POLITIK
08/02/2017 17:01 CET | Aktualisiert 08/02/2017 17:08 CET

Fast die Hälfte der Bayern sind unzufrieden mit der Demokratie - das ist aber noch nicht alles

Fast die Hälfte der Bayern sind unzufrieden mit der Demokratie - das ist aber noch nicht alles
Michael Dalder / Reuters
Fast die Hälfte der Bayern sind unzufrieden mit der Demokratie - das ist aber noch nicht alles

  • In Bayern ist nur jeder Zweite mit der Demokratie zufrieden

  • Auch in anderen Bundesländern steigt die Demokratie-Verdrossenheit

  • Der Politologe Heinrich Oberreuter nimmt Politiker in die Pflicht

Es sind erschreckende Zahlen: Fast die Hälfte der Menschen in Bayern ist mit der Demokratie nicht zufrieden. Das geht aus einer Studie der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung hervor. Die Zahl der Unzufriedenen stieg demnach seit 2001 von 22 auf 48 Prozent.

Die notorischen Nichtwähler werden so auch immer mehr. Ihre Zahl stieg zwischen 2010 und 2016 deutlich von neun auf 18 Prozent. Der Anteil der Wechselwähler hat innerhalb nur eines Jahres von 31 auf 40 Prozent zugenommen.

Bemerkenswert ist aus Sicht der Hanns-Seidel-Stiftung, dass die Unzufriedenheit sich ausbreitet, obwohl 60 Prozent der Bayern die derzeitige wirtschaftliche Lage in Deutschland überaus positiv beurteilen. Eine solche Diskrepanz habe die Stiftung in ähnlichen Untersuchungen noch nie gemessen.

"Die ermittelten Ergebnisse sind eine große Herausforderung für die Demokratie

Sie führt das auf die emotionsgeladene Themen Innere Sicherheit,Terror sowie Flüchtlinge und Zuwanderung zurück. Diese Themen würden mit großem Abstand (88 Prozent und 84 Prozent) als wichtigste bundespolitische Probleme wahrgenommen und belasteten die allgemeine Grundstimmung. Das Fazit der Stiftung: "Die ermittelten Ergebnisse sind eine große Herausforderung für die Demokratie."

Und Bayern ist nicht das einzige Bundesland in Deutschland, in dem die Menschen mit dem demokratischen System hadern. Auch in Sachsen ist nur jeder Zweite damit zufrieden, wie Demokratie hierzulande funktioniert. 17 Prozent der 18- bis 29-Jährigen halten die Demokratie in dem ostdeutschen Bundesland sogar für eine schlechte Staatsform.

In Hessen ist die Stimmung, was die Demokratie betrifft, auch nicht viel besser. Mehr als jeder Dritte ist dort mit der deutschen Demokratie nicht zufrieden. Genauer: 36 Prozent hadern damit.

"Der Trend setzt sich fort"

"Der Trend setzt sich damit fort, mit leichter Tendenz nach oben", sagt der Politologe Heinrich Oberreuter von der Universität Passau der Huffington Post.

Bundesweit war die Unzufriedenheit mit der Demokratie im Land in den vergangenen Jahren hoch gewesen. Sie lag im Frühjahr und Herbst 2015 bei 28 bzw. 35 Prozent, vergangenes Jahr dann bei 33 und 29 Prozent.

Oberreuter warnt allerdings davor, diese Unzufriedenheit mit einer Ablehnung der Demokratie an sich gleichzusetzen. Im vergangenen Frühling identifizierten sich noch 88 Prozent der Deutschen mit dem politischen System ihres Landes.

"Wir haben eine Lage der Verunsicherung"

Die Gründe für die Unzufriedenheit sind für Oberreuter offensichtlich: "Wir haben eine Lage der Verunsicherung", sagt er. Einerseits in Sachen innerer Sicherheit und Zuwanderung.

Andererseits gibt es die Ungewissheit, wie es wirtschaftlich weitergeht. "Speziell der Mittelstand und die ältere Generation fragen sich, ob ihre Kinder noch die selben Entwicklungschancen bekommen wie sie selbst."

Für Oberreuter ist klar, was getan werden muss: "Es ist die Aufgabe der Politik, vorausschauend Sicherheit herzustellen – statt zu warten, bis es knallt."

Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace..