POLITIK
07/02/2017 04:43 CET | Aktualisiert 07/02/2017 08:54 CET

Widerstand gegen Trump: Wie die US-Bürger das Land vor ihrem eigenen Präsidenten retten

Proteste von Trump-Gegnern
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Proteste von Trump-Gegnern

Die Trump-Revolution ist im vollem Gange.

So scheint es jedenfalls nach den ersten zwei Wochen des US-Präsidenten im Amt. Trump unterschreibt eine Flut von Dekreten und bewegt mit seinen Tweets die Börsen weltweit.

Der Eindruck verfestigt sich: Die USA befinden sich im Auge eines Sturms, der droht, von Washington aus über die gesamte Welt hinwegzurollen.

Die wichtigste Erkenntnis der ersten beiden Wochen Trump geht bei all den unheilvollen Nachrichten jedoch beinahe unter:

Die amerikanische Gesellschaft zeigt sich seit der Amtseinführung des Präsidenten so wehrhaft wie vielleicht nie zuvor. Die Amerikaner haben den politischen Amoklauf des Präsidenten bislang mit bemerkenswertem Mut und viel Engagement ausgebremst.

Eindrücke aus einem Land in Aufruhr:

Demonstranten und Richter gegen den Einreisebann

Das beste Beispiel ist der Streit um Donald Trumps Einreiseverbot. Nach massenhaften Protesten an den Flughäfen der US-Metropolen und massivem Widerspruch von zahlreichen Organisationen, Politikern und Prominenten stoppte die New Yorker Richterin Ann M. Donnelly das Dekret bereits am ersten Wochenende seiner Gültigkeit.

Jetzt ist der Streit Sache des Bundesgerichtes.

Die Bundesstaaten Washington und Minnesota haben gegen das Dekret geklagt, unterstützt werden sie schon jetzt von zahlreichen hochrangigen Diplomaten und Sicherheitsexperten, 280 Juraprofessoren und beinahe 100 einflussreichen Technikunternehmen.

Trump droht jetzt vor Gericht die erste bittere Klatsche seiner Amtszeit. Die treibende Kraft sind aber nicht die Anwälte und Richter, sondern Zehntausende US-Bürger, die weiter unermüdlich gegen das Einreiseverbot protestieren – auf den Straßen, im Internet, vor laufender Kamera, oder abseits der großen Bühne im persönlichen Umfeld.

"Wir werden deine Mauer nicht bauen"

Im liberalen New York ist er besonders greifbar, der Widerstand gegen den xenophoben US-Präsidenten. Legt man auf der Straße einmal den Kopf in den Nacken, so sieht man, dass die Bürger in vielen Hochhäusern Manhattans Zettel in die Scheiben geklebt haben - ein Buchstabe pro Fenster. Ihre Botschaft: "Wir werden deine Mauer nicht bauen.“

Es ist eine Solidaritätsbekundung mit Mexiko, dem US-Nachbarstaat, den Trump zur Finanzierung seines Grenzwalls zwingen will. Dem Land, das seit Jahren freundschaftliche Beziehungen zu den USA unterhält, die Trump mit seinem Getöse von "Vergewaltigern“ und "Drogenabhängigen“ schon jetzt nachhaltig beschädigt hat.

Was Trump in seinen ersten Amtstagen lernen musste: Die meisten Amerikaner wollen keine Isolation und keine Spaltung.

Menschen verschiedener Religionen stehen Seite an Seite

Stattdessen rücken dieser Tage Bürger unterschiedlichster Hintergründe zusammen. Eine Szene, die der Fotograf Nuccio DiNuzzo Ende Januar am Flughafen in Chicago einfing, zeigt das perfekt.

Sein Foto zeigt den Moment, in dem sich zwei Väter mit ihren Kindern begegnen - der Rabbi Jordan Bendat-Appell und der gläubige Muslim Fatih Yildirim. Ein intimer Moment der Solidarität – über die vermeintlichen Grenzen des Glaubens hinweg.

Ein Moment, wie es ihn ähnlich in den vergangenen Wochen in den USA wohl tausende Mal gegeben hat. Ob beim Frauenmarsch in Washington, der größten Demonstration der US-Geschichte, oder an der Westküste, wo US-Bürger zuletzt gegen den per Dekret beschlossenen Beginn umstrittener Öl-Pipeline-Projekte auf die Straße gingen.

Auch große Unternehmen machen mit

Doch was in den USA gerade Hoffnung macht, ist nicht nur die Auflehnung der einfachen Bürger. Es ist auch der Widerstand der Trump von Seiten großer Unternehmen und einflussreicher Künstler entgegenschlägt.

Das Übernachtungsportal AirbnB bot Flüchtlingen, denen die Einreise verweigert wurde, bis zum Abschluss des Verfahrens kostenlose Unterkünfte an. Starbucks verpflichtete sich dazu, in den nächsten Jahren 10.000 Flüchtlinge einzustellen. Google schuf einen Notfallfonds für amerikanische Menschenrechtsorganisationen. Mit den Chefs von Apple, Microsoft, Google, Twitter, Tesla und Uber übten die CEOs von einigen der größten US-Tech-Unternehmen scharfe Kritik an Trumps Einreiseverbot.

Auch der Superbowl, neben der World Series das amerikanische Sportspektakel, stand ganz im Zeichen der kämpferischen Zivilgesellschaft. Nicht nur setzte Lady Gaga in ihrer Halbzeitshow ein subtiles Zeichen gegen die gesellschaftliche Spaltung, auch die großen Unternehmen, die sich Werbeblöcke sicherten, bezogen politisch Stellung.

"Akzeptanz startet bei uns allen", hieß es etwa in der Werbung von Airbnb.

Für den größten Aufreger sorgte aber wohl die Brauerei Budweiser. Und das mit einem eher unscheinbaren Spot. Er erzählte die Geschichte des Budweiser-Gründers Adolphus Busch, der 1857 aus Deutschland in die USA auswanderte und dort zusammen mit Eberhard Anheuser begann, das mittlerweile ikonische US-Bier zu brauen.

Die Botschaft war klar: Vieles von dem, was Amerika so großartig macht, hat das Land Zuwanderern zu verdanken.

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(ben)