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07/02/2017 14:18 CET

Der Umfragen-Krieg: Keiner weiß, wie beliebt Donald Trump wirklich ist - das steckt dahinter

Pool via Getty Images
Keine kann sagen, wie beliebt Donald Trump wirklich ist

  • Umfragen liefern ein unterschiedliches Bild darüber, wie beliebt US-Präsident Donald Trump ist

  • Für das Phänomen gibt es eine einfache Ursache

Und sie lieben ihn doch, ein bisschen wenigstens: 50 Prozent der US-Bürger sind der Meinung, dass sich ihr Land unter Präsident Donald Trump positiv entwickelt. Das ist das überraschende Ergebnis einer neuen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts IBD/TIPP.

Seit fast zwölf Jahren waren die US-Amerikaner nicht mehr so zuversichtlich, was die Zukunft ihres Landes angeht.

Mit Verlaub: Wie kann das sein?

Trumps Umfragewerte brachen bisher alle Negativrekorde

Nahezu alle bisherigen Umfragen zu den Anfangstagen Donald Trumps im Präsidentenamt lieferten abgründig schlechte Werte. Trump bezog als unpopulärster US-Präsident seit 40 Jahren das Oval Office. Schon nach neun Tagen hatte die Mehrheit der US-Amerikaner genug von ihm - so schnell war noch kein Präsident so unbeliebt.

Erst am vergangenen Freitag wurde ein neuer Negativrekord ausgerufen: In Umfragen von CNN und Gallup zeigten sich nur 44 beziehungsweise 43 Prozent der Befragten mit Trump zufrieden. So wenige, wie noch nie zuvor an diesem Zeitpunkt.

Und auf einmal soll die Hälfte der US-Bürger dank seiner Politik der Zukunft zuversichtlich entgegenblicken - wie lässt sich das erklären?

Trump schimpft alles "Fake News"

Ganz einfach, glaubt man dem US-Präsidenten selbst: Alle negativen Umfragen sind "Fake News". Das behauptete Trump gewohnt salopp auf seinem Twitterkanal: "Alle negativen Umfragen sind Fake News, genau wie Umfragen von CNN, ABC, NBC vor der Wahl. Sorry, die Menschen wollen Sicherheit an den Grenzen und extreme Kontrollen."

Eine richtige Erklärung ist das natürlich nicht. Aber gesunde Skepsis ist angebracht: Hatten nicht vor der Wahl fast alle Meinungsforscher einen Sieg von Hillary Clinton vorhergesagt?

Der Faktor Mensch schlägt den Faktor Wissenschaft

Die “alternativen Fakten”, die verschiedene Umfragen über Trump liefern, lassen sich durch drei Umstände erklären.

Der erste ist die Zurückhaltung der Menschen. “Ein bekanntes Problem sind die heimlichen oder schüchternen Trump-Wähler. Sie verbergen ihre Ansichten”, schreibt das Magazin "Stern”.

Das Magazin hat TV-Umfragen mit den anonymen Erhebungen des Meinungsforschungsinstituts Rasmussen verglichen: “In der anonymen Welt von Rasmussen performt Donald Trump recht solide. Der angeblich so unbeliebte Präsident erreicht dort mehr als 50 Prozent Zustimmung.”

Der Passauer Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter sprach in diesem Zusammenhang nach der US-Wahl im November von einem “Lügen-Faktor”. Wenn befragte Wähler Angst hätten, ihre Meinung widerspreche vermeintlich dem Mainstream und sie könnten sich damit sozial isolieren, würden sie lieber die Unwahrheit sagen. Das sei auch in Deutschland bei der AfD zu erleben.

Nicht alle Befragten gehen auch tatsächlich wählen

Ein weiteres Problem bei der Genauigkeit von Umfragen: Nicht alle befragten gehen auch tatsächlich zur Wahl.

Der “Stern” zitiert John McLaughlin, einen ehemaligen Wahlkampfberater Trumps: “Eine Umfrage unter allen Erwachsenen gibt gute Ergebnisse, wenn auch jeder zur Wahl gehen würde. Das machen die Leute aber nicht.”

Manche Institute würden die Nichtwähler herausfiltern, andere nicht - auch dadurch entstünden verschiedene Ergebnisse. Ein weiteres Problem, so McLaughlin: “Bei Online-Befragungen sind die Leute ehrlicher, weil sie nicht mit einem Menschen sprechen.”

Die Wahrheit steckt im Detail

Viel entscheidender als Werte zur allgemeinen Zufriedenheit mit dem US-Präsidenten seien die Werte zu Trumps einzelnen Maßnahmen, schreibt der “Stern”.

So glaubten laut Rasmussen 50 Prozent der Befragten, “dass die amerikanische Wirtschaft im nächsten Jahr stärker sein wird als jetzt.” Das seien 16 Prozentpunkte mehr als im Oktober, unter Barack Obama - “ein phänomenaler Anstieg”, den es seit Start der Umfrage im Jahr 2009 noch nie gegeben habe.

Auch Trumps kontroverses Einreiseverbot wird laut einer Reuters-Umfrage von fast der Hälfte der US-Bürger unterstützt.

Trumps Ringen um Beliebtheit “ein Marathon und kein Sprint”

Trump weiß also in Detailfragen zu überzeugen.

Ob er nun insgesamt beliebt oder unbeliebt ist, das vermag keine einzelne Umfrage zu beantworten. Klar ist: Die schiere Masse an negativen Umfragewerten bei verschiedenen Instituten spricht gegen den US-Präsidenten.

Das ist diesem laut seinem Sprecher Sean Spicer auch durchaus bewusst: “Der Präsident versteht, dass dies hier ein Marathon und kein Sprint ist. Wenn er fortfahren wird, Arbeitsplätze zu schaffen und das Land zu beschützen, werden die Umfragewerte ihm Recht geben.”

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(ll)