POLITIK
12/02/2017 23:50 CET | Aktualisiert 13/02/2017 02:41 CET

Scheuer wirft Gysi fehlenden Respekt vor dem Präsidenten vor - dessen Reaktion entwaffnet ihn völlig

Bei "Anne Will" ging es am Sonntagabend um die Wahl Frank-Walter Steinmeiers zum Bundespräsidenten
ARD Mediathek
Bei "Anne Will" ging es am Sonntagabend um die Wahl Frank-Walter Steinmeiers zum Bundespräsidenten

Deutschland hat einen neuen Bundespräsidenten. Doch in der Runde der Talkmasterin "Anne Will" ("Bundespräsident Steinmeier - Der richtige Mann in rauen Zeiten?") wollte keine rechte Begeisterung aufkommen.

"Ich weiß nicht, ob er der Beste ist", befand der Linke Gregor Gysi. "Jetzt kann er zeigen, ob er ein überparteilicher Präsident ist", sagte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer. Shermin Langhoff, die Intendantin des Berliner Maxim Gorki-Theaters und Wahlfrau der Grünen, fand es schade, dass sie "keine Frau wählen konnte“. Und der "Welt“-Journalist Ulf Poschardt kritisierte, er habe "ein rhetorisches Problem mit ihm".

Nur eine konnte sich für Steinmeier begeistern: Hannelore Kraft, die SPD-Ministerpräsidentin von NRW. "In diesen Zeiten ist es gut, dass jemand in diesem Amt politische Erfahrung mitbringt“, sagt sie.

"Da sind alle aufgestanden - außer der AfD"

CSU-Mann Scheuer, ganz im Wahlkampf-Modus, grantelte gegen die Linke. Er verwickelte Gysi in eine Debatte darüber, wer dem alten Präsidenten am wenigsten Beifall gespendet habe.

Beim Applaus für den scheidenden Präsidenten Joachim Gauck sei die Linke sitzengeblieben - "zusammen mit der AfD." Gysi ließ sich davon nicht irritieren. Die Linke habe sehr wohl Beifall gespendet, aber Aufstehen wäre "ein Deut zu viel" gewesen. "So viel Begeisterung habe ich bei ihnen nicht gesehen - das wäre Anstand gewesen", warf ihm Scheuer vor.

Gysi ging geschickt zum Gegenangriff über. Als Norbert Lammert, der Präsident des Bundestages, zu einer weltoffenen Gesellschaft aufgefordert habe, sei die Linke sofort aufgesprungen. "Da sind alle aufgestanden - außer der AfD." Nur Horst Seehofer habe sich schwer getan - "aber nach einer Weile ist er auch aufgestanden." Touché! Bei dieser geschickten Retourkutsche musste sogar der chronisch schlecht gelaunte Scheuer lächeln.

Das Problem Steinmeiers ist für Gysi, dass er aus der bekannten und zunehmend verhassten Kaste der Berufspolitiker stammt. "Dass wir uns darauf reduzieren, das ist mein Problem", sagte er. "Wir können nicht immer nur in unserer Soße schwimmen.“ Denn was derzeit unter Trump in den USA passiert, "kommt bei uns zwei Jahre später an“.

Überall wo er hinkomme, wachse das Misstrauen, sagte er. "Dann können wir eine böse Rechnung bekommen" Er schlug vor, vielleicht einen Künstler oder einen Journalisten zum Präsidenten zu machen - oder, mit einem Seitenhieb auf Joachim Gauck, "vielleicht einen Pfarrer, aber einen anderen".

Er wünsche sich von Steinmeier, "dass er den Politikern der nächstunteren Ebene jeden Monat eine kleine Backpfeife verpasst, mir auch, was wir machen sollen, und was nicht.“

"Mal andere Quellen von Weisheit, Sprache und Denken finden"

Auch "Welt"-Chef Poschardt wünschte sich zur Abwechslung einen Präsidenten, der nicht Berufspolitiker ist: "Man sollte trotzdem mal überlegen, dass man auch mal andere Quellen von Weisheit, Sprache und Denken findet, als in der Politik."

Poschardt legte den Finger in die tiefe Wunde der Union. Er sah in der Wahl Steinmeiers eine "Niederlage für die Union". Dass die Unionsparteien im Vorfeld trotz langer Gespräche keinen eigenen Kandidaten finden konnten, nannte der Journalist eine "Blamage". Der SPD und Sigmar Gabriel sei mit der Nominierung Steinmeiers ein Coup gelungen.

Die Union hätte Lammert überreden müssen. CSU-Generalsekretär Scheuer nannte es "Quatsch", von einer Krise der Union zu sprechen. Die Aufstellung Steinmeiers als gemeinsamen Kandidaten der Koalition aus SPD und Union sei auch kein "Geschachere, so wie Sie das jetzt sagen". Man habe das beste Signal an die Republik senden wollen und das sei, dass man "sich einigen kann".

Die Union haben "heute vor allem einen erfahrenen Politiker, eine Person und keinen Sozialdemokraten gewählt". Das überzeugte wenige.

Auch auf HuffPost:

Diese 9 Dinge kann jeder Deutsche tun, um Donald Trump zu stoppen

(jg)