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11/02/2017 08:13 CET | Aktualisiert 11/02/2017 08:36 CET

"... Ich ... äh": So zerlegt der "Spiegel" Seehofers freudlose Versöhnungsrede

Das Magazin "Spiegel" stellt CSU-Chef Seehofer für dessen stotternde Versöhnungsrede bloß
Bloomberg via Getty Images
Das Magazin "Spiegel" stellt CSU-Chef Seehofer für dessen stotternde Versöhnungsrede bloß

  • Das Magazin "Spiegel" stellt CSU-Chef Seehofer für dessen Gestotter in der Versöhnungsrede bloß

  • Am Montag hatte Seehofer die Nominierung Angela Merkels als Kanzlerkandidatin seiner Partei verkündet

Es hätte die große Versöhnung werden sollen. Tatsächlich wurde es das große Gestotter.

Am Montag haben der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verkündet, gemeinsam in den Wahlkampf zu ziehen. Seehofer erklärte, dass sich auch seine Partei hinter Merkel als Kanzlerkandidatin stelle.

Nach Monaten der Gekeifes von München nach Berlin fanden viele Beobachter die inszenierte Versöhnung jedoch unglaubwürdig. Ganz wesentlich für diesen Eindruck: die Rhetorik Seehofers.

"... äh, ... ich ... äh"

Das Magazin"Der Spiegel" stellt Seehofer in der Titelgeschichte seiner aktuellen Ausgabe bloß. Indem es die Rede im Wortlaut abdruckt.

"Ich ... äh ... darf als Parteivorsitzender der CSU Ihnen ... äh ... mitteilen, dass ... äh ... ich ... äh, äh ... mit Zustimmung meines Parteivorstandes und heute auch mit Zustimmung meines Präsidiums ... äh ... der Bundeskanzlerin Angela Merkel die Unterstützung ... äh, äh ... der CSU für den anstehenden Bundestagswahlkampf für ihre Kandidatur als Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland erklärt habe, mit ... äh, äh ... erkennbarer ... äh, ... anhaltender Zustimmung ...äh ... beider ... äh ... Präsidien.“

Ganz schön fies.

Aber treffender lässt sich wohl nicht belegen, dass Seehofers Äußerungen jede Dynamik und Begeisterung für den gemeinsamen Wahlkampf vermissen ließen. "Es war die freudloseste Ouvertüre eines Wahlkampfes der jüngeren deutschen Geschichte", schreibt der "Spiegel". Auch die Satire-Sendung "Heute Show" im ZDF thematisierte genüsslich das Gestotter.

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Eine überzeugende Antwort?

Hinter der zur Schau gestellten Einigkeit von Seehofer und Merkel vermuteten viele Kommentatoren deutscher Medien nichts als blanke Angst - vor der SPD und ihrem Kanzlerkandidaten Martin Schulz, der die SPD aus ihrem traumatischen Umfragetief geholt hat. Faktisch liegen CDU und CSU in der Flüchtlingspolitik nämlich weiter auseinander, als Merkel und Seehofer Glauben machen wollen.

Seehofers Gestotter kann daher auch verraten: Noch ist der Graben zwischen beiden Parteien nicht geschlossen, ansonsten hätte der CSU-Chef wahrscheinlich etwas beschwingter formuliert. Seehofer und seine CSU fordern nach wie vor eine Obergrenze für neu eintreffende Flüchtlinge, Merkel ist strikt dagegen - was sie auch am Montag noch einmal unmissverständlich klargemacht hatte.

Zu einer Einigung kam es in dieser Frage nicht, beide verschoben das Thema für die Zeit nach dem Wahlkampf. So vehement wie Seehofer in den letzten Monaten die Obergrenze gefordert hatte, so wenig dürfte ihm dieser Kompromiss gefallen haben. Sagen konnte er das freilich nicht. Sonst wäre der "Friede von München" gescheitert.

In der Tradition Stoibers

Auf die Frage, ob der Streit zwischen CDU und CSU in den vergangenen Monaten nicht Verletzungen hinterlassen hätte, lachte Seehofer, wackelte mit den Schultern - um schließlich zögernd zu sagen: "Ja, wissen Sie, wir haben ... äh ... eine deutliche Veränderung der Lage."

Beobachter fühlen sich angesichts solcher rednerischer Glanzleistungen an einen der Vorgänger Seehofers erinnert, an Edmund Stoiber. Diverse Ähs und verhackstückte Sätze waren dessen Spezialität, man denke an die legendäre Rede zum Transrapid.

Seehofer setzt also nur etwas fort, was in seiner Partei Tradition hat. Und die ist ähm, schon wichtig, in der CSU.

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(sk)