POLITIK
12/02/2017 12:29 CET

SPD-Politikerin Kraft: "Die Merkel-Raute wird der Union im Wahlkampf nicht reichen"

Hannibal Hanschke / Reuters
Kanzlerin Angela Merkel und ihre Raute. "Nicht genug", glaubt Hannelore Kraft.

  • SPD-Politikerin Kraft sagt: "Die Merkel-Raute wird im Wahlkampf nicht ausreichen"

  • Es ist ein scharfer Angriff gegen die Union, die in Vergangenheit mit der berühmten Geste geworben hatte

Sie ist Angela Merkels Markenzeichen. Ihr Erkennungsmerkmal. Und jetzt? Könnte sie zum Symbol für Merkels größtes Problem werden. Die Merkel-Raute.

Hannelore Kraft, die Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalens, hat in der "Welt am Sonntag" über den Wahlkampf gesprochen, über die neu erwachte Konkurrenz zwischen Union und SPD.

Und, das muss man ihr lassen, sie hat da überaus geschickt gegen die CDU-Chefin ausgeteilt. Sie sagte: "Vor der letzten Wahl hat Frau Merkel ihre Raute plakatieren lassen und gesagt: Sie kennen mich. Das wird 2017 nicht ausreichen."

Wahlkampf mit der Raute

So gelingt es Kraft, Merkels Markenzeichen negativ zu belegen.

Das ist besonders ungünstig für Merkel, weil jeder das Bild ihrer Raute kennt. Bilder wirken emotional, lange und stark. Auch auf Twitter geistert das Bild dieser Tage wieder herum.

Tatsächlich ist die Geste ein wenig merkwürdig als Symbol für eine Frau, die als eine der mächtigsten der Welt gilt. Die eine der größten Wirtschaftsnationen der Welt lenken soll. Denn die Raute ist statisch, undynamisch. Merkel formt sie, wenn sie zuhört.

Merkel hat lange davon profitiert, dass sie weniger für ein Programm als für sich stand. Das hat ihr inhaltlichen Spielraum gegeben. Hat neben dem Mangel an Führungspersonal in der CDU dazu beigetragen, dass Merkel so lange regieren konnte.

Kraft: "Nun ist es Zeit für das Original"

Kraft allerdings stellt diese Flexibilität als Inkonsequenz dar. "Mit der FDP hat Frau Merkel neoliberal regiert", sagte sie der Zeitung. "Seit 2013, mit uns, setzt sie zwangsweise ein eher sozialdemokratisches Programm um. Deshalb ist sie noch lange keine Sozialdemokratin. Nun ist es Zeit für das Original."

Bis dahin mag man Kraft noch Recht geben. Allerdings sagt sie dann, Schulz "begründet seine Kandidatur inhaltlich, anders als es Frau Merkel bei ihrer Selbsternennung getan hat."

Aber: Tatsächlich hat Schulz den Unmut vieler Kritiker erregt, gerade weil er auch kein Konzept hat. Zumindest noch nicht.

Damit stehen also beide Spitzenkandidaten thematisch nicht eben stark da. Und Merkel hat wenigstens schon ein Markenzeichen, das sie mit Inhalt füllen kann.

(lp)