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07/02/2017 16:36 CET | Aktualisiert 08/02/2017 13:27 CET

Mehr Tippfehler als verschwiegene Terroranschläge: Trumps Medienkritik geht nach hinten los

Das Weiße Haus hat eine Liste mit Terroranschlägen herausgegeben, über die die Medien angeblich nicht berichtet hätten
MANDEL NGAN via Getty Images
Das Weiße Haus hat eine Liste mit Terroranschlägen herausgegeben, über die die Medien angeblich nicht berichtet hätten

  • Das Weiße Haus hat eine Liste mit Terroranschlägen herausgegeben, über die die Medien angeblich nicht berichtet hätten

  • Eine Recherche mit einer Suchmaschine zeigt, dass deren Inhalt nicht stimmen kann

  • Außerdem wimmelt die Liste von Tippfehlern

US-Präsident Donald Trump hat den "unehrlichen Medien" vorgeworfen, Terroranschläge zu verschweigen. In einer Rede in Florida behauptete er, dass die Presse bewusst die Berichterstattung über den vermeintlichen weltweiten "Völkermord" durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) minimiere.

"Ihr habt gesehen, was in Paris und Nizza passiert ist. Überall in Europa passiert es. Es ist ein Punkt erreicht, an dem gar nicht mehr darüber berichtet wird", sagte Trump.

Zunächst hatte er keine Belege geliefert, die seine Behauptung stützen könnten. Später hat das Weiße Haus jedoch eine Liste von 78 Anschlägen weltweit veröffentlicht, die seit September 2014 vom IS durchgeführt oder inspiriert worden seien.

Die meisten der Vorfälle hätten nicht genügend Aufmerksamkeit von den Medien erhalten, hieß es aus dem Weißen Haus - ohne speziell auf eine Attacke einzugehen.

Liste bringt 1,7 Millionen Google-Ergebnisse

Eine Analyse der Huffington Post UK zeigt jedoch, dass die Behauptung größtenteils nicht zutrifft. Denn die Liste beinhaltet zum Beispiel auch die Anschläge von Paris 2015, die Schießerei in einem Nachtclub in Orlando, den Abschuss eines russischen Flugzeugs über der Sinai-Halbinsel 2015 und als letzten Eintrag den Anschlag von Berlin - alles Vorfälle, über die ausführlich und weltweit berichtet wurde.

Eine einfache Google-Suche verrät, dass nur sieben der 78 Attacken weniger als 50 Nachrichten-Texte aufweisen. In keinem der sieben Vorfälle kam es zu Todesfällen, in lediglich zweien gab es überhaupt Verletzte.

Insgesamt liefert die Suchmaschine über 1,7 Millionen Ergebnisse für die 78 Anschläge. Über einige davon gibt es alleine mehr als 10.000 Artikel, wie die Attacke auf Touristen im tunesischen Sousse 2015.

Sechs Anschläge auf der Liste ergeben alleine über 100.000 Nachrichten-Treffer auf Google News.

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Liste enthält mehr Tipper als "nicht berichtete Anschläge"

So viel zum Inhalt der Liste. Ein anderer Umstand fing auch die Aufmerksamkeit der Leser ein: Das Dokument des Weißen Hauses war übersät mit Tippfehlern. Allein das Word "attacker" - also zu Deutsch "Angreifer" - war 27 Mal als "attaker" falsch geschrieben.

Dänemark erscheint einmal als "Denmakr" und die US-Stadt San Bernardino als "San Bernadino".

Die Nachrichtenagentur AP schrieb deshalb über die Liste, sie mache den Eindruck, hastig zusammengefügt worden zu sein.

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter hagelte es dafür Häme. Ein Nutzer schrieb: "Das Beste an der Anschlags-Liste des Weißen Hauses ist, dass Trumps Leute ums Verrecken nicht richtig schreiben können. Ich bin nicht überrascht. Der Präsident kann wahrscheinlich seinen eigenen Namen nicht schreiben."

Ein anderer Nutzer schrieb: "Da sind mehr Tipper in der Liste des Weißen Hauses der nicht berichteten Terroranschläge, als es nicht berichtete Terroranschläge gibt."

Das fehlt in der Liste

Die Liste enthält keine Anschläge, die von rechten oder nationalistischen Personen verübt worden sind. Auch Attacken in Israel findet man darin nicht.

Das jetzt berühmte und nicht existente "Bowling Green Massaker" ist ebenfalls nicht aufgelistet. Trumps Beraterin Kellyanne Conway hatte versucht, das Einreiseverbot mit einem angeblichen Massaker zu rechtfertigen - einen Vorfall, den es so nie gab.

Trump benutzt die Bedrohung durch den Terrorismus wohl, um sein umstrittenes Einreiseverbot durchzudrücken. Mit der Verordnung sollte die Aufnahme von Flüchtlingen gestoppt werden. Außerdem untersagte sie Menschen aus sieben vorwiegend muslimischen Ländern auf bestimmte Zeit die Einreise in die USA.

Die Verordnung liegt derzeit auf Eis, nachdem ein Bundesrichter dagegen geklagt hatte - und die Berufungsinstanz ihm Recht gab.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der Huffington Post UK und wurde von Leonhard Landes ins Deutsche übersetzt.

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(ks)