzeiger". Bei Opel sei vieles schiefgelaufen. Der Autobauer sei zu einem Kleinwagenhersteller degeneriert, der seine Autos nur noch mit hohen Rabatten verkaufen kann. "Das Fatale ist, dass Peugeot ähnliche Probleme hat. Zweifel sind angebracht, ob es künftig unter französischer Ägide besser werden kann - zumal die Autokonjunktur gerade ihren Schwung verliert."

Für die Kölner ist eines klar: "Für die Beschäftigten bei beiden Unternehmen beginnen nun richtig bittere Zeiten".

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(sk)