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09/02/2017 11:53 CET

Diese eine Sache sollten sich deutsche Städte bei chinesischen Millionen-Metropolen abschauen

China ist Vorbild in Sachen E-Mobilität
DuKai photographer via Getty Images
China ist Vorbild in Sachen E-Mobilität

  • China setzt 2017 voll auf E-Mobilität

  • Die Zahl der zugelassenen E-Fahrzeuge stieg dort im vergangenen Jahr um 53 Prozent

  • Deutschland hinkt im internationalen Vergleich hinterher

Abgase und verstopfte Straßen: Chinesische Großstädte wie Peking und Shanghai leiden stark unter dem städtischen Autoverkehr. 2017 soll sich das ändern, denn wie kein anderes Land auf der Welt setzt China nun voll auf die Elektro-Mobilität.

Die Zahl der dort zugelassenen E-Fahrzeuge stieg im vergangenen Jahr um 53 Prozent auf mehr als eine Million Fahrzeuge. Das geht aus einer jüngst veröffentlichten Untersuchung des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach hervor. 336.000 davon entfielen auf Autos, den Rest machten Nutzfahrzeuge, wie Busse, aus.

Damit gingen rund 20 Prozent der weltweit produzierten E-Busse im letzten Jahr nach China, berichtet die Nachrichtenseite "Clean Technica".

"Es spricht vieles dafür, dass China mit Abstand der Leitmarkt für E-Mobilität bleiben wird", hieß es in der Studie des CAM. Insbesondere die Einführung eines Quotensystems für die Hersteller, das derzeit im Entwurf vorliegt, könnte einen Schub geben. Der Großteil der in China zugelassenen E-Autos ist schon jetzt rein akkubetrieben.

Deutschland hinkt in Sachen Elektro-Mobilität hinterher

Zum Vergleich: In den USA stieg die Zahl der zugelassenen Elektrofahrzeuge um 38 Prozent auf mehr als 157.000. In Norwegen, wo E-Autos dank der staatlichen Förderung schon einen Marktanteil von fast 30 Prozent haben, wurden 45.000 neue Elektroautos zugelassen, in Großbritannien 37.000 und in Frankreich 29.000.

In Deutschland fällt die Bilanz trotz der im vergangenen Jahr eingeführten Prämie mit einem Plus von sieben Prozent auf 25.154 E-Autos ernüchternd aus.

Wer sein Elektroauto hierzulande an öffentlichen Stationen laden will, sucht vor allem auf dem Land oft vergeblich. Die noch fehlende flächendeckende Infrastruktur gilt als einer der Hauptgründe dafür, dass die Elektromobilität in Deutschland nur schleppend vorankommt.

In Deutschland kommt der Aufbau einer flächendeckenden Infrastruktur an öffentlichen Ladestationen zwar voran, aber nur langsam.

Elektroautos im Vergleich immer noch teuerer

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft sieht bis zum Jahr 2020 einen Bedarf an 70.000 öffentlichen Ladepunkten zur Normalladung und 7.100 Schnellladepunkten: "Davon sind wir noch weit entfernt." Zur Jahresmitte zählte der Verband bundesweit gerade einmal rund 6.500 Ladepunkte, darunter 230 Schnellladepunkte.

Der Bundesverband eMobilität kritisiert, bisher gebe es beim Aufbau der Ladeinfrastruktur "Insellösungen", die häufig nicht miteinander vereinbar seien. "Um als Elektroautofahrer beispielsweise in Berlin im gesamten Stadtgebiet laden zu können, benötigt man mindestens fünf verschiedene Ladekarten von unterschiedlichen Anbietern", sagt eine Sprecherin. "Benutzerfreundlich ist das nicht."

Die Benutzer - sprich: die Autofahrer - greifen derzeit auch deswegen nicht zu, weil E-Autos trotz Prämie immer noch vergleichsweise teuer sind. Dazu kommt das Problem der geringeren Reichweite - auch wenn die Hersteller hier bald Besserung versprechen.

Es mangelt nicht am Angebot, sondern an der Nachfrage

Die Autobranche aber ist in einer Zwickmühle. Sie muss ihr Geschäft mit alternativen Antrieben deutlich ausbauen - auch um schärfere Umweltauflagen der EU zu erfüllen.

Forschung und Entwicklung von E-Autos kosten Milliarden. Mit den Fahrzeugen verdienen die Autobauer derzeit aber wenig Geld - das machen sie vor allem mit SUVs, schweren sportlichen Geländewagen. Deren Absatz boomt - ganz im Gegensatz zu den E-Fahrzeugen.

Das sorgt in der Branche für Rätselraten, und führt dann zu Äußerungen wie jener von VW-Chef Matthias Müller. Dieser hielt den Kunden im November vor, sie verhielten sich inkonsequent:

"Auf der einen Seite denken und handeln viele Deutsche im Alltag grün, wenn es aber um E-Mobilität geht, haben wir als Verbraucher spitze Finger. So ganz habe ich dieses paradoxe Phänomen noch nicht verstanden", sagte Müller der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung." Es mangele nicht am Angebot, sondern an der Nachfrage.

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(mf)