POLITIK
14/02/2017 14:56 CET | Aktualisiert 14/02/2017 16:11 CET

Die Wellenbrecherin: Wie Kellyanne Conway für US-Präsident Trump jede Presseschlacht gewinnt

NBC Screenshot
Die Wellenbrecherin: Wie Kellyanne Conway für US-Präsident Trump jede Presseschlacht gewinnt

  • Trump-Beraterin Conway tritt dann vor die Presse, wenn es brenzlich wird

  • Schon während des Wahlkampfes wurde die ehemalige Meinungsforscherin zum Gesicht der Kampagne

  • Mit einer dreisten Strategie hält sie Trump unangenehme Fragen vom Hals

In Washington zieht ein Sturm auf. Noch keine vier Wochen im Amt, muss Donald Trump einen ersten herben Schlag hinnehmen. Sein Nationaler Sicherheitsberater Michael Flynn kommt seinem Rauswurf zuvor.

Gestürzt ist er über dubiose Telefonate mit dem russischen Botschafter. Sein Fall bringt aber auch Trump und seinen Vizepräsident Mike Pence in Erklärungsnot. Denn mutmaßlich wussten beide schon seit Wochen von den Verfehlungen des Ex-Generals.

Es wird also ungemütlich für den US-Präsidenten. Und damit auch für Kellyanne Conway. Sie ist Trumps Wellenbrecherin, die er dann vorschickt, wenn die Wogen der Empörung im Weißen Haus bis an die Decke schlagen.

Schon im Dezember erklärte die "New York Times“ Conway – offizieller Titel: "Beraterin des Präsidenten“ – zur mächtigsten Frau in Washington. Als Wahlkampfmanagerin des Republikaners erarbeitete sie sich bei Trump ein Vertrauen, von dem sein offizieller Pressesprecher Sean Spicer meilenweit entfernt ist. Medien in den USA, von der linksliberalen "New York Times" bis "Breitbart“ ganz rechtsaußen, nennen die ehemalige Meinungsforscherin nur "die Trump-Flüsterin“.

1. Was macht Conway so wichtig für Trump?

Trump soll schon lange vor seiner Präsidentschaftskampagne immer wieder Rat bei Conway gesucht haben. Die lernte er im Jahr 2006 kennen, als Conway in einem seiner Gebäude lebte.

Die Krisen-Managerin verkörpert genau das, was den US-Präsidenten so stark gemacht hatte. Von Reportern konfrontiert, antwortet sie in aggressiv nach vorne gerichteten Kurzsätzen, grätscht dazwischen, wenn ihr etwas nicht passt und schert sich wenig um die Fakten, die man ihr vorhält.

Die Flügelworte von "alternativen Fakten“ und "Fake News“ gehören zum Standardrepertoire der blonden Trump-Beraterin.

"Sie ist da um zu MSNBC oder Fox zu gehen. Das ist irgendwie ihr Job. Sie glauben, sie sei gut vor der Kamera und sie haben sie gerne als Gesicht der Kampagne“, sagte ein Insider während des Wahlkampfes der US-Website "Buzzfeed“.

2. Welche Rolle wird sie in der Krise einnehmen?

Jetzt ist Conway auf dem besten Weg, vom Gesicht der Kampagne zum Gesicht des Weißen Hauses zu werden.

Und irgendwie auch das Gesicht der Krise. Denn schon nachdem Trump mit einer Bemerkung über die Kaufhauskette Nordstrom bei Twitter für Empörung gesorgt hatte, schickte der Republikaner Conway vor.

Trump hatte sich aufgeregt, dass Nordstrom die Modekollektion seiner Tochter Ivanka aus dem Sortiment genommen hatte. Ein weiteres Indiz für den Interessenkonflikt des Präsidenten, der im Amt immer noch als Geschäftsmann auftritt, argumentierten Kritiker.

Conway sollte schlichten – und sorgte für noch größere Empörung. Sie warb in einer Liveschalte aus dem Weißen Haus offensiv für die Modekollektion. "Kauft Ivankas Zeug!“, sagte Conway im Interview mit dem US-Sender "Fox News“.

Miserables Krisenmanagement, würde man sagen – in normalen Zeiten. Im Februar 2017 muss man sagen: Der wohl perfekte Konter.

Alsdann sprachen in den USA alle nur noch über die blonde Feuerlöscherin, die sich im Fernsehen dreist in den Vordergrund geplappert hatte, Trump konnte einen weiteren Mini-Skandal abwenden. Die Gratis-Werbung für das Familienunternehmen gab es obendrauf.

Auch in der Flynn-Krise setzt Trump jetzt offenbar auf Conways Ausredekunst.

3. Wie schlägt sich Conway im aufziehenden Sturm?

Am Dienstag grillten die Medien Conway wie einen Marshmallow.

Nachdem sie den Medien am Tag zuvor versichert hatte, Trump habe "großes Vertrauen“ zu Flynn, musste sie sich jetzt zu seinem Rücktritt äußern.

Schlimmer noch: Sie musste erklären, wieso die US-Regierung erst jetzt gehandelt habe, obwohl das Justizministerium das Weiße Haus schon lange über die Verfehlungen Flynns aufgeklärt hatte.

Und Conway machte erneut keine gute Figur.

Die Unehrlichkeit Flynns gegenüber dem Vize-Präsidenten sei der "Schlüssel“ für den Rücktritt gewesen, erklärte die Trump-Beraterin. NBC-Reporter Matt Lauer hakte nach. Bereits im letzten Monat habe das Weiße Haus davon gewusst, stellte er mehrmals klar.

Conway druckste rum und erklärte abschließend: "Matt, ich sage dir, was der Präsident gesagt hat. Er akzeptiert General Flynns Rücktritt und wünscht ihm alles Beste. Jetzt gucken wir nach vorne.“

Es gebe es mehrere neue Kandidaten für die vakante Position. "Drei sehr starke Kandidaten“, erklärte Conway in trumpesker Manier – und würgte damit alle weiteren Nachfragen ab.

4. Was macht die Trump-Flüsterin trotz allem so erfolgreich?

Das US-Magazin "Vox“ hat die Interviewstrategie der Krisenmanagerin in einem Video analysiert. So gelinge es Conway immer wieder von den eigentlichen Interviewfragen abzulenken. Auch im Falle Flynn drückte sie sich minutenlang vor einer Antwort auf die eigentliche Frage.

"Bei jeder Frage sucht sie nach einem Schlupfloch, um das Gespräch in eine andere Richtung zu treiben", analysiert Rhetorik-Coach Seth Gannon. "Sie wartet auf Begriffe, wo sie andocken und auf Offensive umschalten kann.“

So gelang es der Trump-Sprecherin in Vergangenheit etwa immer wieder, von falschen Statements Donald Trump zur aus ihrer Sicht "fehlerhaften“ und "unfairen“ Berichterstattung der Medien zu springen.

Der Rhetorik-Trainer glaubt: Es ist unmöglich mit Conway ein erfolgreiches Interview nach gängigen Konventionen zu führen.

Für den Anti-Establishment-Präsidenten ist das wohl die wertvollste Eigenschaft.

(mf)