POLITIK
07/02/2017 12:24 CET | Aktualisiert 07/02/2017 18:36 CET

US-Terrorexpertin warnt Donald Trump vor einer Bedrohung, die keine Mauer aufhalten kann

reuters

  • US-Sicherheitsexpertin Lisa Monaco glaubt, dass Donald Trump das Land unsicherer macht

  • Für mehr Sicherheit seien internationale Partnerschaften wichtig

  • Besonders eine Gefahr werde unterschätzt: Infektionskrankheiten

US-Präsident Donald Trump will sein Land im Kampf gegen den Terrorismus abschotten. Sicherheitsexperten bezweifeln derweil, dass das Einreiseverbot für Menschen aus sieben muslimisch geprägten Ländern die Vereinigten Staaten sicherer macht. Viele Experten sind gar der Meinung, das Dekret sei kontraproduktiv.

Eine von ihnen ist Lisa Monaco. In den vergangenen vier Jahren hat die Sicherheitsexpertin die Regierung von Präsident Barack Obama beraten. Zuvor war sie 15 Jahre im Justizministerium tätig.

Monaco glaubt, nicht nur sei Donald Trumps Isolationspolitik eine Gefahr für die USA, auch ignoriere sein Vorhaben eine Bedrohung, die das Land in den nächsten Jahren vor große Probleme stellen könnte. Das schreibt die Terrorexpertin in dem Blog "Lawfare“, der sich mit Sicherheitspolitik beschäftigt.

Ihre größte Sorge: Ansteckende Krankheiten, die nicht vor Grenzen Halt machen – und so nur durch internationale Zusammenarbeit besiegt werden können. "Die Herausforderung, die am Stärksten nach einer globalen Antwort verlangt, ist die der Infektionskrankheiten", schreibt die Ex-Sicherheitsberaterin.

Mehr zum Thema: Widerstand gegen Trump: Wie die US-Bürger das Land vor ihrem eigenen Präsidenten retten

Die größte Gefahr: eine Epidemie

Monaco beobachte "einen Ansatz, mit internationalen Gefahren umzugehen, der die Vereinigten Staaten von Schlüsselpartnern und Verbündeten isolieren wird". Das könnte zu einem massiven Problem werden.

Denn die Expertin glaubt, es grenze an Sicherheit, dass die Trump-Regierung während seiner Amtszeit mit einem neuen Erreger konfrontiert werde, "den keine Mauer aufhalten kann". Ebola und Zika hätten gezeigt, dass Epidemien auch in den USA Menschenleben kosten und für Panik sorgen können.

Obama habe mit der Global Health Security Agenda ein Netzwerk mit 50 anderen Staaten geschaffen, das es ermöglichte, dieser Herausforderung Herr zu werden.

Ob Trump diese internationale Zusammenarbeit fortsetzt und weiter finanziell unterstützt, ist derweil fraglich.

Es reiche jedoch nicht, sich nur "zuhause" auf die Prävention von Epidemien zu fokussieren. "Die globale Verteidigung gegen Krankheiten ist nur so stark, wie ihr schwächstes Glied", mahnt Monaco.

Zuletzt hatte schon Tech-Milliardär Bill Gates vor einer globalen Epidemie gewarnt. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos sprach er über Krankheiten wie Ebola oder das Zika-Virus.

Gates machte deutlich: Sollte sich eine der Krankheiten weltweit ausbreiten, würden sich mehrere Millionen Menschen damit infizieren und viele daran sterben. “Ebola und Zika haben gezeigt, dass die Welt tragischerweise nicht vorbereitet ist, um regionale Ausbrüche zu erkennen und schnell genug zu reagieren, um eine globale Pandemie zu verhindern", sagte Gates.

Trump bricht mit alten Verbündeten

Auch im Kampf gegen einen internationalen Terrorismus könnte die Abschottungspolitik Trumps problematisch werden, erklärt die Ex-Obama-Beraterin. Sie halte es für richtig, auf bestehende Bündnisse und Institutionen zu vertrauen. Als Beispiel nennt Monaco die Irakischen Streitkräfte, die mit US-Unterstützung gerade dabei sind, Mossul vom IS zu befreien.

"In dieser kritischen Phase sollten wir unsere Partner unterstützen, kein Misstrauen säen und Unsicherheit über unsere Verpflichtung gegenüber unseren muslimischen Verbündeten verbreiten", schreibt die Sicherheitsexpertin.

Eben das tut Donald Trump – nicht erst seit er im Amt ist. Denn seine außenpolitischen Ideen werfen Fragen auf. Trump will den islamistischen Terrorismus noch während seiner Amtszeit besiegen, eine Strategie, etwa für Syrien oder den Irak kommunizierte der Republikaner bisher nicht.

In mehreren Interviews äußerte sich Trump skeptisch gegenüber Partnern, mit denen die USA im Nahen Osten kooperieren. „Wir unterstützen Rebellen gegen die syrische Regierung und wir haben keine Vorstellung, wer diese Menschen sind“, sagte Trump in einem Interview im vergangenen November.

Stattdessen brachte Trump eine Zusammenarbeit mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ins Gespräch, der in Syrien an der Seite des Assad-Regimes kämpft.