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12/02/2017 14:24 CET | Aktualisiert 12/02/2017 15:02 CET

Medien sehen große Schwachstelle bei Steinmeier – sie könnte aber noch zur Stärke werden

Hannibal Hanschke / Reuters
Die Presse ist sich einig, dass Steinmeier als Bundespräsident vor großen Herausforderungen steht

  • Die Presse ist sich einig, dass Steinmeier als Bundespräsident vor großen Herausforderungen steht

  • Die meisten Kommentatoren sind sich sicher, dass er sie bewältigen wird

  • Einige Medien werfen ihm jedoch ein langweiliges Auftreten vor

  • Dieses könne in Zeiten der Polarisierung aber zur Tugend werden

Seit Sonntag steht endgültig fest: Frank-Walter Steinmeier (SPD) wird der nächste Bundespräsident. Mit großer Mehrheit wählte ihn die Bundesversammlung zum Nachfolger von Joachim Gauck.

Die Presse äußert sich überwiegend positiv über den SPD-Politiker. In einem sind sich alle Kommentatoren einig: Steinmeier stehen große Herausforderungen bevor. Einige beschleicht Zweifel, ob der SPD-Politker angesichts seiner rhetorischen Fähigkeit dieser Aufgabe gewachsen ist.

"Er hat das Rüstzeug dazu"

"Die Demokratie muss sich heftiger Angriffe erwehren, Populisten säen Zweifel an rechtsstaatlichen Institutionen, Teile der Gesellschaft wenden sich vom Staat ab", heißt es etwa bei der Tageszeitung "Handelsblatt". "Der Verteidige unserer offenen Gesellschaft", so betitelt das Blatt Steinmeier, werde sich der Gefahr aussetzen müssen, mit einer klaren Haltung an Beliebtheit zu verlieren. Aber das sei die Sache wert.

Die "Neue Osnabrücker Zeitung" weist ebenfalls in einem Kommentar auf die großen Herausforderungen für Steinmeier hin. Auch hier ist man sich aber sicher: Steinmeier wird sie bewältigen. "Das Rüstzeug, die Erfahrung und die menschlichen Qualitäten dazu hat er sich in seiner bisherigen politischen Karriere angeeignet. Nicht ohne Grund hat er sich in den letzten Jahren hohes Ansehen als Außenminister und Politiker erarbeitet."

Mehr zum Thema: SPD-Politiker und Merkel gratulieren Steinmeier - Grüne und Linke geben ihm eine Aufgabe mit

"Nicht sexy, aber glaubwürdig"

Das größte Lob vergibt ein Kommentar die Tageszeitung "Rheinische Post" an den neuen Bundespräsidenten. Mit seinem weißen Haarschopf erinnere der 61-Jährige an die Figur des Gandalf aus der Fantasy-Triologie "Der Herr der Ringe":

"Wie der weise, geduldige Zauberer ist auch der Sozialdemokrat Steinmeier eine Integrationsfigur. Nur nicht in Mittelerde, sondern in der Berliner Republik. Ein guter Populist. Auf Steinmeier können sich alle einigen."

Zwar wird auf die Schwachstellen Steinmeiers hingewiesen, etwa seine drögen Rednerqualitäten. Allerdings verfüge er über etwas, das wichtiger als Glamour sei: Glaubwürdigkeit. "Das ist nicht sexy, aber es ist das, was jetzt gebraucht wird."

Auch die "Süddeutsche" relativiert hier: "Das Attribut "langweilig", das man Steinmeier gern verpasst, wird derzeit nicht so negativ an ihm kleben, wie es vor ein paar Jahren an ihm geklebt hätte. Es gibt Zeiten, in denen Langeweile gar eine Tugend ist - dann nämlich, wenn die Politik den Dingen lange Weile gönnen muss, statt eine kurzatmige, kurzentschlossene und polternde Politik des kurzen Prozesses zu betreiben."

Steinmeier wird sich steigern müssen

Etwas skeptischer äußert sich ein Kommentar der Wochenzeitung "Zeit". Weil auch er zu den Architekten der Agenda 2010 gehöre, werde die Wut der Menschen und die Angst vor dem sozialen Abstieg auf Steinmeier zurückfallen. Außerdem müsse er Antworten auf die großen gesellschaftlichen Fragen finden, wie beispielsweise beim Umgang mit Flüchtlingen oder mit dem Islam.

"Er hat angekündigt, dass er gegen die Ressentiments von Fremdenfeinden kämpfen will und dass er die Sorgen verunsicherter Bürger ernst nehme. Aber da wird er noch deutlich mehr liefern müssen", glaubt der Kommentator.

Ähnliche Zweifel über Steinmeier konstatiert ein Kommentar des Auslandsrundfunks Deutsche Welle (DW). "Lasst uns mutig sein", hatte der SPD-Politiker der Bundesversammlung und den Menschen im Land zugerufen. Als Mutmacher müsse er sich aber - vor allem auch rhetorisch - steigern.

"Aber als Mutmacher sollte Steinmeier bitte seine Worte weniger diplomatisch und weniger trocken, sondern - ja - mutiger wählen, als er das zu seiner Zeit als Deutschlands Chefdiplomat tat", heißt es bei der DW.

Um in die Fußstapfen seines Vorgänger Joachim Gauck zu treten, müsse Steinmeier kräftig zulegen. Der Kommentator wünsche ihm aber den Mut dazu.

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(lp)