NACHRICHTEN
08/02/2017 08:36 CET

"Martin Schulz fährt dieselbe Strategie wie Trump": Top-Ökonom teilt gegen SPD-Kanzlerkandidaten aus

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz
getty
SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz

  • Deutschland diskutiert über eine Begrenzung der Managergehälter

  • SPD, Grüne und Linke wollen sie deckeln

  • In der Wirtschaft und bei der Union regt sich Widerstand

Aus der Wirtschaft kommt scharfe Kritik an den SPD-Plänen zur Begrenzung von Managergehältern.

"Eine gesetzliche Begrenzung von Managergehältern und Boni wäre ein Eingriff in die Vertragsfreiheit. Das ist eine Frage der Aufsichtsräte und nicht des Gesetzgebers", poltert Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln, gegenüber der "Passauer Neuen Presse".

Es sei ein absurder Versuch, die individuelle Verantwortung von Unternehmen auszuhebeln. Damit würde viel Schaden angerichtet.

Abfindung für VW-Managerin sorgt für Wirbel

In den vergangenen Tagen hatte es eine Diskussion um Abfindungen, Boni und Gehälter von Managern gegeben. Auslöser war der Fall der ehemaligen SPD-Ministerin Christine Hohmann-Dennhardt. Sie kassierte nach nur 13 Monaten bei VW zwölf Millionen Euro Ablöse.

In der Folge war vor allem Martin Schulz von Politikern der Linken, der Grünen und der Union scharf angegriffen worden. Denn: Unter anderem sitzt Niedersachsens SPD-Ministerpräsident, Stephan Weil, im Aufsichtsrat von VW.

Inzwischen sprechen sich Politiker der Linken, Grünen und SPD für eine Begrenzung der Bezahlung von Managern aus. "Wir brauchen ein Stoppschild in den Vorstandsetagen gegen die goldenen Nasen", sagt der SPD-Parteivize Thorsten Schäfer-Gümbel. Auch Kanzlerkandidat Schulz hatte wiederholt hohe Managergehälter als ungerecht angeprangert.

Laut einer Emnid-Umfrage im Auftrag der "Bild am Sonntag" sprechen sich 76 Prozent der Befragten dafür aus, die Höhe von Abfindungen und Boni für Manager gesetzlich zu begrenzen. Dass jemand aus dem Management eines Großkonzerns nach einjähriger Tätigkeit mehr als zwölf Millionen Euro Abfindung erhält, empfinden 88 Prozent als ungerecht.

Ökonom Hüther: "Das ist eine Neid-Debatte"

Die Union lehnt die Begrenzung von Managergehältern allerdings ab. Der Unions-Fraktionsvize im Bundestag, Ralph Brinkhaus, sagte dem Berliner "Tagesspiegel". "Im Bereich Banken haben wir bereits die Auszahlung von Boni begrenzt, weil es Fehlentwicklungen gab. Darüber hinaus sehe ich im Moment keinen Handlungsbedarf."

"Wer anfängt, Obergrenzen für Gehälter zu definieren, wird am Ende darüber auch einen Wahlkampf führen. Das ist eine Neid-Debatte", klagt auch der Ökonom Hüther.

"Wer glaubt, dass solche Gesetze sinnvoll sind, hebelt am Ende die Marktwirtschaft aus." Eine solche Begrenzung müsse durch die Verantwortlichen in den Unternehmen selbst geregelt werden, erklärte der IW-Chef.

So säßen bei VW etwa SPD-Politiker mit im Aufsichtsrat und hätten hier längst tätig werden können, sagte er. "SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat eine vergleichbare Strategie wie Donald Trump. Er redet alles schlecht und den Menschen ein, dass es in Deutschland große soziale Ungerechtigkeit gebe", so Hüther.

Gehälter im internationalen Vergleich "moderat"

Auch bei den Unternehmen scheint Hüthers Meinung vorzuherrschen - außerdem scheinen die deutschen Top-Manager nicht der Meinung, dass ihre Gehälter astronomisch sind.

Wie eine Umfrage der "Zeit" ergab, halten die DAX-Manager ihre Gehälter für angemessen und moderat.

Kein Wunder, dass sie von einer Deckelung der Bezüge nichts halten.

"Die Vorgabe einer Höchstquote wäre ein deutlicher Eingriff in die Eigentümerrechte", warnt Nikolaus von Bomhard, Vorstandsvorsitzender der Münchener Rück, in der "Zeit". Persönlich empfinde er seine Vergütung als angemessen, im internationalen Vergleich seien die Vorstandsgehälter in seinem Unternehmen aber "sehr moderat".

Wie Zahlen, die die "Zeit" zitiert, zeigen verdienen die deutschen Top-Manager tatsächlich nicht signifikant mehr als in anderen Ländern - eher weniger.

Im Jahr 2015 lagen die durchschnittlichen Gehälter der Vorstandsvorsitzenden in Deutschland bei 5,1 Millionen Euro, schreibt die "Zeit". In Frankreich lag der Durchschnitt mit 4,7 Millionen Euro etwas niedriger, in der Schweiz mit 6,8 Millionen Euro etwas höher. Deutlich mehr wurde mit umgerechnet 16,4 Millionen Euro in den USA gezahlt.

(jg)