POLITIK
14/02/2017 12:05 CET

Literaturnobelpreisträger ruhig gestellt: Wie türkische Medien Erdogans Präsidialsystem unterstützen

Literaturnobelpreisträger ruhig gestellt: Wie türkische Medien Erdogans Präsidialsystem unterstützen
Osman Orsal / Reuters
Literaturnobelpreisträger ruhig gestellt: Wie türkische Medien Erdogans Präsidialsystem unterstützen

  • Der türkische Autor Orhan Pamuk hat in einem Interview Erdogans Präsidialsystem kritisiert

  • Die türkische Zeitung "Hüriyet" entschied sich, das Interview nicht zu veröffentlichen

  • Der Fall zeigt, wie türkische Medien das Machtstreben des Präsidenten unterstützen

Im April will der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Türken in ein Referendum über sein Präsidialsystem abstimmen lassen. Dass es dann zu freien Wahlen kommt, wird jedoch immer unwahrscheinlicher. Denn Erdogan versucht vehement, kritische Stimmen im Vorfeld der Abstimmung zu unterdrücken.

Wie weit sein Einfluss reicht, zeigt jetzt der Fall des türkischen Literaturnobelpreisträgers Orhan Pamuk. Der sprach sich in einem Interview mit der größten türkischen Tageszeitung "Hürriyet“ für ein "Nein“ im Referendum aus.

Doch das Interview, eigentlich für eine Veröffentlichung am Montag eingeplant, erschien nie. Das berichten unter anderem die Nachrichtenseiten "T24“ und "Cumhuriyet“.

Autor Orhan Pamuk bestätigte indes, dass die Berichte "leider wahr“ seien. "Ich habe gesagt ich würde für 'Nein’ stimmen und meine Gründe für die Entscheidung erklärt. Das Interview wurde am Ende nicht veröffentlicht“, sagte Pamuk laut der englischsprachigen Nachrichtenseite "Turkish Minute“.

Die "Hüriyet“ gehört der Dogan Media Group. Das Unternehmen steht in der Kritik, sich zum Propagandaorgan der Regierung zu machen. Kürzlich entließ der Publisher den TV-Moderator İrfan Değirmenc, nachdem er sich gegen Erdogans Präsidialsystem ausgesprochen hatte und die autoritäre Regierung des Präsidenten kritisiert hatte.

(ks)