POLITIK
08/02/2017 23:56 CET | Aktualisiert 09/02/2017 07:25 CET

Maischberger fragt: "Ist Merkel die richtige Kandidatin?" Schäubles Antwort sagt alles

  • In einer Talkshow könnte Wolfgang Schäuble die Vorzüge Angela Merkels preisen

  • Doch dem beliebten CDU-Politiker fallen keine guten Argumente ein

  • Was Schäuble zur Zukunft der EU sagte, seht ihr im Video oben

Die CDU hat ihr schwerstes Geschütz in den Wahlkampf geschickt. Nachdem ein Auftritt von Kanzlerkandidat Martin Schulz bei "Anne Will" der SPD einen phänomenalen Zuwachs in den Umfragen beschert hatte, wollte die Union offenbar mit einem Auftritt des Finanzministers Wolfgang Schäuble bei "Maischberger" zurückschlagen.

Schäuble zeigte, warum er einer der beliebtesten CDU-Politiker ist. Über eine Stunde lang verbreitete er Zuversicht angesichts weltweiter Unsicherheit und Krisen. Als Moderatorin Sandra Maischberger ihn fragte, ob er sich Sorgen um die Zukunft seiner Enkel mache, antwortet er: "In Zahlen ist die Welt viel besser geworden."

Er erinnerte an die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und die atomare Bedrohung während des Konflikts mit der Sowjetunion: "Heute sterben mehr Menschen durch Selbstmord als durch Kriege." Die Kinder von heute hätten ganz andere Möglichkeiten, als er selbst sie gehabt habe.

"Europa ist immer in Zeiten der Krise vorangekommen"

Auch um Europa scheint er sich wenig Sorgen zu machen. Selbst wenn in Frankreich Marine Le Pen Präsidentin werden sollte und die Währungsunion zerbrechen sollte, würde Europa zusammenhalten: "Es wird einen neuen Anlauf geben." Er sah die gegenwärtige Situation als Chance: "Die europäische Einigung ist immer in Zeiten von Krisen vorangekommen."

"Ich habe die Beruhigungspille geschluckt", sagte Maischberger anerkennend. Die besten Fragen hob sich die Moderatorin allerdings für die Minuten kurz vor Schluss der Sendung auf. Es ging um die Flüchtlingspolitik.

Schäuble hatte die Kanzlerin nach der Öffnung der Grenzen für syrische Flüchtlinge mit einer Skifahrerin verglichen, die achtlos eine Lawine ausgelöst habe. "Nicht wenige in der CDU hatten gehofft, dass sie Merkel in den Arm fallen würden", sagte Maischberger. "Warum haben Sie es nicht getan?"

"Ist Merkel die richtige Kandidatin?"

"Wir sind von dieser Flüchtlingssituation in diesem Ausmaß überrascht worden und waren nicht vorbereitet", sagte Schäuble.

Jetzt erhöhte Maischberger den Druck: "Meine Frage ist, ob die richtige Kandidatin im Wahlkampf antritt." Die SPD habe den Befreiungsschlag gewagt, nachdem die Partei erkannt habe, dass sie mit dem Vorsitzenden Sigmar Gabriel nicht gewinnen werde. Der unbelastete Martin Schulz hat übernommen.

"Angela Merkel wird in diesem Wahlkampf immer mit den Fehlern der Flüchtlingspolitik verbunden werden", sagte Maischberger. "Hätten Sie eine aussichtsreichere Kandidatin als Merkel?"

"Sie wären es!"

Schäuble wich aus, doch Maischberg ließ nicht locker. "Sie wären es!", platzte sie heraus.

Schäubles Antwort war vielsagend. Er verwies nicht auf Merkels Vorzüge als Kanzlerin, sondern seine gesundheitliche Situation: "Ich bin 75 und sitze seit über 26 Jahren im Rollstuhl, falls Sie das übersehen haben sollten."

"Wer Kanzler ist, hat eine schwere Verantwortung", sagte er. "Merkel hat es insgesamt gut hingekriegt." Begeisterung klingt anders.

Maischberger ließ ihn nicht entkommen. Es gebe erstmals eine Wechselstimmung im Land - so wie 1998, als der SPD-Politiker Gerhard Schröder vor der Bundestagswahl vor dem CDU-Mann Helmut Kohl lag. Damals sagte Schäuble dem Kanzler klipp und klar: "Mit dir gewinnen wir nicht." Kohl kandidierte trotzdem - und unterlag.

"Angela, mit dir gewinnen wir nicht"

"Sollte die CDU nicht aus diesem Fehler lernen und sagen 'Angela, mit dir gewinnen wir nicht'?", fragte Maischberger. Schäuble verwies auf die Schwierigkeiten, vor denen das Land stehe: "Europa muss stärker werden. Das kann nur eine Frau - Merkel."

Die CDU würde nicht gewählt werden, weil sie zwölf Jahre alles gemacht habe, sondern weil sie die besseren Antworten habe. "Deshalb kämpfe ich für und mit Angela Merkel."

Anders ausgedrückt: Merkel hat Fehler gemacht, aber die CDU hat keine Alternative. Wenn das alles ist, was die CDU den Wählern anzubieten hat, dann kann Martin Schulz schon mal die Einrichtung seine Büros im Kanzleramt planen.

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(jg)