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09/02/2017 06:09 CET | Aktualisiert 09/02/2017 11:00 CET

Verfassungsschützer warnt: Radikale Islamisten breiten sich in Ostdeutschland aus

  • Der Thüringer Verfassungsschützer Stephan Kramer warnt vor Islamisten in Ostdeutschland

  • Viele radikalisierte Muslime würden in den Osten ziehen, um ungestört ihren Zielen nachzugehen

  • Auch rechtsradikaler Terror sei in Deutschland eine größer werdende Gefahr

  • Die wichtigsten Infos des Textes seht ihr auch im Video oben

Islamisten ziehen gezielt in die ostdeutsche Provinz, warnt ein ranghoher Verfassungsschützer. Das berichtet die "Mitteldeutsche Zeitung".

In den ländlichen Regionen des Ostens könnten könnten radikalisierte Muslime ungestörter ihren Zielen nachgehen, sagte demnach Stephan Kramer, der Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz in Thüringen.

"Hinweise zu Terrorverdächtigen erreichen uns jeden Tag", zitiert ihn die "Mitteldeutsche Zeitung". Falsche Hinweise von richtigen zu unterscheiden, sei eine große Herausforderung - und doch müsse jedem Hinweis gewissenhaft nachgegangen werden.

Kramer nannte den Fall des in Leipzig festgenommenen Dschaber al-Bakr als Beispiel. "Wir haben ähnliche Hinweise in Thüringen. Und ich weiß von den anderen Kollegen in den ostdeutschen Ländern, dass es da ähnlich aussieht. Das ist ein flächendeckendes Problem", sagte er.

Kramer warnt auch vor Anstieg bei rechtsextremem Terror

In einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau" warten der Verfassungsschützer auch vor zunehmendem Terror durch Rechtsextreme. "Mit Gewalt politische Ziele durchzusetzen, stößt zunehmend auf Akzeptanz. Wir haben es hier – anders als beim Islamismus – mit einem existenziellen Problem zu tun“, sagte Kramer der Zeitung.

Ein Anschlag durch rechte Terror-Gruppierungen sei durchaus möglich: "Unsere Arbeitshypothese lautet, es gibt mehr rechtsterroristische Zellen und Vernetzungen, wir sehen sie nur noch nicht alle. Es ist kein Geheimnis, dass Gruppen wie Old School Society, Blood and Honour, Combat 18 oder die Turonen aktiv sind.“

Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) existiere in Thüringen zwar nicht mehr, so Kramer, aber es sei zu befürchten, „dass wir durch andere Belastungen schon wieder Entwicklungen übersehen, die in eine ähnliche Richtung wie der NSU gehen."

Mögliche Gefährder seien bei den Reichsbürgern, den Identitären und der Neuen Rechten insgesamt zu vermuten.

Zu der negativen Entwicklung in Deutschland kommt laut Kramer auch die in Europa insgesamt: "Wir stehen zwar nicht am Beginn einer Entwicklung wie 1933, aber unsere Demokratie und damit unsere offene Gesellschaft sind ernsthaft gefährdet.“

(ks)