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07/02/2017 07:07 CET | Aktualisiert 07/02/2017 07:21 CET

Streit über Abschiebungen: Grünen-Politiker Palmer greift Tagesschau an

dpa
Der Grünen-Politiker gilt als rechtsaußen in seiner Partei

  • Die Bundesregierung will mehr als 10.000 Flüchtlinge nach Afghanistan abschieben

  • Grünen-Politiker Boris Palmer verteidigt die Abschiebungen jetzt

  • Und er legt sich mit der Tagesschau an

Seit Monaten tobt ein politischer Streit darüber, ob man Flüchtlinge auch nach Afghanistan abschieben darf.

Dieser Streit findet jetzt auch zwischen dem Tagesschau-Kommentator Jürgen Webermann und dem Grünen-Politiker Boris Palmer statt.

Palmer hatte auf Facebook für die Abschiebungen argumentiert. Seine zugespitzte Begründung: In Chicago in den USA kämen ja ähnlich viele Menschen durch Schusswaffen ums Leben wie in Afghanistan.

Chicago gefährlicher als Afghanistan

Palmer rechnet vor: "Für Afghanistan kommen auf 30 Millionen Einwohner 5000 zivile Opfer. Das ist eine Rate von 1:6000." In Chicago, so argumentiert Palmer, "kommen auf 2,7 Millionen Einwohner 700 Mordopfer. Das ist eine Rate von 1:4000. Das ist ein höheres Risiko als im Durchschnitt von Afghanistan."

Palmer hält es deshalb für gerechtfertigt, Flüchtlinge nach Afghanistan auszuweisen, auch wenn er zugibt, dass in Afghanistan die Gefahr Opfer eines Mordes zu werden insgesamt höher ist als in den USA.

Webermann von der Tagesschau hält diese Argumentation schlicht für zynisch. Er schreibt: "Ich würde Boris Palmer gerne mal mitnehmen nach Kundus. Aber leider geht das nicht. Es wäre lebensgefährlich." Fast die Hälfte des Landes sei inzwischen Kampfzone.

"Ihnen ist jedes Argument recht"

Doch das wolle in der aktuellen Debatte über Abschiebungen niemand sehen.

Webermann klagt: "Das Einzige, das selbst grüne Politiker wie Boris Palmer derzeit zu interessieren scheint, ist aber die Frage, wie wir Abschiebungen nach Kabul schönreden können. Dafür scheint ihnen jedes Argument recht, und sei es noch so zynisch."

Das will Palmer aber nicht auf sich sitzen lassen. Er wirft Webermann und anderen Medien, die gegen die Abschiebungen argumentieren, via Facebook "eine dramatisierende Berichterstattung" vor. Nur auf die Todeszahlen zu schauen, ohne mit der Einwohnerzahl in Relation zu setzen, vermittle ein falsches Bild.

Und weiter: "Gerne kann man auch den Vergleich mit anderen Ländern als den USA heranziehen oder eine weltweite Risikostatistik heranziehen. Die Mordrate in touristischen Ländern der Karibik ist dramatisch höher als in Afghanistan."

Mehr zum Thema: Bundesregierung will mehr als 12.000 Afghanen abschieben

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