POLITIK
09/02/2017 10:56 CET | Aktualisiert 10/02/2017 05:14 CET

Türkei rückt in Syrien auf IS-Bastion vor – jetzt droht ein gefährlicher Konflikt mit Russland

Die Türkei rückt in Syrien auf IS-Bastion vor – jetzt droht sogar ein Krieg mit Russland
Damir Sagolj / Reuters
Die Türkei rückt in Syrien auf IS-Bastion vor – jetzt droht sogar ein Krieg mit Russland

  • Von Ankara unterstützte Rebellen sind bei Al-Bab in Kämpfe mit Regierungstruppen verwickelt

  • Beobachter berichten von türkischem Artilleriebeschuss auf syrische Regierungspositionen

  • Zudem wurde bekannt: Die russische Luftwaffe hat versehentlich mehrere türkische Soldaten getötet

  • Trotz beschwichtigenden Worten Putins liegt eine Eskalation in der Luft

Die Türkei rückt in Syrien weiter auf die von der Terrormiliz IS gehaltene Stadt Al-Bab vor. Mit ihrem Einsatz in der nordsyrischen IS-Bastion riskiert die Türkei einen Zusammenstoß mit Russland. Denn auch syrische Regierungskräfte, die unter dem Schutz Wladimir Putins stehen, nehmen die Stadt von Süden aus ins Visier.

Beobachter berichten unter Berufung auf syrische FSA-Rebellen, mit denen die Türkei zusammenarbeitet, dass es bereits zu Kämpfen mit Regierungstruppen gekommen sei. Auch Videos, die angeblich die Zusammenstöße zeigen, machen die Runde.

Zudem soll die russische Luftwaffe im Norden Syrien bei einem Angriff versehentlich drei türkische Soldaten getötet haben. Präsident Wladimir Putin habe sich bereits bei seinem türkischen Amtskollegen Erdogan entschuldigt, berichten türkische Medien. Dennoch: Eine Eskalation liegt in der Luft.

Der Vorfall soll nach Angaben des türkischen Militärs nun gemeinsam von beiden Staaten untersucht werden. Bereits im November 2015 hatte der Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei zu schweren Verstimmungen zwischen den beiden Staaten geführt. Die Annäherung der vergangenen Monate steht auf wackeligem Grund.

Die Türkei ist ein Gegner von Syriens Machthaber Baschar al-Assad und unterstützt vor allem sunnitische Rebellen. Zuletzt verbesserte sich Ankaras Verhältnis zu Russland, dem wichtigsten Verbündeten Assads, stark. Die Türkei und Russland setzten den seit Ende Dezember geltenden Waffenstillstand für das Bürgerkriegsland durch, von dem der IS und andere Terrorgruppen jedoch ausgeschlossen sind.

Russland stand bisher zwischen Assad und Erdogan

In den vergangenen Tagen hieß es, es habe Absprachen zwischen der syrischen und türkischen Regierung gegeben, Al-Bab aufzuteilen – und nicht gegeneinander vorzugehen.

Syrien-Experte Charles Lister berichtet bei Twitter allerdings, im Westen Al-Babs hätte türkische Artillerie begonnen, Regierungspositionen zu beschießen.

Die Anzeichen verdichten sich, dass Erdogan es auf eine offene Konfrontation mit dem syrischen Machthaber Assad anlegt. Die Folgen könnten verheerend sein, sollte auch Russland nicht vor einer weiteren Eskalation zurückweichen.

(jg)