POLITIK
09/02/2017 23:37 CET | Aktualisiert 10/02/2017 05:15 CET

"Bild"-Chef Reichelt und SPD-Mann Platzeck gehen bei "Illner" aufeinander los

"Bild"-Chef Julian Reichelt und SPD-Politiker
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"Bild"-Chef Julian Reichelt und SPD-Politiker

  • Bei "Maybrit Illner" diskutieren die Gäste, ob Trump eine Bedrohung für die Demokratie ist

  • Eine Autorin hofft auf Trumps Amtsenthebung wegen Unzurechnungsfähigkeit

  • Richtig hitzig entwickelt sich aber eine Diskussion, die eigentlich nicht zum Thema gehört

SPD-Politiker Platzeck und der "Bild-Chef streiten bald heftig über die Rolle Putins in Syrien.

Ist Donald Trump eine Bedrohung für die Demokratie? Das war die Leitfrage, mit der sich die Talkgäste bei "Maybrit Illner" am Donnerstagabend beschäftigten.

Die Runde war überzeugt, dass das demokratische System und die Justiz der USA den Präsidenten einhegen würden. Das Gespräch driftete jedoch bald von Trump zu diversen anderen außenpolitischen Schauplätzen.

Wird Trump für geisteskrank erklärt?

Wolfgang Ischinger, Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, plagen angesichts von Trumps Politik große Sorgen. Aber: "Ich sehe überhaupt keinen Anlass für Panik, dass hier das Verfassungsgefüge ausgehebelt wird."

Die US-amerikanische Bestseller-Autorin Deborah Feldman hofft darauf, dass Trump wegen Verfehlungen schon bald des Amts enthoben wird. Dazu müsste er für "unfit" erklärt werden, also für geistig nicht zurechnungsfähig.

Das ärgert "Bild"-Chef Juliand Reichelt: "Ich möchte kein Amerika, in dem der Präsident für geisteskrank erklärt wird, damit er abgesetzt werden kann", sagte er. Er warnte vor Putschfantasien.

Die Rolle des Trump-Unterstützers übernahm Peter Rough, Experte für Fragen der nationalen Sicherheit am Hudson Institute, einer konservativen amerikanischen Denkfabrik.

Mehr zum Thema: Bei Illner ging es um Trump - doch alle starrten nur auf ihr Kinn

Josef Braml, Politikwissenschaftler und USA-Experte der deutschen Gesellschaft für auswärtige Politik, analysierte Trumps Maßnahmen und sah darin durchaus "eine Gefahr für die Freiheit".

Matthias Platzeck, ehemaliger SPD-Chef, riet trotzdem: "Abwarten." Die Deutschen sollten lieber überlegen, wie sie sich dem Populismus entgegenstellen könnten. Die "Erotik der Demokratieerlebung" sei verloren gegangen, dabei sei die Demokratie doch eine "Überlebensversicherung".

Streit über die Rolle von Putin

Zum Eklat kam es, als Reichelt und Platzeck über die Rolle von Russlands Präsident Wladimir Putin in Syrien aneinandergerieten. Illner hatte die Frage gestellt, ob sich Trump und Putin ähnlich seien.

Platzeck bezeichnete den russischen Präsidenten als "möglichen Stabilitätsfaktor". Das brachte Reichelt, der als Reporter in Syrien gearbeitet hatte, gegen ihn auf.

"Die Stabilität in Syrien wurde herbeigeführt durch die Auslöschung einer kompletten Stadt mit Hunderttausenden Menschen, die meisten Zivilisten, wie in Grosny", rief er. Er spielte auf Russlands Unterstützung für das Assad-Regime beim Kampf um Aleppo an.

"Bezahlt oder unbezahlt ..."

Er unterstellte Platzeck sogar, vielleicht für Lobbyarbeit aus Russland bezahlt zu werden: "Wenn das die Politik ist, die Sie befürworten, bezahlt oder unbezahlt ..."

Der frühere brandenburgische Ministerpräsident reagierte empört. "Das ist jetzt wirklich ein Hammer! Diese Art von Denunziation habe ich zuletzt in der DDR erlebt." Er würde eigenes Geld in die Versöhnungsarbeit mit Russland stecken.

Minutenlang redeten die beiden aufeinander ein. Reichelt hielt länger durch und behielt das letzte Wort: "Die Versöhnungsarbeit in Syrien hat mit 500-Pfund-Bomben auf Krankenhäuser stattgefunden, nicht mit Puppen."

Mit Material der dpa

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(sk)