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08/02/2017 13:09 CET | Aktualisiert 09/02/2017 06:17 CET

An den Fremden, der mir vorschreiben wollte, wie ich mit meinem Sohn umzugehen habe

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An den Fremden, der mir vorschreiben wollte, wie ich mit meinem Sohn umzugehen habe

Alle Eltern kennen den Moment nur zu gut. Den Moment, in dem dein Kind sich weh tut und man reflexartig alles stehen und liegen lässt und losrennt. Um das Kind in den Arm zu nehmen, ihm zu zeigen, dass es nicht alleine ist, ihm zu versichern, dass nichts Schlimmes passiert ist.

Das Letzte, was man in so einer Situation möchte, sind Menschen, die einem reinreden. Die glauben, besser zu wissen, wie man mit dem eigenen Kind umzugehen hat, einen belehren wollen, während das Kind noch weinend am Boden liegt.

Genau das ist auch Jaime Primak Sullivan aus New Jersey passiert. Nach einem Erlebnis bei einem Basketballspiel ihre Sohnes veröffentlichte sie auf Facebook diesen Post, der ganz offensichtlich vielen anderen Eltern aus der Seele spricht.

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Sie schreibt darin:

"Vergangenen Samstag hatte mein achtjähriger Sohn Max in seiner Schule ein Basketballspiel. Durch einen blöden Zufall bekam er den Ball ins Gesicht. Ich beobachtete wie in Zeitlupe, wie es passierte. Ich sah, wie sich seine Augen weiteten und sein Blick suchend umher schweifte. Ich wusste, dass er nach mir Ausschau hielt. 'Max hat sich weh getan', sagte ich zu meinem Mann und sprang vom Sitz auf.

In diesem Moment sah ich, wie Max um den Platz herum in meine Richtung rannte. Er weinte lautlos. Er bekam keine Luft. Meine Beine konnten sich gar nicht schnell genug bewegen. Sobald ich ihn erreicht hatte, ging ich in die Knie und sagte zu ihm: 'Du musst atmen, mein Kleiner.' Er drückte seinen Rücken durch. 'Max, atme. Alles ist gut.'

Dann bekam er endlich wieder Luft. Ich nahm ihn in den Arm und er weinte an meiner Schulter. Da hörte ich eine Stimme hinter mir. 'Sie müssen aufhören, das Kind wie ein Baby zu behandeln.'

Mein Gehirn registrierte die Laute, doch ich konzentrierte mich weiter auf Max. Ich wischte ihm die Tränen aus dem Gesicht. Als ich wusste, dass er sich beruhigt hatte, schickte ich ihn zurück auf den Platz, damit er sein Team wieder unterstützen konnte.

Ich kehrte zu meinem Sitz zurück. Meine Hände zitterten. Ich war so wütend. Den ganzen Heimweg über beschwerte ich mich darüber, was die Person zu mir gesagt hatte. Mein Mann beschwichtigte mich. 'Wen interessiert es, was andere denken?'

Die Vorstellung, dass Jungs nie verletzt werden, dass sie nie fühlen können, ist so falsch und sie schadet ihnen auf längere Sicht. Der Glaube, dass jedes Zeichen und jede Geste der Zuneigung irgendwie ihre Männlichkeit untergräbt, dieser Druck, immer ‘seinen Mann zu stehen’ folgt ihnen bis ins Erwachsenenalter. Es fällt ihnen dann schwer, die ganze Tragweite von Liebe und Zuneigung zu erfahren.

Das einzige Gefühl, das sie auf gesunde Weise auszudrücken lernen ist Glück. Und dann wundern wir uns, warum sie ständig verzweifelt danach streben.

Ihnen wird beigebracht, dass Trauer eine Schwäche ist, dass es ihnen nicht zusteht, über ihre Ängste zu sprechen. Sie können nicht über ihren Kummer sprechen. Sie tun sich schwer zu trauern. Sie haben Angst zu weinen. Das alles hat Auswirkungen darauf, wie sie als Ehemann und Vater sind. Und ich hasse es.

Lieben ist ein Verb. Es ist etwas, das man tut. Es hat nichts damit zu tun, jemanden wie ein Baby zu behandeln, zu verhätscheln oder zu verziehen. Es ist etwas, das mein Sohn verdient hat. Ich werde ihn immer lieben, wenn er sich weh tut und ich hoffe sehr, dass er auch immer dafür offen sein wird, Liebe zu empfangen und diese Liebe auch zurückgeben kann und so den Kreis am Laufen hält."


Sullivans Worte haben bereits viele Menschen erreicht, viele Eltern drücken unter dem Post ihre Zustimmung aus. Der Beitrag wurde schon mehr als 16.000 Mal geliket und mehrere tausend Mal geteilt.

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(ame)