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08/02/2017 06:36 CET | Aktualisiert 08/02/2017 12:18 CET

Diese Zahlen sollte jeder kennen, der länger als 45 Minuten zur Arbeit braucht

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Wer viel pendelt, setzt seine Gesundheit aufs Spiel, warnen Experten.

Wohnen möchte der Mensch dort, wo er sich wohl fühlt. Doch meistens ist die Arbeitsstelle vom Wohnhort sehr weit entfernt. Viele Menschen nehmen diesen Umstand gerne in Kauf.

Was viele dabei jedoch unterschätzen: Ein langer Arbeitsweg kann frappierende gesundheitliche Folgen haben. Das belegen inzwischen auch mehrere Studien.

So haben etwa Wissenschaftler der schwedischen Umea-Universität die gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen des Berufspendelns untersucht. Die Ergebnisse ihrer Studie sind erschreckend.

Die Experten fanden heraus, dass Ehen, in denen einer oder beide einen längeren Weg in die Arbeit hat, zu 40 Prozent häufiger geschieden werden. Auch führt langes Pendeln in die Arbeit laut der Studie zu gesundheitlichen Einschränkungen wie chronischen Kopfschmerzen, Haltungsstörungen und Fettleibigkeit.

So wirkt sich ein langer Arbeitsweg auf unsere Gesundheit aus

Wer viel pendelt, der verbringt den Feierabend hauptsächlich damit, im Stau zu stehen, auf den Zug zu warten oder sich mit Tausenden von anderen Pendlern in die Trambahn oder den Bus zu quetschen.

Laut den Forschern haben Pendler weniger Zeit für die Familie, weniger Zeit für Freunde, weniger Zeit für Sport, Sex oder eine gesunde Ernährung.

Berufspendeln: Ein Thema zahlreicher Studien

Einen langen Arbeitsweg empfinden viele Menschen als sehr belastend. Das ergab schon 2006 eine Studie aus den USA, für die 900 Frauen befragt wurden. Das Berufspendeln wurde von der Mehrheit als "extrem unangenehm" eingestuft.

Bei der Frage nach der liebsten Freizeitbeschäftigung landete überraschenderweise Sex auf der ersten Stelle. Fast ebenso wichtig fanden die Befragten ein intaktes soziales Umfeld: Freude treffen, gemeinsam kochen oder Sport treiben.

Als zehn Jahre später eine ähnliche Studie durchgeführt wurde, fand man heraus, dass über 40 Prozent der Berufspendler, die täglich länger als 90 Minuten in ihre Arbeit benötigen, unter wiederkehrenden Kopfschmerzen und chronischer Unzufriedenheit litten.

Außerdem kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass 28 Prozent dieser 40 Prozent über Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Lustlosigkeit klagten.

Ist Pendeln die Hauptursache für soziale Isolation?

Der Harvard-Politikwissenschaftler und Buchautor Robert Putnam sieht im Pendeln die Hauptursache für soziale Isolation. In seinem Buch "Bowling Alone" schreibt Putnam, dass man für jede 10 Minuten Arbeitsweg 10 Prozent der eigenen sozialen Kontakt vernachlässigt.

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Für den Traum vom Haus im Grünen nehmen viele Menschen täglich einen langen Anfahrtsweg in Kauf. Credit: Getty Images

Der Wissenschaftler Thomas James Christian von der amerikanischen Brown-Universität nimmt das Thema so ernst, dass er sogar eine komplexe Formel angefertigt hat, um die negativen Auswirkungen von langen Arbeitswegen zu analysieren.

Laut seiner Formel verursacht jede Minute, die wir unterwegs sind, eine zusätzliche Zeitreduktion von 0,0257 Minuten. Bei einem Arbeitsweg von insgesamt 90 Minuten sind das 2,3 Stunden weniger Zeit pro Tag. Zeit, die unser Körper dringend für die Regeneration der alltäglichen Strapazen benötigt.

Wir haben weniger Zeit, um ein nahrhaftes Essen zu kochen, weniger Zeit, um soziale Kontakte zu pflegen, weniger Energie für sportliche Aktivitäten am Abend. Ein Teufelskreis.

Für jede Stunde Pendeln 40 Minuten Regenerationszeit

Eine ganz ähnliche Studie haben die Schweizer Wissenschaftler Bruno Frey und Alois Stutzer veröffentlicht. In ihrem Paper "The Commuting Paradox" ("Das Pendel-Paradox") schreiben sie, dass Pendler für jede Stunde des Arbeitswegs mindestens 40 Minuten Regenerationszeit benötigen.

All diese Studien machen deutlich: Die gesundheitlichen Gefahren und Langzeit-Auswirkungen des Berufspendelns wurden bisher unterschätzt.

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Denn: Bei erhöhtem Stress (ob bewusst wahrgenommen oder unterbewusst) in Kombination mit viel zu kurzen Regenerationszeiten können Herz-Kreislauf-Probleme, Fettleibigkeit, Depressionen, Burn-Out, chronische Schlaflosigkeit, Migräne, soziale Vereinsamung oder Erkrankungen des Bewegungsapparates die Folge sein, warnen die Experten.

Auch die Wahl des Wohnorts muss überdacht werden

In Anbetracht dieser alarmierenden Forschungs-Ergebnisse sollten Berufstätige bei der Wahl ihres Wohnortes auch ein wenig strategisch vorgehen.

Wer seine Gesundheit schonen möchte und nicht Gefahr laufen will, das eigene soziale Umfeld zu vernachlässigen, sollte sich auch fragen, ob der Arbeitsweg nicht zu lang ist.

Ein großes Haus im Grünen oder die schöne Wohnung im Stadtzentrum nutzt am Ende nämlich nur dem etwas, der auch die Zeit hat darin zu leben - und nicht nur zu schlafen.

Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace.

(lk)